Eine städtebauliche Chance

Toys’R’Us-Gebäude: Eigentümer peilen Abriss für Mitte 2017 an

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Läuft alles wie geplant, könnte der Betonklotz an der Berliner Straße schon Ende des nächsten Jahres Geschichte sein.

Offenbach - Das Ende einer städtebaulichen Sünde rückt näher: Läuft für die neuen Eigentümer alles wie geplant, wird das Toys’R’Us-Gebäude an der Berliner Straße Mitte des nächsten Jahres abgerissen. Von Matthias Dahmer 

Der dort dann entstehende Neubau könnte eine immense Aufwertung für die Innenstadt werden. In der Tat würde das, was die Investoren Michael Dietrich und Uwe Reichel vorhaben, das Gesicht der City nachhaltig und positiv verändern. Statt des hässlichen Betonklotzes aus den 70er-Jahren, den die beiden der Leipziger Publity AG abgekauft haben, sollen an der Berliner Straße zwei Gebäudekörper entstehen. Geteilt werden sie durch die Sandgasse, die bis zur Berliner verlängert und in diesem Bereich als Fußgängerzone konzipiert wird. Der westliche Gebäudeteil soll bis zur Schlossstraße reichen – der „Feldherrnhügel“ würde verschwinden, die E-Mobil-Station in das Vorhaben integriert. Der markante, an Hollywood erinnernde „Offenbach“-Schriftzug, versichert Michael Dietrich, soll erhalten bleiben.

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Mit richtig vielen Details zu ihrem Projekt können er und sein Geschäftspartner Reichel noch nicht dienen. Bislang gebe es drei Architekten-Entwürfe, die erstmal als Ideen zu verstehen seien. Immerhin kündigen sie schon an, dass es ein Mix aus Gewerbe, Wohnen, Hotel und Parken werden soll. Und Toys’R’Us soll als Mieter im Neubau bleiben, in der Bauphase müsste ein Ausweichstandort gefunden werden.

Als „Casus knacksus“ bezeichnet Reichel die Frage, wie viele Parkplätze in dem Neubau entstehen. Derzeit sind es 750, von denen nach Zählungen der neuen Eigentümer nur um die 150 tatsächlich genutzt werden. Weil die Investoren auch das städtische Grundstück kaufen wollen, auf dem der Betonklotz steht, gilt es, die Politik davon zu überzeugen, dass die derzeitige Anzahl von Parkplätzen nicht notwendig ist.

„Wir planen mit wesentlich weniger“, sagt Dietrich. Schließlich wolle man nicht ein Parkhaus abreißen, um ein anderes Parkhaus hinzustellen. Dafür soll in den am innerstädtischen Verkehrsknotenpunkt gelegenen Neubauten ein „Fahrrad-Parkhaus“ entstehen.

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Plan B für den gesamten Klotz wäre für die Investoren eine grundhafte Sanierung. „Eine Option, die wir aber nicht anstreben“, betonen sie. Offenbach ist für Dietrich kein unbekanntes Pflaster. Er ist hier geboren, hat lange Jahre im Ausland gelebt, bevor er als Investor das letztlich von Erfolg gekrönte Wagnis einging, unweit des Wilhelmsplatzes mit dem Projekt „Wohnen am spitzen Eck“ als einer der ersten auf Offenbach als neuen Wohnstandort zu setzen. „Alle Wohnungen dort sind verkauft“, betont Dietrich.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sieht in dem Projekt mit der Verlängerung der Sandgasse auch eine Chance, den historischen Stadtgrundriss wieder herzustellen. „Grundsätzlich decken sich die städtischen Vorstellungen mit denen der Investoren“, sagt er.

Vom städtebaulich wünschenswerten Vorhaben ist nun noch die Tansania-Koalition zu überzeugen, die mit ihrer Mehrheit im Stadtparlament den Daumen heben oder senken kann. Ein erstes Gespräch soll gestern Abend stattgefunden haben.

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