Tierquälerei bei Pelz- und Lederproduktion

Frau in der Offenbacher Fußgängerzone gehäutet

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Zum Glück nur ein Schauspiel: Die Frau ist überwältigt, ihre Haut fast abgezogen und kann zu Leder verarbeitet werden.

Offenbach - Die junge Frau schlendert durch die Stadt, betrachtet die Schaufenster. Auf einmal packen sie zwei Männer in weißen Kitteln, reißen sie zu Boden. Von Veronika Schade 

Sie schreit laut um Hilfe, doch niemand erbarmt sich: Die Männer setzen ihr ein Messer an die Kehle, ziehen ihr die Kleidung ab, am Ende sogar die Haut. Blut fließt. Sie zuckt noch ein bisschen, dann wird es still. Irritierte, teils nachdenkliche Blicke der Passanten, immer wieder Kopfschütteln, die Frage, was das soll. Manchmal unverhohlene Neugier, Handys werden zum Fotografieren gezückt.

Mit bestürztem Blick bleiben viele Passanten stehen und sehen zu.

Nein, es ist kein echtes Verbrechen, das sich gestern gleich zwei Mal in der Offenbacher Fußgängerzone abspielt, sondern ein zuvor einstudiertes Schauspiel der Veganen Aktion Offenbach. Die Gruppe will damit auf drastische Art und Weise, mit einem täuschend echt aussehenden Muskel-Ganzkörperanzug und Kunstblut zeigen, wie es täglich in deutschen Schlachthäusern zugeht. Nur wird in diesem Fall kein Tier für die Leder- oder Pelzgewinnung gehäutet, sondern ein Mensch. „Unser Verständnis von Ethik bezieht sich nur auf die eigene Spezies“, sagt Organisator Andreas Bender. „Doch müssten die gleichen Argumente nicht für alle Wesen gelten? Warum wird die gleiche Tat einmal als Verbrechen angesehen und einmal nicht?“

Geschrei erweckt Aufmerksamkeit

Schwerwiegende moralische Fragen, die die Offenbacher Aktivisten da aufwerfen. Auseinandersetzen möchte sich damit bei weitem nicht jeder. Die meisten Passanten lehnen nach dem blutigen Schauspiel die angebotenen Broschüren und Flugzettel ab. „Sie stehen noch unter Schock“, vermutet Benders Mitstreiterin Julia. „Das zeigt aber, dass unsere Idee Wirkung hat. Sie ist nicht leicht zu verdauen.“ Einige Passanten jedenfalls zeigen sich von der Aktion angetan. Das Geschrei erweckt die Aufmerksamkeit von Adam und Ted. „Eine gute Idee und mal was anderes“, finden die Kollegen und meinen einstimmig: „Auch wenn wir viel Geld hätten, Pelz würden wir nicht kaufen.“ Passantin Liane Henkel lobt die Aktion: „Super, um Leuten die Augen zu öffnen. Gerade Leder wird häufig konsumiert, ohne zu hinterfragen.“ Sie selbst trage weder Leder noch Pelz, lebe vegetarisch, sympathisiere mit der veganen Bewegung. Sie deckt sich mit reichlich Infomaterial ein – vom Einkaufsratgeber für lederfreie Kleidung bis hin zu Broschüren über Eier und Milch.

Obwohl die meisten Deutschen sich gegen Pelze aussprechen, sei der Branchenumsatz 2014 um 30 Prozent gestiegen. „Bei Krägen und Applikationen wird echter Pelz oft als falsch eingestuft oder sogar deklariert“, weiß Bender. Echtpelz etwa aus Asien sei sogar mittlerweile billiger als Kunstpelz. Auch zum Thema Leder erzählt er Überraschendes. „Im preiswerten Segment handelt es sich hauptsächlich um Schweinsleder.“ Es sei meist chemisch behandelt und damit potenziell gesundheitsgefährdend. Außerdem: „Die Tiere werden vor der Häutung zwar betäubt. Doch bei 30 bis 40 Prozent funktioniert das nicht richtig, sie bleiben bei Bewusstsein.“

Weitere Infos: www.vegane-aktion-offenbach.de

Die Vegane Aktion Offenbach hat sich 2014 gegründet und hat keine festen Mitglieder. „Wer gerade Zeit hat, ist dabei“, sagt Bender, der seit 20 Jahren keinerlei tierische Produkte mehr isst und die vegane Ethik allumfassend sieht: „Ich will im Leben so wenig Schaden anrichten wie möglich.“ Deshalb engagiere er sich auch bei Demos gegen Abschiebung oder Atomkraft.

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