Abschied von Spielzeugland

Toys’R’Us-Center wohl bald Geschichte

+
Ein unattraktiver Klotz: Das Toys’R’Us-Center wird wahrscheinlich in absehbarer Zeit Geschichte sein. Alle Verträge laufen aus. Abriss ist eine Option.

Offenbach - Leere, nicht enden wollende Gänge. Der Boden ist rissig. Ein Fotoautomat mit der Aufschrift „Außer Betrieb“. Autos und Tiere mit Münzeinwurf stehen vereinzelt daneben, aber kein Kind fährt damit. Von Veronika Schade 

Wer das „Toys’R’Us“-Center betritt, glaubt kaum, mitten in einer Innenstadt zu sein. Neben dem namensgebenden Spielwarengeschäft gibt es nur einen Friseursalon, ein Billig-Möbelhaus, einen Ramsch-Laden, einen Werbedesigner und einen Schlüsseldienst. Doch ihr Ende ist eingeläutet: Zum 31. Dezember 2015 laufen alle Verträge aus. Was danach mit dem Center zwischen Berliner und Ziegelstraße passiert, ist unklar. „Der Eigentümer ist seit einiger Zeit mit der Stadt im Gespräch, er prüft verschiedene Alternativen“, berichtet Jürgen Amberger, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Die Überlegungen reichten von einer „sehr aufwendigen Renovierung bis auf die Grundmauern“ bis zum kompletten Neubau. In seiner jetzigen Form bleibe das Gebäude jedenfalls nicht bestehen. „Es ist in die Jahre gekommen, hat viele Probleme und Tücken. So ist es nicht mehr marktfähig“, weiß Amberger.

Die versteckt liegenden Eingänge und das schlecht zu erreichende Parkhaus entsprächen nicht mehr heutigen Anforderungen. „Als das Center gebaut wurde, gab es noch die zweite Ebene über der Berliner Straße, dementsprechend ist es ausgerichtet“, erklärt er. Für die Stadt sei das Center wegen seiner Sichtbarkeit im Stadtbild und seiner guten Erreichbarkeit von großer Bedeutung. Die Eigentümer – Nachkommen des Massa-Gründers Karl-Heinz Kipp, der mit einem geschätzten Vermögen von 3,5 Milliarden Euro zu den 30 reichsten Deutschen zählt – würden nach der Neuausrichtung nach Nutzern suchen. Deren Vertreter Joachim Weber, der die Gespräche mit der Stadt führt, will sich nicht konkret äußern: „Wir sind noch in Abstimmung, was genau, in welchem Umfang und mit wem dort geschehen soll.“

Auch Toys’R’Us hält sich bedeckt. Alle Entscheidungen würden in der Zentrale in Köln getroffen, sagt der Filialleiter. Zur Entwicklung der vergangenen Jahre darf er sich ebenfalls nicht äußern. Dafür spricht Sayit Kös. Seit 17 Jahren ist er Hausmeister im Center, betreibt zudem den Schlüsseldienst und das Geschäft für Werbedesign. „Es ist viel falsch gelaufen“, bedauert er. Er erinnert sich daran, wie das Lebensmittelgeschäft Massa florierte. Toys’R’Us nahm einen Umbau vor, nutzte nicht die ganze Verkaufsfläche. So sind kleinere Läden hinzugekommen – aber auch unübersichtliche Gänge. „Es ist wie ein Irrgarten“, findet Kös.

Die besten Spiele für Kinder

Die besten Spiele für Kinder

Anfangs habe es im Center noch Laufkundschaft gegeben, seit dem Wegfall der zweiten Ebene an der Berliner Straße fehle sie. „Die Quelle-Filiale hat noch für etwas Qualität und für Kunden mit Kaufkraft gesorgt. Das kann man von den heutigen Läden nicht sagen“, sagt Kös mit Blick auf die Billiggeschäfte, die seine kleinen Läden flankieren, und fügt hinzu: „Ein Problem, das ganz Offenbach betrifft.“ Durch den S-Bahn-Bau, erzählt er weiter, habe man sich erhofft, mehr Kunden nach Offenbach zu locken: „Aber letztlich ist es so, dass sie es leichter haben, von hier weg zu fahren.“ Kös macht sich geschäftlich wie privat Sorgen. Er arbeitet nicht nur im Center, er wohnt dort mit seiner vielköpfigen Familie. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Man sagt uns nichts Genaues.“ Dabei habe er viel Mühe und Geld investiert. Er hofft darauf, dort nach einer möglichen Neuausrichtung weiter arbeiten zu dürfen.

Kommentare