Stadt zählt 300.000 Erholungssuchende am Schultheis

Tragödie überschattet alles

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Still ruht der Schultheisweiher: Die Badesaison ist offiziell beendet, die Badeaufsicht eingestellt. Etwa 300.000 Besucher, einschließlich Spaziergänger, Radfahrer und Badegäste, suchten im Mainbogen Erholung.

Offenbach - 18 Grad, wolkig, leichte Brise aus Südwest. Ganz klar: Es wird Herbst. Somit ist nicht nur im Waldschwimmbad die Badesaison vorbei. Offiziell ist auch am Bürgeler Weiher Schluss. Die Stadt zieht ein Resumee, das in diesem Jahr einen Ertrunkenen beinhaltet.

Es ist der 19. Juli: Ein 15-Jähriger wird gegen 17.30 Uhr von Badegästen vermisst gemeldet. Rettungsschwimmer bergen ihn aus dem See, ein Notarzt versorgt ihn. Es endet in einer Tragödie: Im Krankenhaus stirbt der Jugendliche, der wohl nur schlecht schwimmen konnte. Einen Tag später bedrohen Familienangehörige das Aufsichtspersonal, die Polizei rückt mit mehreren Streifen am Schultheis an. „Das Baden erfolgt immer auf eigene Gefahr, daher ist besonders das tödliche Unglück am Schultheisweiher in diesem Sommer sehr zu bedauern“, betont Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. „Ergebnisse zu dem Unglück liegen uns bislang nicht vor.“ Das Naturschutzgebiet war trotz des schlechten Wetters zu Beginn des Sommers sehr gut besucht: 300.000 Besucher, einschließlich Spaziergänger, Radfahrer und Badegäste, wurden an der ehemaligen Kiesgruben im Mainbogen gezählt.

Für den Rest des Jahres gehört das Gelände wieder den verschiedenen Vogel- und Tierarten. Während die Badeaufsicht eingestellt ist, bleibt die Geländeaufsicht weiterhin an Ort und Stelle. Das Naturschutzgebiet, für dessen Unterhaltung sich die GBM Service GmbH im öffentlichen Teil verantwortlich zeigt, ist zum Spazierengehen ganzjährig offen. Die nächste Badesaison startet am 1. Mai 2017.

Im Frühjahr hatte das Umweltamt, das die administrative Verantwortung für das Naturschutzgebiet trägt, wieder einige Maßnahmen zur Stabilisierung der Seewasserqualität veranlasst: Vom 18. bis 22. April wurden zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen für Wasserpflanzen (aquatische Makrophyten) und als Gegenspieler der Blaualgen (Cyanobakterien) 8000 Liter Fällmittel in den See durch Verteilerrohre von zwei Booten aus eingebracht. „Diese Herausnahme von überschüssigem Nährstoff aus dem Seewasser hat zur weiteren deutlichen Verbesserung der Wasserqualität beigetragen“, erläutert Hollerbach. „Die Wasserqualität nach Badegewässerrichtlinie war konstant sehr gut, wenn auch in den vergangenen zwei Wochen die Zerkarien, die in Einzelfällen zu der Bade- oder Zerkariendermatitis geführt haben, durch die hohen Temperaturen begünstigt wurden.“

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Unentbehrlich für den Erhalt der Wasserqualität sind die Wasserpflanzen. Da der Weiher nicht sehr tief ist, wachsen die Wasserpflanzen teilweise bis zur Oberfläche. „Dies konnte beim Schwimmen zwar zu leichten Einschränkungen oder Umwegen geführt haben, war aber nach Ansicht der Badeaufsicht kein sicherheitsrelevanter Aspekt“, verlautet es aus der Verwaltung. Unschön: Trotz zahlreicher Kontrollen durch die Geländeaufsicht gab’s sehr viele Falschparker. „Auch die ausgestellten Strafzettel konnten nicht verhindern, dass immer wieder Badegäste bis an den See fuhren.“ mk

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