Schulabgänger mit Jumina-Projekt im Sheraton-Hotel

Waffeln für eine Lehrstelle

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Die Schulabgänger durften mit dem Projekt Jumina ins Sheraton-Hotel.

Offenbach -  Schnell, kreativ und teamfähig sollte ein Koch sein – das zählt mehr als Noten, findet das Sheraton-Hotel und lädt daher Jugendliche des Projekts Jumina in seine Küche ein. Wer den Schnuppertag am besten meistert, hat die Aussicht auf eine Azubi-Stelle. Von Julia Radgen 

Rote Grütze, Schokoladensoße und Pistazien - die belgische Waffel für den Hotelgast soll ansprechend dekoriert sein. Das Auge isst ja bekanntlich mit.Nicht nur das erfahren die Jugendlichen am Schnuppertag in der Hotelküche von Sous-Chef Patrick Brüggen. „Man muss auch darauf achten, wie viel Teig man aufs Waffeleisen gibt“, hat die 16-jährige Silvana gelernt. Sie ist eine von neun Jugendlichen, die hinter die Kulissen des Vier-Sterne-Hotels blicken dürfen. Organisiert hat es das Integrationsprojekt Jumina (siehe Kasten). Das Sheraton-Angebot ist nicht ganz uneigennützig: Aktuell sind zwei Lehrstellen in der Küche frei, sie zu besetzen, ist nicht einfach. „Besonders die Arbeitszeiten sind für junge Leute nicht attraktiv“, beklagt Maria R. Franza, im Hotel verantwortlich für Personal.

Das erste, was den Neunt- und Zehntklässlern an diesem Probe-Morgen auffällt: Eine Hotelküche ist ganz anders, als sie es gewohnt sind. Dabei kennt Anthony sich in einer Restaurantküche aus. „Mein Vater hat eine Pizzeria, da helfe ich oft aus“, erzählt der 15-jährige Hauptschüler. „Ich passe auch auf den Herd auf, damit nichts anbrennt.“ Die Dimensionen der Hotelküche, wo normalerweise ein Dutzend Mitarbeiter an einer weitläufigen Arbeitsfläche tätig ist, überraschen Anthony.

„Es gibt eigene Abteilungen für Fleisch, Beilagen und Desserts“, begeistert sich der junge Mann, dessen Traumberuf Koch ist. Warum? Darauf gibt Anthony eine einfache Antwort: „Weil ich Essen einfach liebe!“

Die Leidenschaft für Essen und Menschen ist auch für Maria R. Franza wichtigste Voraussetzung für angehende Köche. Elisabetta Fortunato von der Projektgruppe war freudig überrascht über die hohe Resonanz: „Fürs erste Mal hatten wir schnell genug Anmeldungen zusammen.“ Zwei kurzfristige Absagen wurden noch am Morgen nachbesetzt. Das zeigt für sie das große Interesse. Fortunato findet, ihre mehrsprachigen Schützlinge sind perfekt für die Hotellerie geeignet: „Wenn sie den Gast in seiner Sprache begrüßen, fühlt der sich sofort wohl.“ Zudem seien sie sensibler gegenüber kultureller Besonderheiten. Inspirationen für Rezepte hätten die Kinder italienischer, polnischer oder afrikanischer Eltern ohnehin.

Tabita hat schon ein Praktikum im Hotel gemacht. „Ich finde es toll, dass man andauernd neue Gerichte lernt“, sagt die 16-Jährige, die am liebsten Schnitzel mit Pommes zubereitet. Ernst-Reuter-Schülerin Magdalena reizen die Job-Aussichten. „Ich würde gern auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten, da trifft man viele Menschen und sieht etwas von der Welt“, sagt die 16-Jährige mit polnischen Wurzeln. Sie hat auf dem Bauernhof der Familie schon Hühner geschlachtet.

Früchte in herzhafter Begleitung: Erdbeeren zum Hauptgang

Bevor sie aber in die Ferne schweifen können, steht das Vorstellungsgespräch an. Das Hotel will bald entscheiden. Wer das meistert, soll in der Küche zur Probe arbeiten. „Da kann es mal stressig werden, damit muss man umgehen können“, sagt Personalerin Franza, verspricht aber zugleich: „Dafür wird’s in der Hotelküche nie langweilig!“

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