Zahl der Verträge nahezu konstant

Weniger Lehrstellen in der Region

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Offenbach - Die IHK in Offenbach zeigt sich besorgt darüber, dass weniger Lehrstellen angeboten werden. Gleichzeitig gibt es Klagen über zu komplexe Ausbildungsordnungen. Von Marc Kuhn

Die Zahl der in Stadt und Kreis Offenbach angebotenen Lehrstellen ist gesunken. Gleichzeitig sind etwas weniger Verträge abgeschlossen worden, wie Hans-Joachim Giegerich, der Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, gestern erklärte. 1 374 Lehrverträge sind in diesem Ausbildungsjahr bisher abgeschlossen worden. Das seien 57 weniger als im Vorjahr, sagte Friedrich Rixecker, bei der IHK für Ausbildung zuständig. Dies bedeute einen Rückgang um 3,9 Prozent, ergänzte Giegerich.

Bei den Handwerkern in Stadt und Kreis sind gut 450 Lehrverträge abgeschlossen worden. 22 weniger als im Vorjahr, sagte Bernd Sieber, Leiter des Geschäftsbereichs berufliche Bildung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Nur etwa 20 Prozent der Handwerker würden überhaupt ausbilden, berichtete Sieber.

Mehr als 3380 Jugendliche

Mehr als 3 380 Jugendliche hätten eine Lehrstelle gesucht, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach, Thomas Iser. Das seien 1,2 Prozent oder 41 junge Menschen mehr als 2011/2012. Den Anstieg erklärte Iser unter anderem damit, dass erneut ein doppelter Jahrgang von Abiturienten auf den Arbeitsmarkt dränge. Allerdings seien nur etwa 15 Prozent von ihnen an einer Lehrstelle interessiert. Die meisten wollten studieren.

Bei der Agentur seien 1 826 Ausbildungsplätze gemeldet gewesen, sagte Iser. 13 Prozent oder 274 Stellen weniger als im Vorjahr. 84 Jugendliche hätten noch keine Lehrstelle gefunden, fast zehn Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Allerdings konnten etwa 100 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

Das liege unter anderem daran, dass sich viele Jugendliche „auf wenige gängige Berufe konzentrieren“, erläuterte Iser. So seien beispielsweise 20 Lehrstellen für den Beruf des Mechatronikers angeboten worden. Für sie habe es 135 Bewerber gegeben. 257 junge Leute wollten Bürokauffrau oder -mann werden, es habe aber lediglich 82 Ausbildungsplätze gegeben. Giegerich betonte, es werde von Jahr zu Jahr schwieriger, Wünsche und Angebot in Übereinstimmung zu bringen.

Weniger Ausbildungsplätze angeboten

Dass weniger Ausbildungsplätze angeboten werden, bereite der IHK angesichts des drohenden Fachkräftemangels Kopfzerbrechen, wie Giegerich erklärte. Das liege zum einen daran, dass die Firmen trotz guter Konjunktur unsicher beim Blick in die Zukunft seien. Zum anderen würden die Anforderungen bei der Neuordnung von Berufen immer komplexer, berichtete Rixecker. Dies sei Sache der Sozialpartner. So sei beispielsweise aus dem technischen Zeichner der technische Produktdesigner geworden. 2008 habe es in der Region noch 17 Betriebe mit 31 Auszubildenden gegeben, im vergangenen Jahr seien es nur noch 13 Firmen mit 22 Azubis gewesen. Auch Sieber spricht von stark überfrachteten Ausbildungsordnungen. „Wir sehen das mit Sorge“, sagte Giegerich. Rixecker appellierte an die Sozialpartner, dass nur wichtige Inhalte in einer Ausbildung gelehrt werden sollten. Zusätzliches Wissen sollte in der Weiterbildung vermittelt werden.

Im laufenden Ausbildungsjahr habe die IHK 194 zusätzliche Ausbildungsstellen erzielt, berichtete Giegerich. 144 Betriebe würden erstmals ausbilden. Zudem würden mehr Unternehmen auf Schulen zugehen, um Kontakt zu Jugendlichen herzustellen. Bisher seien 18 Schulpartnerschaften abgeschlossen worden. Auch Sieber sagte: „Wir sind an den Schulen unterwegs.“ Die Handwerker wollten die rund 100 Berufsbilder bekannt machen, für die im Kammerbezirk ausgebildet werde. Es gebe 24 Kooperationsverträge, zwei in Offenbach. Derweil appellierte Iser an die Arbeitgeber, ihre Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen.

Top Ten der unbeliebten Berufe

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Die Jugendlichen haben nach den Worten von Iser nicht nur den Ausbildungsmarkt in Offenbach im Blick, sondern auch den in Frankfurt. Während sich in Stadt und Kreis rechnerisch 1,8 Bewerber um eine Lehrstelle bemühen, sind es in der Mainmetropole 0,8 Bewerber. In Hessen gibt es 1,3 Bewerber für eine Stelle.

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