Studentenleben im Hafen

206 Mikro-Apartments für „junges Wohnen“

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Bis Ende 2016 entsteht am Hafen ein Apartmenthaus mit 206 Wohneinheiten primär für Studenten. Dahinter befindet sich das Parkhaus.

Offenbach - Der Hafen wird studentisch. Selbst wenn die Hochschule für Gestaltung nicht hinziehen sollte. Das schwäbische Unternehmen „i Live“ baut im Quartier ab Mitte nächsten Jahres 206 „Mikro-Apartments“. Den Kern der Mieter bilden Studenten. Von Veronika Schade 

Ein Zimmer zum Arbeiten und Schlafen, ein Duschbad und eine Küchennische. Voll möbliert, 20 Quadratmeter groß. Und in Uni-Nähe. Viel mehr braucht der Durchschnitts-Student nicht zum Glücklichsein. Diese Erkenntnis hat das Unternehmen „i Live“ aus Aalen zu seinem Geschäftsmodell entwickelt. Am Offenbacher Hafen baut es ein Apartmenthaus speziell für junge Leute, Studenten und Berufspendler. Diese Zielgruppe stellt eine lukrative Nische dar, wie Projektleiterin Julia Pietsch erläutert: „In der Gesellschaft vollzieht sich ein Wandel. Die Zahl der Akademiker steigt, Mobilität gehört zum Alltag. Das erfordert flexible Wohnmöglichkeiten.“

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Zugleich steige die Anzahl der Single-Haushalte stetig an. In Deutschland gibt es davon 16,5 Millionen, das bedeutet 41 Prozent des Marktanteils. Zum Vergleich: 1961 waren es 21 Prozent. Hinzu kommen heute 2,5 Millionen Studenten, die mit ihnen um dieselben kleinteiligen Wohnungen konkurrieren. Dabei sind nur zehn Prozent des zur Verfügung stehenden Wohnraums Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Die Schere klafft auseinander. Der Hafen hat – auch ohne den immer noch ungewissen HfG-Neubau – für „i Live“ ein großes Zielgruppenpotenzial. Im Ballungsgebiet Frankfurt/Offenbach gibt es acht Hochschulen mit etwa 60.000 Studenten. Die Wohnheimquote liegt bei 9,03 Prozent, weit unter dem Bundesschnitt von 10,6 Prozent.

Im Jahr 2012 eröffnete das Unternehmen sein erstes Apartmenthaus in Aalen, bisher sind fünf Häuser vor allem in Süddeutschland in Betrieb. Weitere sind im Bau oder in Planung, darunter in Berlin, Heidelberg und Nürnberg. Ausstattung und Grundrisse sind fast überall gleich. „Man weiß, was man für sein Geld bekommt“, sagt Pietsch. 30 Millionen Euro werden ins Offenbacher Vorhaben gesteckt. Mitte nächsten Jahres beginnt der Bau des fünfgeschossigen Passivhauses nach KfW40-Standard mit 206 Mikro-Apartments. In den ersten vier Etagen sind zum Großteil Wohneinheiten mit 20 Quadratmetern geplant, aber auch solche mit bis zu 50. Im Dachgeschoss gibt es 25 Penthouse-Apartments zwischen 23 und 50 Quadratmetern. Das Haus verfügt über einen Gemeinschaftsraum mit Lese- und Arbeitsecke, Tischkicker und Billard sowie über einen Fitnessraum. Aufs Dach kommt ein Freiluft-Sportfeld. Für den Laden im Erdgeschoss ist schon ein Mieter gefunden – die Bio-Supermarktkette Alnatura.

Fest zur Eröffnung der Hafentreppe

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Billig wird das studentische Wohnen dort indes nicht, Bafög-Empfänger sind kaum die Zielgruppe: Die Mieten sollen zwischen 370 und 820 Euro liegen, zuzüglich 70 Euro Nebenkosten. „Für Investoren sind die Apartments eine gute Geldanlage“, wirbt Pietsch. Ein Mietpool mit Wartelisten sichere die Einnahmen, ein Hausmeister kümmere sich um Ordnung, „i-Live“ um die Mieter-Auswahl und „Community“: Es gibt eine spezielle Handy-App für die Bewohner, einen „Concierge-Service“ für Dienstleistungen und interne Veranstaltungen, etwa zu Semesterbeginn. Hafen-Vermarktungschefin Daniela Matha zeigt sich vom Konzept überzeugt: „Es spricht ein anderes Publikum an als die Eigentumswohnungen. Damit passt es toll her.“

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