Koalition will Grün erhalten, aber Bau beschleunigen

Wohnungsbau: Waldkulisse ist künftig tabu

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Der Masterplan zeigt Wohngebiete in Bürgel und Rumpenheim auf. Konkret ist das Areal Bürgel-Ost (lachs-farben), das demnächst erschlossen wird mit Straßen, Ver- und Entsorgungsleitungen. Magenta dargestellt sind weitere mögliche Wohnquartiere. „Ob wir da überhaupt einmal ran müssen, ist offen“, schränkte Oberbürgermeister Horst Schneider bereits im Frühjahr ein. Die neue Koalition wird konkreter, will auf zwei Baugebiete (7) komplett verzichten.

Offenbach - An den Eichen, Hafen, Senefelder-Quartier, Friedhofstraße, Spitzes Eck... Nach Jahren des Stillstands wird in Offenbach wieder investiert. Die Stadt profitiert dabei von den, verglichen mit Frankfurt, günstigeren Mieten. Von Martin Kuhn

Und der Masterplan zeigt bereits weitere Wohnquartiere auf. Die neue Rathaus-Koalition kappt da jedoch zwei Flächen. Je nach politischer Couleur wird jetzt wohl gejubelt oder gejammert. Grund: Das neue Vierer-Bündnis will einerseits für gewisse Areale eine Beschleunigung im Baurecht erwirken, andererseits bestimmte Freiflächen erhalten und verbessern – als Ausgleich für bauliche Eingriffe an anderen Stellen. „Tansania“ bringt einen entsprechenden Antrag in das Stadtparlament (Sitzung: 29. September) ein; die Verabschiedung dürfte nur noch reine Formsache sein.

Kern: Die im Masterplan als Wohnbaupotenzial ausgewiesenen Flächen Rumpenheim Nord-West und Bürgel Süd-Ost (siehe Karte) sollen als Ausgleichsflächen vorgehalten werden. Sprich: keinerlei Bebauung. Nach Vorstellung der Koalition sind sie im Flächennutzungsplan in „Grün / Naherholung“ umzuwidmen. Ebenfalls künftig tabu: die sogenannte Waldkulisse in Bieber-Waldhof.

Das stärke auch den Aspekt der Nachhaltigkeit „in Hinsicht auf den sorgsamen Umgang mit dem Flächenpotenzial Offenbachs“, heißt es in einer Mitteilung. Oder weiter: Man strebt „...den dauerhaften Erhalt ökologisch wertvoller Flächen“ an.  Ein wohl angenehmer Nebeneffekt: Die Stadt muss keinen „kostenintensiven Ausgleich“ herstellen. An anderer Stelle geben die Koalitionäre hingegen mächtig Gas. Um der „steigenden Wohnraumnachfrage“ gerecht zu werden, will das Quartett schneller als bisher geplant neue Wohngebiete entwickeln. Hierfür soll nach Ansicht der Antragsteller mit der Erschließung der bereits ausgewiesenen Neubaugebiete Bürgel-Ost (etwa 10 Hektar Bauland) und Bieber-Nord (zirka 12,5 Hektar) begonnen werden. Denn gerade Bieber-Nord gleicht seit gut zwanzig Jahren einer nicht enden wollenden Geschichte.

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Ziel ist es zudem, für die im Masterplan vorgeschlagenen Flächen in Bürgel Nord-West und eine im Regionalen Flächennutzungsplan enthaltene Fläche des Gebiets Waldhof II sowie für das Gebiet Bürgel-Süd beschleunigt Baurecht zu schaffen.

Dies decke sich auch mit der Strategie des Masterplans, bis zum Jahr 2030 in Offenbach zirka 8700 neue Wohneinheiten für ungefähr 10.000 Einwohner zu schaffen. Die neue Koalition möchte den Magistrat mit einem Antrag beuaftragen, entsprechende Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne vorzulegen. Notwendige „begleitende Maßnahmen“ zum Ausbau einer bedarfsgerechten Infrastruktur (Nah- und Radverkehr, Kinderbetreuung, Schulen, Straßen und Entwässerung) sind aufzuzeigen. Eine Finanzierung soll dargestellt und sichergestellt werden.

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