Am „Tag der Architektur“

Professor Rolf Hoechstetter führt durchs Hafenzentrum

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Architekt Professor Rolf Hoechstetter (rechts) führte die Besucher durchs Vorzeigeobjekt Hafenzentrum. Über dem Erdgeschoss mit Einzelhandelsflächen, Gastronomie und der Mall gibt es zwei in Ost-West Richtung verlaufende Gebäudezeilen, in denen sich 97 Wohnungen befinden. Viel Grün bietet der Dachgarten.

Offenbach - Bundesweit haben am Wochenende Bauherren, Architekten und Stadtplaner der Öffentlichkeit Gelegenheit gegeben, über 1300 neue und modernisierte Objekte anzuschauen. In Hessen standen am „Tag der Architektur“ 99 zur Auswahl, das Hafenzentrum war das einzige in Offenbach. Von Harald H. Richter 

Professor Rolf Hoechstetter blickt stolz auf sein Vorzeigeobjekt am Wasser, das dieses Jahr fertiggestellt worden ist. Der von ihm und Geschäftspartner Rainer Siegel architektonisch entwickelte Gebäudekomplex an der Jean-Weipert-Straße trägt den Namen Hafenzentrum. In Fachkreisen gilt er als gelungenes Beispiel für die Stärkung der Urbanität eines ganzen Stadtviertels. Bauherr ist die Prime Properties Gesellschaft, die zur Lyson-Unternehmensgruppe gehört.

Zwei Dutzend Interessierte haben sich schon zur ersten von mehreren Führungen, die es anlässlich des „Tags der Architektur“ gibt, vor dem Eingang eingefunden und werden es in der folgenden Stunde von der Tiefgarage bis hinauf zum Dachgarten in Augenschein nehmen. Das Objekt mit Skyline-Blick profitiert vom neu gestalteten Hafenplatz und den umliegenden öffentlichen Räumen mit Baumbestand. So entsteht derzeit an der nördlichen Seite eine parkähnliche Anlage.

Differenziert gestaltete Fassaden sowohl des Erdgeschosses als auch der Wohnungen prägen die Ansichten durch abwechselnd offene und geschlossene Elemente. Bemerkenswert sind nach Expertenmeinung die langgestreckten Fensterbänder. Sie betonen die Horizontale der Zeilen. Die Außenwände der Wohngebäude sind verputzt, Ladenfronten und Hauseingänge durch großflächige Verglasungen geprägt. Obwohl noch nicht alle Einzelhandelsflächen vergeben sind, zieht die gewerbliche Nutzung bereits Kunden an. Über eine Mall sind mehrere Geschäfte erschlossen – von der Apotheke über einen Supermarkt bis hin zum Eiscafé und Zeitschriftenladen.

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„Die Tiefgarage ist öffentlich zugänglich. Sie wird sowohl von Kunden der Geschäfte, als auch von den Mietern genutzt“, erläutert Hoechstetter. Der 71-jährige Diplom-Ingenieur aus Darmstadt weist auf die Glaskunst unmittelbar an der zur Tiefebene führenden Rollrampe hin. „Sie geht auf Professor Heiner Blum von der Hochschule für Gestaltung zurück, der unter anderem auch als Fachmann für experimentelle Raumkonzepte gilt.“ Und noch etwas lässt die Besucher staunen: Die Decke der Mall ist mit kreisförmigen Oberlichtern in unterschiedlichen Durchmessern ausgeführt, die sich an den raumhohen und zum Teil faltbaren Ganzglaswänden sowie auf dem Boden spiegeln. Im eigentlichen Sinn fällt aber kein Tageslicht ein. „Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass es sich um Leuchtdioden handelt.“

Helligkeit im Übermaß durchflutet hingegen die drei Obergeschosse und das Staffelgeschoss, wo sich in einem Mix 97 Mietwohnungen befinden. Einige sind rollstuhlgerecht ausgebildet. „Wir haben das Objekt so angelegt, dass die über einen kurzen Laubengang barrierefrei erschlossenen Wohnungen alle von Norden nach Süden durchgesteckt sind. Man nennt das Durchwohnen“, erläutert der Architekt. „Sie profitieren daher von der Besonnung von Süden und den Blickbeziehungen zum Dachgarten und Hafenplatz sowie zum anschließenden Hafenbecken.“

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Die Gebäudezeilen geben sowohl dem Platz, als auch der Allee eine klare Fassung. Zwischen ihnen liegt ein lang gestreckter und üppig begrünter Dachgarten, wozu auch eine kleine Spielanlage gehört. Seine optische Ost-West-Öffnung soll möglichst vielen Wohnungen Blicke zum Hafenbecken und zum Main gewährleisten. „Außerdem kann die Morgen- und Abendsonne gut in die Wohnungen mit den in den Innenhof auskragenden Balkonen hereinscheinen“, unterstreicht Hoechstetter. Die Fassade zum Hafenplatz springt im Bereich der Läden um drei Meter zurück, so dass eine regengeschützte Arkade entstand.

„Ein wichtiger Aspekt war der Brandschutz“, lässt der Architekt nicht unerwähnt. Dem sei man mit den Laubengängen nachgekommen, durch die im Fall eines Feuers auch die Möglichkeit des Anleiterns der zum Dachgarten hin orientierten Wohnungen gewährleistet werde. Die Staffelgeschosswohnungen haben durch große vorgelagerte Terrassen Penthaus-Charakter. Dass zum „Tag der Architektur“ als einziges Objekt in Offenbach ausgerechnet dieses ausgewählt worden ist, begründet die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen mit der beispielhaften Kombination aus innerstädtischer Wohnqualität mit der eines Einfamilienhauses.

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