Unbefugter Zugriff auf Patientenakte

Tugce: Sana-Klinikum droht mit Abmahnung 

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Ihre letzten Stunden verbrachte Tugce im Sana.Klinikum.

Offenbach - Der Fall der getöteten Studentin Tugce lässt Offenbach nicht los: Wie gestern bekannt wurde, will die Leitung des Sana-Klinikums in Offenbach, in dem die junge Frau nach einer nächtlichen Auseinandersetzung nicht mehr aus dem Koma erwacht ist, nun gegen 90 Mitarbeiter im eigenen Haus vorgehen. Von Peter Schulte-Holtey 

Der Vorwurf: unbefugter Zugriff auf die Patientenakte von Tugce. Im Fokus stehen dabei unter anderem Ärzte und Pflegerinnen bzw. Pfleger, die nicht direkt mit dem Fall befasst waren. Nach Angaben von Sascha John, Geschäftsführer des Klinikums, ist man den Mitarbeitern bei der regelmäßigen Stichproben-Überprüfung im Datensystem auf die Spur gekommen. „In der Zeit, als die junge Frau bei uns behandelt wurde, gab es überdurchschnittlich viele Zugriffe auf die Patientenakte; wir haben dann nachgeforscht."

Den Betroffenen, mit denen zum Teil schon Gespräche geführt wurden, droht nun eine Ermahnung oder gar eine schriftliche Abmahnung. Nach Angaben der Klinikleitung haben sie mit ihrem Anstellungsvertrag eine Datenschutzerklärung unterschrieben; damit sichern sie Verschwiegenheit sowie weitere Pflichten beim Umgang mit Patientendaten zu. Der Zugriff auf Tugces Akte könnte nun als Verstoß gegen diese Zusagen gewertet werden. Der Geschäftsführer betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er den Fall sehr ernst nimmt: „Datenschutz wird bei uns im Klinikum doch ganz groß geschrieben.“

Keine Verschärfung der Datenschutzregeln

Trotz der aktuellen Turbulenzen plant John derzeit keine Verschärfung der Datenschutzregeln. Dabei macht der Klinikchef auf die Probleme bei einer möglichen Einschränkung der Zugriffsmöglichkeit auf Patientendaten aufmerksam: „Wir müssen doch immer die Balance halten - zwischen den Vorgaben des Datenschutzes und den Anforderungen für einen schnellen Datenzugriff in der Notfallmedizin.“

Holger Renke, Betriebsratsvorsitzender am Sana Klinikum, äußert sich enttäuscht über das Verhalten der betroffenen Mitarbeiter. Auf ihn kommt jetzt viel Arbeit zu: „In der Sache gebe ich der Klinik-Leitung Recht, und es wird auch Thema der nächsten Betriebsversammlung sein. Der Datenschutz ist doch ein hohes Gut.“ Die arbeitsrechtlichen Maßnahmen, die nach Abschluss der Gespräche und Auswertung der Protokolle folgen, werden nun zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat beraten. John macht deutlich, dass er durchgreifen, aber „kein Exempel statuieren“ will. Renke hofft das Beste für die 90 - „zumal das Verfahren an sich schon bei vielen Kollegen im Haus bekannt ist und durchaus zu inhaltlichen Diskussionen geführt hat“.

Mahnwache für Tugce vor dem Klinikum

Mahnwache für Tugce vor dem Klinikum

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