Unfall bei Neu-Isenburg

Der Dank eines Überlebenden

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4. April 2016 gegen 16 Uhr: Auf der Straße von Sprendlingen nach Offenbach kommt es zum Frontalzusammenstoß. Ein entgegenkommender BMW kracht in den neuen Kleinwagen (vorne) von Dieter Matros-Laufer.

Offenbach - Zwei Autos stoßen frontal zusammen. Der eine Fahrer stirbt, der andere überlebt schwer verletzt. Meldungen wie diese gehören zum traurigen Alltagsgeschäft der Medien. Von Matthias Dahmer 

Im schlimmsten Fall bedienen sie die Lust am Voyeurismus, im besten Fall führen sie beim Leser zu einem kurzen Innehalten. Selten wird über die Details oder gar die Folgen berichtet. Dieter Matros-Laufer kann von solchen erzählen: Der 70-Jährige ist am Montag, 4. April, gegen 16 Uhr von Sprendlingen nach Offenbach unterwegs. Kurz hinter der Autobahnüberführung zieht ein dunkles BMW-Cabrio unvermittelt nach links auf seine Fahrbahn und kracht in Höhe der Einfahrt zum Schützenhaus in das Auto des Mühlheimers. Der 86 Jahre alte BMW-Fahrer, das werden später die Ärzte feststellen, hat am Steuer einen Herzinfarkt erlitten. Er stirbt an der Unfallstelle.

Matros-Laufer kommt mit dem Leben davon. Unter den Folgen der Prellungen und Quetschungen leidet er zwar auch knapp zwei Monate nach dem Unfall noch immer. Aber Schlimmeres, das sagt ihm der Unfall-Gutachter Tage danach, hat zum Glück sein mit Airbags ausgestatteter Wagen verhindert. Den nagelneuen Pkw hat der 70-Jährige kurz zuvor beim Händler abgeholt, das Auto ist gerade mal 36 Kilometer gefahren.

Den Sachschaden hat der Mühlheimer längst abgehakt. Viel wichtiger ist ihm, davon zu berichten, welche Hilfsbereitschaft er unmittelbar nach dem Crash erfahren hat: „Da waren sofort acht bis zehn Leute, die mit ihren Autos angehalten und mir geholfen haben. Und fast alle waren Ausländer“, schildert Dieter Matros-Laufer. Drei Männer ziehen ihn vom Auto weg, legen ihn auf eine Decke, geben ihm zu trinken. Dass er blutverschmiert ist, stört sie nicht. Eine der Frauen ruft übers Handy bei Matros-Laufer zuhause an, informiert seine Gattin über den schweren Unfall und in welches Krankenhaus er eingeliefert wird. Alle bleiben, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind. „Das ist alles sehr, sehr lobenswert. Diesen Menschen möchte ich einfach danken“, sagt er.

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Nur von einer der Helferinnen hat der Mühlheimer bislang den Namen herausbekommen. Er hat sie sofort angerufen, und er wird der Dame, die in Gravenbruch wohnt, Blumen vorbeibringen. „Als ich mich am Telefon gemeldet und gesagt habe, wer ich bin, brach die Frau in Tränen aus. Ich auch“, beschreibt Dieter Matros-Laufer den emotionalen Moment. Etwas einfacher hat er es bei den professionellen Helfern von Feuerwehr und DRK in Neu-Isenburg und Mühlheim, denen der 70-Jährige ebenfalls seinen Dank ausspricht und ein Präsent zukommen lassen wird.

Die nicht am Unfallort tätigen Mühlheimer Helfer kommen ins Spiel, als Matros-Laufer nach nur einem Tag im Sana-Klinikum zunächst wieder entlassen wird. Zwei Tage später sind seine Schmerzen indes so stark, dass er sich nicht mehr bewegen kann. Feuerwehr und Rotes Kreuz müssen ihn aus seinem Haus in Mühlheim erneut ins Klinikum transportieren. Mittlerweile ist Dieter Matos-Laufer soweit hergestellt, dass er – wenn auch humpelnd – wieder laufen kann. Nur eines stört ihn: „Die Angehörigen des Unfallgegners haben sich nicht bei mir gemeldet.“

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