Vorgänger von GKN Driveline

Werkzeugmacher war einmal

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Wieder vereint: Manfred Kramm, Walter Zimmermann und Wilfried Schmidt (von links) trafen sich bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Ausbildungsprogramms von GKN Driveline an einer Maschine, die sich auch schon während ihrer Zeit bei GKN – damals noch Löhr & Bromkamp – bedient haben.

Offenbach - 60 Jahre Ausbildung bei GKN Driveline - zu diesem runden Geburtstag hat das Technologieunternehmen für Autozubehör langjährige Ausbilder und die ersten beiden Azubis eingeladen. Bei den Festreden wird deutlich, dass selbst ein so großer Ausbildungsbetrieb wie GKN den Wandel am Arbeitsmarkt spürt. Von Steffen Müller 

Damals, sagt Wilfried Schmidt, musste man froh sein, wenn man überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen hatte. Damals, das war 1956, als die GKN noch Löhr und Bromkamp hieß und knapp über 200 Mitarbeiter beschäftigte und zwei neue dazu bekam. Wilfried Schmidt und Manfred Kramm waren die ersten beiden Auszubildenden, die bei dem Technologieunternehmen angefangen haben. Und damit die Begründer einer langjährigen Tradition sind. Denn seit 1956 betrachtet sich GKN Driveline als Ausbildungsunternehmen. Aus zwei Azubis wurden schnell mehr. Ein Jahr später wurden drei weitere Auszubildende eingestellt. 2016 werden 109 Lehrlinge in sieben verschiedenen Berufen bei GKN ausgebildet. Mit modernen Schulungsräumen, Arbeitskleidung und Waschräumen finden die heutigen Azubis perfekte Bedingungen vor. Bedingungen, von denen Wilfried Schmidt nur träumen konnte.

Zu seiner Zeit musste er sich an den Arbeitsplätzen mit den anderen Angestellten abwechseln. Mit Werkzeugmarken konnte sich Schmidt Geräte ausleihen. Wenn er sich nach der Arbeit das Maschinenöl von den Händen waschen wollte, musste er sich mit seinen Kollegen einen großen Wassereimer teilen, um den Schmutz von den Fingern zu bekommen. Ein Waschbecken gab es damals nicht.

In der Werkshalle an der Mühlheimer Straße herrschte zu Schmidts Anfangszeiten noch buchstäblich ein raues Klima. Ohne die passende Isolierung und Heizung war es im Sommer sehr heiß und im Winter wurde gefroren. „Keine optimalen Voraussetzungen, wenn man millimetergenau arbeiten muss“, erinnert sich Schmidt in seiner Rede anlässlich der Feier zum 60-jährigen Bestehen der Ausbildung bei GKN.

Zu der Veranstaltung ist neben den Azubi-Pionieren Kramm und Schmidt auch Walter Zimmermann geladen, der 1959 nicht nur als Torwart der Offenbacher Kickers im Finale um die Deutsche Meisterschaft stand, sondern parallel beim GKN-Vorgänger Löhr und Bromkamp als Werkzeugmacher arbeitete – und ausbildete. Zimmermann kümmerte sich um die damals 14-jährigen Azubis Kramm und Schmidt, lernte sie an, ehe Schmidt ab 1966 selbst das Kommando übernahm und Ausbildungsleiter wurde. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 hatte Schmidt diese Stelle inne.

Wie werde ich..? Büchsenmacher/-in

In dieser Zeit hat sich vieles getan. Nicht nur, dass die Arbeitsbedingungen immer besser wurden, auch die Technologien haben sich geändert und zu einem umfangreicheren Aufgabenfeld geführt. Den Beruf des Werkzeugmachers gibt es nicht mehr. Bei GKN Driveline arbeiten mittlerweile Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker, Zerspanungsmechaniker oder Maschinen- und Anlagenführer.

Geändert hat sich allerdings auch die Wertschätzung einer Ausbildung. Nur noch 14 Prozent der Haupt- und Realschüler ziehen nach ihrem Abschluss eine Lehre in Betracht. Die meisten streben eine höhere Ausbildung oder ein Studium an. Zu Zeiten von Schmidt und Kramm gingen nur etwa 18 Prozent eines Jahrgangs nicht in die Lehre.

Auch GKN Driveline spürt diesen Wandel am Arbeitsmarkt. „Unsere Ausbildungsplätze sind alle besetzt, aber es wird immer schwieriger“, sagt Ausbildungsleiterin Danijela Boric. „Wir als Unternehmen müssen auch um Auszubildende werben.“ Deshalb präsentiert sich GKN bei Ausbildungsmessen und bietet Führungen durch das Werk an. Dort wird auch über die Verdienstmöglichkeiten informiert. Auch von dem aktuellen Azubi-Gehalt hätte Wilfried Schmidt nur träumen können. Damals, 1956, als er 50 Mark brutto bekam.

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