Wege in die Ausbildung

Die Kraft der Überzeugung

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Hüseyin Kara startet mit viel Motivation in seine Ausbildung. Das ist nicht bei jedem jungen Menschen so.

Offenbach - Der Weg in eine Ausbildung kann reibungslos verlaufen oder mit Hindernissen gespickt sein. Das zeigen die beiden jungen Menschen, die wir heute in unserer Serie vorstellen. Von Christian Wachter

Bei Hüseyin Kara läuft alles nach Plan. Schon bald fängt er bei einem Mühlheimer Autolackierer mit seiner Ausbildung an. Keine Selbstverständlichkeit, sind doch gerade die Plätze in der Kfz-Branche durchaus umkämpft. Gut, dass der 16-Jährige seinen Arbeitgeber bei einem Praktikum überzeugt hat. „Ich glaube, mein Chef hat gemerkt, wie motiviert ich bin, ich durfte zum Beispiel am dritten Tag schon Felgen abkleben, das wird nicht jedem erlaubt“, sagt er stolz. Dass es aber überhaupt mit einem Praktikum geklappt habe, verdanke er auch Susan Kazda vom städtischen Übergangsmanagement. Kazda arbeitet im Projekt „BerEb“. Das steht für Berufseinstiegsbegleitung und unterstützt junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Er habe gelernt, wie er seine Stärken zeige, erzählt Hüseyin und auch, wie man in der Arbeitswelt auftreten müsse. Auch beim Schreiben der Bewerbungen gab es Hilfe. „Ich habe Frau Kazda gleich gesagt, dass das bestimmt klappt mit dem Ausbildungsplatz, wenn mir ein Praktikum richtig gefällt“, erinnert sich Hüseyin.

Zuvor hat er schon bei einem Friseur und in einer Versicherung ein Praktikum gemacht, war davon aber längst nicht so überzeugt. Außerdem, so der ehemalige Mathildenschüler, war es ihm auch wichtig, dass er sich mit Frau Kazda so gut verstand. Dass der Ton bei der Arbeit wiederum auch einmal rauer werden kann, ist kein Problem für ihn: „Mein Chef hat mir schon klar gemacht, dass es ab und zu etwas strenger zugeht und man während einer Ausbildung viel schlucken muss, das ist aber völlig in Ordnung.“ So Feuer und Flamme wie Hüseyin seien aber nicht alle, die mit der Ausbildung anfingen, berichtet Kazda. „Manche zweifeln schon, ob eine Ausbildung der richtige Weg ist, oder ob sie nicht doch weiter in die Schule gehen sollen. “

Reibungslos verläuft der Start in die Berufswelt tatsächlich nicht bei jedem. Patrick (Name geändert) sollte derzeit Stammgast sein in der letzten Bahn. Gerade hat er eine Ausbildung bei einem Bäcker begonnen. Das heißt aufstehen um Mitternacht und Arbeitsbeginn um 2 Uhr. Am Ende der ersten Woche tauchte er jedoch nicht mehr auf, und das Ausbildungsverhältnis steht damit auf etwas wackeligen Beinen. Eigentlich wollte er ja auch eher mit Autos zu tun haben. In der begehrten Branche wollte es aber nicht so recht hinhauen. In einer Berufsvorbereitungsklasse habe er dann aber gemerkt, dass er ja doch mehr Interessen habe: „Ich habe gesehen, dass es im Handwerk auch Möglichkeiten gibt, an die ich gar nicht gedacht hätte“, sagte er noch vor einiger Zeit. Ob er das Bäckerhandwerk dabei nicht besser ausgeschlossen hätte, wird sich wohl noch zeigen müssen. Ermöglicht wird diese berufliche Orientierung vom Projekt „RIA – Rein in duale Ausbildung“ vom städtischen Übergangsmanagement.

Top Ten der unbeliebten Berufe

Hauptschüler, die nach dem Abschluss nicht direkt etwas finden, profitieren so nicht nur von dem Unterricht in Modellklassen, sondern auch von dem Netzwerk, das RIA aufgebaut hat. „Wir haben Kontakte zu vielen Unternehmen, die ausbilden“, erklärt Mitarbeiterin Katja Müller. Diese Vernetzung habe auch Vorteile für die Ausbilder: „Eine Berufsmesse lohnt sich für kleinere Betriebe oft nicht, wir laden sie an die Schulen ein, wo sie mit potenziellen Auszubildenden ins Gespräch kommen können“ Außerdem, so Müller, informiere man auch über Förderleistungen: „Viele Unternehmen wissen nicht, was es das für Möglichkeiten gibt, da helfen wir gerne.“

Für ihre jungen Klienten lotet das RIA-Team aber auch andere Möglichkeiten aus. So nahm Müller Patrick mit zu einem Job-Speeddating und stellte dort den Kontakt zur Bäckerei her. Dass er dort schon kurz nach Ausbildungsbeginn nicht mehr auftaucht, heißt für das RIA-Team aber nicht, dass die Arbeit mit dem 17-Jährigen beendet ist: „Wir reagieren auf beiden Seiten “, erläutert die Projektmitarbeiterin Christina Beyer. So versuche man mit Patrick ins Gespräch zu kommen, um Vor- und Nachteile eines Abbruchs abzuwägen, aber auch mit der Bäckerei, um dieser bei der Suche nach einem neuen Auszubildenden zu helfen, sollte Patrick abspringen. „Wir wollen nicht, dass eine Seite in ein Loch fällt und haben Verständnis, wenn der Orientierungsprozess bei einem jungen Menschen auch mal etwas länger dauert“, so Beyer.

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