Erreichtes noch steigern

AWO und Werkstätten Hainbachtal öffnen Türen

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Auch das gehört zur Arbeiterwohlfahrt: Liedblatt in der Hand, Kind auf dem Arm! So stimmen Kinder, Eltern und Erzieher der Kita Fuchsbau am Samstagnachmittag zu Thomas Salzmanns Gitarrenklängen fröhliche Lieder an.

Offenbach - Sehen, was getan wird – hören, was geplant ist. Der Tag der offenen Tür des Kreisverbands Offenbach der Arbeiterwohlfahrt und der Werkstätten Hainbachtal bot am Wochenende Gelegenheit, sich umfassend zu informieren. Von Harald H. Richter

Das weitläufige Gelände im Hainbachtal vereint inmitten von Natur Behindertenwerkstätten, Ausflugscafé und die seit 2015 bestehende Kita Fuchsbau mit U3-Betreuung und Waldkindergarten. Nach dem Willen des AWO-Vorstands könnte schon bald ein viertes Aushängeschild hinzukommen. „Man muss neue Ziele in den Blick nehmen, darf sich nicht auf dem Erreichten ausruhen“, sagt Kurt Herrmann optimistisch und wird konkret. „Orientiert an zwei Vorzeigemodellen in Hanau und Gießen möchten wir die Bildungslandschaft in Offenbach um eine Komponente erweitern und planen den Bau einer inklusiven Ganztagsschule in freier Trägerschaft.“ Den Bedarf dafür gibt es in der Region, erklärt der AWO-Vorsitzende den Gästen. Einen Starttermin hat Herrmann im Blick: Herbst 2018.

Bis dahin wird einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten sein, denn für eine Ersatzschule in freier Trägerschaft ist das Einverständnis des Hessischen Kultusministeriums Voraussetzung. Außerdem muss die Finanzierung auf tragfähigem Fundament stehen und ein Gebäude am Standort im Hainbachtal her. Entsprechende Pläne sind erarbeitet und dienen als Grundlage für die Baugenehmigung. Herrmann rechnet mit 1,8 Millionen Euro Anlaufkosten, bevor die inklusive Schule von Mitteln aus Fördertöpfen profitieren kann.

Beim Tag der offenen Tür ist auch ein Blick in die Wäscherei der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal möglich.

Das Konzept sieht zunächst eine Primarstufe mit jeweils 15 Mädchen und Jungen pro Klasse beziehungsweise Lerngruppe und zuzüglich bis zu fünf Kinder mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten vor. Auf die Eltern kommt ein monatliches Schulgeld zu. „Es würde sich an dem orientieren, was etwa für den Besuch der Marianne-Frostig- oder der Erasmus-Schule zu entrichten ist“, sagt Herrmann. Um die Kinder soll sich ein Team aus Lehrkräften und Erziehern kümmern. Am Ende der ersten vier Jahre schlösse sich der Beginn der Zweizügigkeit an, wobei die Jugendlichen in der Sekundarstufe weiter in jahrgangs-gemischten Lerngruppen unterrichtet würden. „Wir könnten also ein Drei-Säulen-Modell herstellen aus frühkindlicher Betreuung in der Kita, schulischer Bildung und einer Facheinrichtung für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung aus Stadt und Kreis.“

Einen Querschnitt dessen, was aktuell im Hainbachtal angeboten und geleistet wird, lässt sich beim Tag der offenen Tür inspizieren: Holzwerkstatt, Waldcafé und Kita sind offen für jedermann. Auch bei Textilreinigerin Andrea Wachtel, die seit zwanzig Jahren in der Wäscherei tätig ist und zum Regelpersonal zählt, schauen sich die Besucher um. Impulsvorträge unter anderem vom Leiter der Sozialdienste, Stefan Schuster über die Arbeit mit Behinderten an den verschiedenen Standorten, verdichten die Eindrücke. Jugendhilfe, Betreuungsverein, ambulante Dienste und Migrationsberatung informieren über ihre Arbeit. Auch auf der Bühne regt sich einiges. Mal sorgen die Babbler unter Thomas Busch für Kurzweil, mal gibt’s was auf die Ohren durch die Trommelgruppe aus der Arthur-Zitscher-Straße. Drangvoll wird‘s auf dem Podium, als 30 Kinder, Eltern und Erzieher der Kita Fuchsbau zu Thomas Salzmanns Gitarrenklängen fröhliche Lieder anstimmen, während der Familienanhang das Erlebnis mit gezückten Smartphones festhält.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst: Bilder

Zwischen den unterhaltsamen Programmteilen diskutiert unter Leitung von Hörfunkjournalist Andreas Michael Winkel eine Gesprächsrunde die Chancen der Inklusion in Offenbach. Erik Ragati, ehemals Werkstattbeschäftigter, hat seine ergriffen und ist seit fünf Jahren beim Mühlheimer Pulverbeschichtungsunternehmen auf einem Außenarbeitsplatz tätig. „Er zählt damit zu den momentan 50 Menschen mit Handicap, die außerhalb unseres Hauses der Erwerbstätigkeit nachgehen“, sagt Thomas Ruff, Geschäftsführer der Werkstätten Hainbachtal, die aktuell 750 Behinderte beschäftigen. Ruff möchte diesen Anteil gern erhöhen, „das geht aber leider nicht von heute auf morgen.“ Daher nutzt er den Tag der offenen Tür, um für die Einstellung von mehr Menschen mit Behinderung zu werben.

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