Man hilft sich gegenseitig

Elf Vereinen sorgen für erfolgreiches Bürgeler Altstadtfest

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Mitmachen angesagt: Die Vorführungen der TSG 1847 Bürgel waren trotz der Hitze nie etwas nur fürs Auge – das Publikum unterschiedlichen Alters ließ sich gern animieren, es den Akteuren auf der Bühne gleich zu tun. - Foto: Klein

Offenbach - Ein Stadtteil feiert sich und den Zusammenhalt seiner Menschen. Allerdings nicht jedes Jahr. Seit der Premiere zur 1200-Jahr-Feier anno 1990 gilt im 24-Monate-Rhythmus an einem spätsommerlichen Samstag: In Bürgel ist wieder Altstadtfest. Von Peter Klein

Verirrt sich zunächst bei gleißendem Sonnenschein und drückender Hitze kaum ein Besucher in die Strackgasse, so gibt es schon am frühen Abend kaum noch ein Durchkommen an den Stände, die elf Vereine in der engen Altstadt aufgebaut haben. Die TSG 1847 ist auf ihrer kleinen Bühne präsent. Müssen die Vorführungen auch wegen der großen Hitze etwas später beginnen, ist spätestens beim Zumba-Tanzen nicht nur auf der Bühne, sondern auch davor einiges los. Bürgeler, egal ob hochbetagt oder Kindergartenkind, alle tanzen ausgelassen mit. Am Stand des Vespa-Clubs baut sich spontan eine Mundart-Band auf. Direkt daneben verkauft Stadtkämmerer Peter Freier am Stand von Pro Bürgel eifrig Fischbrötchen.

Solange es noch recht ruhig ist, sind sich die Vereine gegenseitig die besten Gäste. Vespa-Freunde stehen bei den Ranzengarde-Narren, Pro Bürgel beehrt wiederum den Motorroller-Club. Obwohl: So ganz zu trennen ist das in Bürgel nicht, Doppel- oder Mehrfach-Mitgliedschaften sind hier häufig. Außerdem hilft man sich gegenseitig. Der Zusammenhalt in Bürgel stimmt, bestätigen die Vorsitzenden Peter Roser (Vespa-Club) und Mike Maier (Pro Bürgel). Beide sind im Vorstand der Interessengemeinschaft Bürgeler Vereine (IGBV), die das Fest organisiert hat. Treibende Kraft des Festes ist Norbert Best, der aber diesmal erkrankt ist.

Als am Morgen bei einem Verein die Kühlung nicht funktioniert, wird eben bei den anderen vorgekühlt. Allerdings wird es immer schwerer, das Fest zu organisieren, geben Roser und Maier unumwunden zu. Von 22 Vereinen ist nur die Hälfte dabei. Grund sei das Nachwuchsproblem, sagt Maier. In einigen Vereinen seien die Mitglieder zu alt, um noch einen Stand aufbauen zu können. Und die Jugend habe oft andere Interessen als die Vereinsarbeit.

Wenig Nachwuchssorgen hat der Vespa-Club, der nach der Mofa-Ära seit den 90ern eine wahre Renaissance erlebt. Ralf Bornschlegel ist seit über 25 Jahren dabei. Er bekam seinen Roller vom Opa vererbt und ist dem italienischen Kultgefährt bis heute treu geblieben. Neben gemeinsamen Ausfahrten, die den Club schon durch ganz Europa und in den ZDF-Fernsehgarten geführt haben, gehöre es auch zum Vereinszweck „für Nachwuchs zu sorgen“, was Bornschlegel aber nicht verstanden wissen will. Es sei einfach so, dass auf privatem Gelände auch die Kinder mit den Vespas fahren dürften, und die seien dann ganz einfach schnell und begeistert dabei.

Bilder: Altstadtfest 2016 in Bürgel

Leicht falsch zu verstehen ist auch Ulrich Mertens, der Pressesprecher von Bürgel aktiv, dem Verein der Gewerbetreibenden. Zusammen mit seiner Frau betreibt er ein Studio für Thai-Massage. Was einige fehlgeleitete Anrufe hervorruft, ist tatsächlich eine über 1000-Jährige Massageform, die seine Frau im Krankenhaus erlernt hat. An diesem Abend bietet er thailändische Gerichte an.

Am Stand der Main-Bogen-Boulers von der DJK Sparta sitzt Edgar Berghofer. Der Rentner schätzt das Boule-Spiel, weil es auch von älteren Menschen gespielt werden kann. Mittlerweile sei der katholische Sportverband für alle offen, erzählt er: „Wir haben auch Moslems als Mitglieder.“ Früher durften hier noch nicht einmal Protestanten DJK-Mitglied werden. Berghofer hat das selbst nicht mehr erlebt. Er weiß es von den ganz Alten am sonntäglichen DJK-Stammtisch. Denn auch die Geselligkeit gehört zum Vereinszweck in Bürgel.

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