Pfingstfest

Kickers-Fan-Museum vereint Nostalgie und Innovation

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Null Sorge um Nachwuchs: Auch ganz junge Anhänger waren beim Fest des Fan-Museums.

Offenbach - Die „Kalte Sophie“ ist weder eingeladen noch als ausgewiesene Anhängerin des runden Leders bekannt, dennoch macht sich die letzte der Eisheiligen beim traditionellen Pfingstfest des Kickers-Fan-Museums am Fuße des Schneckenbergs breit. Von Harald H. Richter 

Ihre Anwesenheit vermag die Besucher aber nicht vom zünftigen Feiern abhalten, gelten Fußballanhänger und besonders jene, die „uffm Bersch“ verortet sind, als schlechtwetterresistent und stemmen sich – wie auch bei jedem Ligaspiel – Wolken, Wind und Regen mit Vehemenz entgegen. „Wir zeigen, dass wir eine Kickers-Familie sind“, sagt Museumsgründer und Geschäftsführer Thorsten Franke in seiner Begrüßung und blickt zufrieden auf mehrere Fangruppen, etliche Veteranen, wie Hans Jäger, Helmut „Scheppe“ Sattler und Karl Sperl, auf Mannschaftsmitglieder des aktuellen Kaders, Familien mit Kindern sowie zahlreiche Förderer, die durch 19,01 Euro Beitrag zu Paten geworden sind. Zum zweiten Mal nach 2015 wird das Fest auf dem OVO-Gelände am Schneckenberg ausgetragen, nachdem es in den Jahren davor mal in unmittelbarer Stadionnähe, mal an den unterschiedlichen Standorten des Fan-Museums stattfand.

Walter Hofferbert, inzwischen Mittneunziger, dürfte der Älteste sein, der auf das Gelände am Waldrand gekommen ist, der fünfjährige Nico wohl einer der Jüngsten. Eben hat er der Steppke am Glücksrad eine freie Gewinnwahl erspielt und entscheidet sich für einen schneeweißen Plüschbären mit rotem Schal. Auf der Spielwiese für die Kleinen herrscht Hüpfburg-Alarm, an der Torwand geht’s nicht nur für Dreikäsehochs um Treffsicherheit, zumal als Hauptpreis eine Dauerkarte für die kommende Saison beim OFC lockt. Das BWS-Spielmobil sorgt bei den jüngsten Festbesuchern für Kurzweil, am Schminkstand verziert Dominika Dimitrov manch kindliches Antlitz mit wahlweise schaurig-schönen und anmutig-liebreizenden Motiven. In den 31. Geburtstag hineinfeiern kann Torwart Daniel Endres, der jedoch zunächst Besucherbitten nachkommt und für Gruppenfotos mit Mittelfeldspieler Marco Rapp und weiteren Teamgefährten posiert.

Musik, Tombola und Spaß

An beiden Tagen schmettern „Die Berjler“ den immer wieder aufziehenden Wolkenbänken schmissigen Tonfolgen entgegen, abends legen die Discjockeys Libor und Rolf auf. Einen Beitrag zur Programmgestaltung leisten die Cheerleader Girls und Boys mit einer schwungvollen Darbietung auf der Bühne. Die entert auch Kickers-Hobbyrapper „GtW“ (Gewalttäter Worscht) und bringt markigen Sprechgesang zu Gehör.

Am Stand der Tombola herrscht reichlich Andrang. Neben allerlei Sachpreisen gibt es etwas Besonderes zu gewinnen: eine Cyber-Tour zurück in die Ära, als das alte Kickers-Stadion noch stand. Der Berliner Denis Brown hat für eine Virtual Reality Brille ein Programm entwickelt, mit der man sich auf Zeitreise begeben kann. „Das ist so richtig was für Nostalgiker“, ist Natascha Michera überzeugt. Sie leitet die jeweils 15-minütigen Vorführungen, von denen sich auch Heinz Lunk, einer der Tombola-Gewinner, begeistern lässt. Der 59-Jährige, im virtuellen Reisen noch gänzlich ungeübt, entscheidet sich für eine Stadiontour, die vergangen geglaubte Momente der wechselvollen OFC-Vereinsgeschichte wieder erlebbar macht. „Für die etwas Mutigeren gibt’s einen Flug übern Bieberer Berg mit präziser Landung auf einem der legendären Flutlichtmasten“, verspricht Michera auch jenen einen außergewöhnlichen Adrenalinkick, denen das Losglück zwar nicht hold ist, die für einen geringen Obolus des spektakulären Abenteuers trotzdem teilhaftig werden können.

Pfingstfest im Kickers-Fan-Museum: Fotos

Zwischenzeitlich bereitet Jutta Heinz alles für eine weitere Attraktion des Fanmuseum-Pfingstfestes vor: ein Turnier mit der neuen OFC-App „Blitzkicker“. Bei diesem Tablet-Spiel geht es um Fußballtaktik. Der Hauptgewinner darf demnächst den OFC-Fanradio-Machern einmal als Co-Kommentator zur Seite stehen.

Bei aller Feierlaune wird manches Tischgespräch jedoch durch die Nachricht vom Tod des ehemaligen Rechtsaußen der Offenbacher Kickers, Engelbert „Berti“ Kraus, getrübt. Viele Jahre stand er im rot-weißen Dress auf dem Platz, erzielte in 328 Spielen 117 Tore und gehörte zum Aufgebot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Zwei Tage vor Pfingsten starb er mit 81 Jahren nach langer Krankheit. Darüber bekümmert ist auch Harald Spoerl, ehrenamtlicher Betreuer des Archivs des Kickers-Fan-Museums. „Gleich nach dem Fest werde ich mir wohl Gedanken für die Trauerrede machen müssen“, sagt der Fußballhistoriker grüblerisch und sinniert, wie nahe Freud und Leid doch beieinander liegen.

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