Er hinterließ viele Spuren

SPD trauert um Richard Müller

Offenbach - Die Sozialdemokraten trauern um Richard Müller, der im Alter von 86 Jahren verstorben ist.

So kannten viele Offenbacher Richard Müller. 

Müller, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet, war vielen Offenbachern bekannt: als SPD-Stadtverordneter, als AOK-Direktor und nicht zuletzt als Vorsitzender der Vereinigung gegen den Fluglärm. „Richard Müller war ein Mann, der Zeit seines Lebens im Sinne der Sozialdemokratie eine freie, offene und gerechte Gesellschaft gefordert hat und dafür bekennend und engagiert eintrat. Wir verneigen uns vor seinem Lebenswerk“, sagen Parteichef Felix Schwenke und der Fraktionsvorsitzende Andreas Schneider. 1929 in Zwickau geboren, war Richard Müllers Jugend von der Nazi-Herrschaft und dem Zweiten Weltkrieg überschattet. 1948 floh er als junger Mann vor der kommunistischen Diktatur im Osten Deutschlands nach Hessen. Hier trat er rasch der SPD und der Gewerkschaft bei. 1959 kam er schließlich als Geschäftsführer der IG Chemie-Papier-Keramik nach Offenbach, bezog mit seiner Familie ein Reihenhaus im damals neuen Stadtteil Lauterborn. 1980 wurde der Sozialdemokrat schließlich Geschäftsführer der AOK Offenbach, später ihr Direktor.

Von 1964 bis 1977 war Müller Stadtverordneter der SPD-Fraktion und gehörte in dieser Zeit dem Rechts-und Satzungsausschuss, dem Schul- und Kulturausschuss und dem Ausschuss für Umweltfragen an. „Richard Müller war nicht nur ein Urgestein der Offenbacher Sozialdemokratie, sondern auch der Anti-Fluglärmbewegung“, erinnert Schwenke.

1970 gründete Müller die „Offenbacher Vereinigung gegen den Fluglärm“. Bereits ein Jahr nach der Gründung wurde Müller als Vertreter aller Fluglärmvereinigungen im Rhein-Main-Gebiet durch den Hessischen Verkehrsminister in die Kommission zur Abwehr des Fluglärms berufen, 1987 wurde er Vorsitzender dieser Kommission. Später gehörte er der Arbeitsgemeinschaft deutscher Fluglärmkommissionen an und wurde 1993 ihr Vorsitzender. Vom Hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel wurde Müller in die Mediationsgruppe zum Ausbau des Frankfurter Flughafens berufen. Für viele galt Richard Müller als Deutschlands kompetentester Fachmann in der Fluglärmbekämpfung.

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„Neben seiner Sachkompetenz konnte er mit Fleiß, Geschick und seinem ausgleichendem Wesen punkten. Einer seiner herausragenden Erfolge war die Einführung der ständigen Fluglärm-Überwachung und -Dokumentation. Auch die Durchsetzung des Nachtflugverbots basierte auf seine Vorbereitungen“, erinnert die SPD in einem Nachruf.

Das politische Engagement in der Stadtverordnetenversammlung und der Anti-Fluglärm-Bewegung ergänzte Richard Müller durch weitere Ehrenämter: Schon früh war er Jugendschöffe in der Jugendstrafkammer, später ehrenamtlicher Richter beim Sozialgericht und am Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Richard Müller war Mitglied in der Elternvertretung an den Schulen seiner zwei Kinder Olav und Inga. Entspannung von den vielen Ämtern fand er übrigens in der Küche. Als Hobbykoch verstand Richard Müller es, mit italienischen Spezialitäten zu überraschen, hieß es einmal in unserer Zeitung. (mk)

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