Leitplanken gibt’s nur für die Kurve

Stückwerk im Bischofsheimer Weg sorgt für Ärger

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Auf der Geraden bleibt alles, wie es ist. Bereits 2014 gab es Kritik an den Plastikelementen, die Fahrbahn und Gehweg trennen sollen. Anwohner halten die Situation für Fußgänger und Radler nach wie vor für gefährlich.

Offenbach - Es darf als Beispiel dafür gelten, was passiert, wenn notwendige Verkehrsplanung auf knappe Kassen trifft: Die Situation am Bischofsheimer Weg, der viel genutzten Verbindung zwischen Waldheim und Rumpenheim, ist seit Jahren für Ärger bei Autofahrern und Anwohnern gut. Von Matthias Dahmer 

Die Stadt verspricht nun teilweise Entspannung. Klar ist aber auch: Es bleibt nur Stückwerk. Die Objekte des Anstoßes, sprich das, was dort seit etwa drei Jahren Fahrbahn und Gehweg auf einigen hundert Metern trennen soll, werden wahlweise Poller, Leitelemente oder unter Fachleuten auch „Frankfurter Hut“ genannt. Egal, welchen Begriff man verwendet – die roten und weißen Teile aus recyceltem Kunststoff sind nicht die optimale Lösung. Wenn die Dinger mit Autoreifen in Berührung kommen, werden sie je nach Geschwindigkeit für Fußgänger und Radler zu gefährlichen Geschossen oder sie demolieren den Autoreifen. Manchmal kommt auch beides vor. Außerdem sind sie bei Dunkelheit kaum zu erkennen, im Herbst und Winter verschwinden sie unter Laub oder Schnee.

Zudem sind die Mini-Poller regelrechte Reifenkiller.

Das hat Folgen: „Der Bischofsheimer Weg wurde in der Vergangenheit rege durch Spaziergänger, Radfahrer, Kindergarten- und Schulkinder, alte Menschen auch mit Rollator und Eltern mit Kinderwagen genutzt“, erinnert sich Anwohnerin Caroline Wiedekind. Sie weist darauf hin, dass Altenwohnanlage, Kindergarten und zwei Schulen an den Bischofsheimer Weg grenzen. Seit Installation der Poller sei die Nutzung des Gehwegs sehr zurückgegangen. Die Senioren des Anni-Emmerling-Hauses mieden die Strecke weitestgehend. „Auch ich fahre lieber die kurze Strecke zum Kindergarten mit dem Auto, weil mir der Weg mit zwei kleinen Kindern zu gefährlich ist“, sagt Caroline Wiedekind.

Von einer Fachfirma hat die Anwohnerin es darüberhinaus schriftlich, dass die montierten Plastikteile Bordsteinerhöhungen sind, die unerlaubtes Parken verhindern sollen. Für die Situation im Bischofsheimer Weg seien sie eher ungeeignet, heißt es. Jan Schmidbauer von der Offenbacher Straßenverkehrsbehörde kennt die Diskussion, die bereits vor zwei Jahren Wellen geschlagen und seinerzeit auch die Bürgerinitiative Biebernsee auf den Plan gerufen hatte. Er versteht den Ärger und räumt ein, wünschenswert sei sicherlich ein normaler, mit Bordsteinen versehener Gehweg. Doch das sei nicht zu bezahlen.

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Immerhin soll nun im Kurvenbereich kurz hinter dem Alten Frankfurter Weg, wo die Leitelemente besonders häufig abgefahren werden, auf etwa 80 Metern eine Leitplanke hin. Weil eine solche die Gehwegbreite reduziert, hat die Stadt das angrenzende Wiesengrundstück gekauft, um den Weg auf der anderen Seite zu verbreitern. Ursprünglich sollte die bereits beauftragte Baufirma schon im Frühjahr loslegen, doch der Grundstückskauf habe sich verzögert, sagt Schmidbauer. Es sei jedoch davon auszugehen, dass es noch in diesem Jahr etwas wird mit der Leitplanke.

Auf der etwa 300 Meter langen Geraden Richtung Biebernsee wird sich indes nichts ändern. Eine Leitplanke würde dort den nur etwa 1,40 Meter breiten Gehweg auf einen halben Meter reduzieren, was nicht zulässig sei, bedauert Schmidbauer. Die Argumente der Anwohner lässt er nur bedingt gelten. Dass Leitelemente abgefahren werden, sei meist auf überhöhte Geschwindigkeit im Bischofsheimer Weg zurückzuführen, der im Übrigen keine endgültig ausgebaute Straße sei. Was die Sichtbarkeit der Plastikteile angeht, weist Schmidbauer darauf hin, dass auch ein Gehweg mit Bordsteinen bei Dunkelheit schlecht erkennbar sei.

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Die Bürgerinitiative Biebernsee hatte schon 2014 durchgängig Leitplanken gefordert. Dass dadurch Fahrbahn oder Gehweg zu schmal würden, zweifelte die BI an und verwies auf andere Abschnitte der Strecke bis Rumpenheim. Dass im Bischofheimer Weg überhaupt Trennelemente zwischen Straße und Gehweg stehen und man es nicht bei dem breiten weißen Markierungsstreifen beließ, ist einem Nebenaspekt in einem Urteil des Verwaltungsgerichts Darmstadt geschuldet. Die Richter hatten vor rund zehn Jahren einen Streit über Schüler-Beförderungskosten zu entscheiden. Dabei wurde die Stadt verpflichtet, den Gehweg besser zu sichern.

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