Deutsche Ausgabe von Zaman eingestellt

Türkische Zensur erreicht Offenbach

Offenbach - Die Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei wirkt sich bis nach Offenbach aus: Wie das hr-Magazin „defacto“ meldet, wird der deutsche Ableger der türkischen Zeitung Zaman mit Sitz in Offenbach zum 30. November dieses Jahres den Betrieb einstellen.

Die Maßnahme betrifft zunächst nur die Printausgabe der Zeitung. Ob die Online-Ausgabe fortgeführt wird, ist noch nicht entschieden. Das regierungskritische Blatt steht dem Prediger Fethullah Gülen nahe, den die türkische Regierung als Drahtzieher des Putschversuchs am 15. und 16. Juli sieht. In der Türkei wurde die Tageszeitung nach dem Putschversuch verboten, viele ehemalige Autoren und Kolumnisten wurden inhaftiert.

Der Ableger in Deutschland mit Sitz in der Sprendlinger Landstraße 107-109 spürt die Auswirkungen des Verbots. Anzeigenkunden sind weggefallen, und viele Leser haben ihr Abonnement gekündigt. Es gab Drohungen gegen Leser, Werbekunden und Mitarbeiter. Redakteur Dursun Celik bestätigte gestern unserer Zeitung: „Unsere Abonnenten wurden besucht, sie wurden bedroht und massiv bedrängt, das Abonnement zu kündigen. Wir wollen nicht, dass Kollegen oder unsere Abonnenten zu Schaden kommen.“

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In Offenbach bedauert man die Schließung der Tageszeitung, die hier 25 Jahre ihren Sitz hatte. „Es ist sehr schade, dass ein engagiertes Unternehmen schließen muss und viele Arbeitsplätze betroffen sind“, sagt Jürgen Amberger, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung. Rund 100 Mitarbeiter zählte die Redaktion zu ihrer Hochzeit, zuletzt noch 17. Zaman nahm in Offenbach unter anderem an den Top-100-Treffen teil, die Unternehmen eine Plattform zum Austausch, Kennenlernen und zur Kontaktpflege bieten. (stm)

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Rubriklistenbild: © dpa

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