Angst vor Unsicherheiten

Umfrage: Firmen zeigen sich besorgt wegen Brexit

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Offenbach -  Nach der Entscheidung in Großbritannien für einen Austritt aus der Europäischen Union sorgen sich Firmen aus Offenbach um die Folgen.

Drei von vier Unternehmen in der Region befürchten durch den Brexit politische und rechtliche Unsicherheiten, auch durch Austrittsbestrebungen weiterer EU-Länder. Dies ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach unter Firmen aus Stadt und Kreis. „Beschäftigungseinbußen sind in der Region Offenbach allerdings vorerst nicht zu befürchten“, erklärte IHK-Geschäftsführerin für den Bereich International, Mirjam Schwan. „Die befragten Unternehmen geben an, dass sie die Beschäftigtenzahlen auch bei einem EU-Austritt halten können.“ 70 Prozent der Unternehmen sehen eine Zunahme von bürokratischen Handelshemmnissen durch unterschiedliche Rechtssetzungen, Zolldokumente oder Import-Quoten für bestimmte Produkte als Risiko für das Großbritannien-Geschäft, wie die Kammer weiter berichtete. 60 Prozent der Befragten gaben an besorgt zu sein, dass Zölle eingeführt werden.

Schwan forderte: „Deutschland und die anderen EU-Länder müssen die politische und rechtliche Unsicherheit ernst nehmen und dieser entschieden entgegentreten.“ Der europäische Binnenmarkt, der für Unternehmen viele Erleichterungen mit sich bringe, werde als zu selbstverständlich betrachtet. „Auch wir als Wirtschaft sind gefordert, den Bürgern die Vorteile der EU-Mitgliedschaft zu erklären. Kurzfristig werde sich rechtlich nicht viel für unsere Mitgliedsunternehmen verändern.“ Allerdings trübten Faktoren wie Wechselkursrisiken schon jetzt die Exporterwartungen. So gehen laut Umfrage zwar 73 Prozent der Firmen davon aus, dass die Ausfuhren während der Brexit-Verhandlungsphase auf gleichem Niveau laufen. Allerdings erwarten 25 Prozent auch auf kurze Sicht einen Rückgang der Exporte nach Großbritannien.

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Verunsichert zeigten sich die Firmen in Offenbach bei der Frage, wie es nach der Verhandlungsphase weitergehen wird. „Hier geht mehr als jedes zweite Unternehmen davon aus, dass weniger Waren nach Großbritannien versandt werden“, erklärte Schwan. „Bei den Einfuhren zeigt sich ein ähnliches Bild. Dreiviertel der Unternehmen, die Waren aus Großbritannien beziehen, rechnen damit, dass die Importe kurzfristig gleich bleiben. Mittelfristig kalkuliert jedes zweite Unternehmen mit einem Rückgang der Einfuhren“, so Schwan. (ku)

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