Tanz in den Mai auf Wilhelmsplatz:

Weniger Umsatz und etwas Randale

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So wie hier wollten die meisten Besucher Tanz und Trunk in den Mai auf dem Wilhelmsplatz einfach fröhlich genießen. Zu später Stunde freilich schlugen einige alkoholisierte Feierwütige wieder über die Stränge. So musste wie schon im Vorjahr die Polizei anrücken. Und dies, obwohl die Wirte das Partyprogramm reduziert hatten.

Offenbach - Der Tanz in den Mai am Wilhelmsplatz war trotz reduzierten Party-Angebots und feucht-kalten Wetters Treff für Feierwütige. Wie vergangenes Jahr endete die Nacht aber mit Blaulicht. Von Sarah Neder

1. Mai, kurz nach halb drei Uhr früh. Blaulichter zucken wie Stroboskope. Die Party ist vorbei. Auf dem Wilhelmsplatz steht ein Dutzend Polizisten, jeder einen Party-Gast zur Seite. Wer hat was gesehen? Im Krankenwagen, der vor dem Walgers entgegen der Fahrtrichtung parkt, liegt ein Verletzter. „Fünf Typen haben ihn über den Platz gejagt“, sagt eine Tanz-in-den-Mai-Besucherin, die vor dem Tarantinos eine letzte Zigarette raucht. Sie sollen draufgetreten haben, als er schon am Boden lag. Kopfschütteln. Achselzucken. „Nächstes Jahr gibt’s gar nix mehr“, murmelt einer in die Runde.

Nachdem der Tanz in den Mai vergangenes Jahr mit einer Massenschlägerei endete, hatten die Wirte vom Wilhelmsplatz beschlossen, das Partyprogramm herunterzufahren: Keine Bühne, kein Bierstand, keine große Feier, sondern viele kleine. Das abgespeckte Angebot schreckte viele nicht ab. Sie kamen, sie tranken, sie tanzten. Jürgen Spanuth war mit seiner Clique gegen 19.30 Uhr da. Die Bars hätten sich erst schleppend gefüllt, dann sei er vom Andrang überrascht gewesen: „Das Wetter ist schlecht, aber die Leute kommen trotzdem.“ Fünf oder sechs Mal habe er am Wilhelmsplatz in den Mai getanzt, aus Tradition sei er auch diesmal gekommen. Kumpel Stefan Schneider hingegen verbringt das erste Mal die Walpurgisnacht zwischen Markthaus und Belgier: „Ich find’s toll. Aber ich habe auch keinen Vergleich.“ Schade findet Schneider, dass die Party wegen der Krawalle im Vorjahr reguliert wurde: „Die Leute wollen doch ihren Spaß haben.“

Polizei-Einsatz nach Schlägerei

Den scheinen viele zu haben. Neben der griechischen Taverna schmettert der Sänger einen Sirtaki nach dem anderen ins Mikro. Vor Freude fliegen da Teller auf den Boden. Auch der DJ im Markthaus sorgt für Ekstase. Dort tanzen die Gäste zu rockigen Beats auf den Tischen, während sich Besucher des Tafelspitz zur Coverband mit weltbekannten Hits schütteln. „Ich hätte nicht mit so einer guten Stimmung gerechnet“, gibt Natascha Wagner zu, die nicht nur in den Wonnemonat, sondern auch in ihren Geburtstag feiert. Markthauswirt Eric Münch zieht ein nüchterneres Resümee: „Ich habe ein bisschen mehr Publikum erwartet.“ Der Umsatz sei die vergangenen Male besser gewesen. „Es ist aber ganz gut, dass alles ein bisschen zurückgerudert ist“, sagt der Gastronom, während er die Gläser von der Außenbar einräumt. „Das geht zurück zur ursprünglichen Idee, dass sich jeder Laden darstellt. Gäste ziehen von Bar zu Bar. Das ist Berlin-Style.“ Außerdem locke man mit kleineren Partys besseres Publikum an, ist Münch überzeugt. Die Leute, die vor seiner Terrasse herumlungern, meint er allerdings nicht.

Wie in vergangenen Jahren stehen Gäste in der Mitte des Platzes, trinken mitgebrachtes Bier, lassen die geleerten Flaschen stehen. Innerhalb von Stunden verkommt das Kopfsteinpflaster zum Fakir-Trainingsplatz. Scherben liegen auf Scherben. Je später die Nacht, desto schärfer wird die Stimmung bei denen, die sich vor dem Markthaus tummeln. Da wird erst gealbert, dann provoziert, geflucht, geschubst. Sogar eine Flasche fliegt, trifft zum Glück nicht. Später eskaliert die Situation. Ein Gast, der die Schlägerei vom Beau d’eau aus beobachtet hat, macht den Alkohol für die Krawalle verantwortlich: „Ich ärgere mich so, dass die Polizei wieder ausrücken musste.“ Da spricht er stellvertretend für die meisten.

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