Künstlergruppe YRD.Works stellt in der „Kressmann-Halle“ junge Positionen vor

White Cube im Hafenviertel

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Machten aus einer Ruine einen Ort für Kunst: Die Gruppe YRD.Works (v.l.: Yacin Boudalfa, David Bausch, Ruben Fischer) erschaffen seit einiger Zeit Räume für Begegnungen.

Offenbach - Im Offenbacher Hafen gibt es einen neuen Ausstellungsort für zeitgenössische, junge Kunst. Die drei Mitglieder der Künstlergruppe YRD. Works haben die „Kressmannhalle“ umgebaut. Dort treffen regionale auf internationale Positionen. Von Eugen El 

Im Hintergrund zeichnen sich Wohnbauten des Offenbacher Hafenviertels ab, und nicht nur dort entsteht Neues. Auf dem Gelände, das in einigen Jahren den Neubau der Hochschule für Gestaltung beherbergen soll, wurde ein neuer Ausstellungsort eröffnet. Die Künstlergruppe YRD.Works um David Bausch, Yacin Boudalfa und Ruben Fischer hat ein baufälliges Gebäude in monatelanger Arbeit eigenhändig saniert und umgebaut. Unterstützt wurden sie von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft. Eine Fensterfront öffnet den Bau nach außen, drinnen herrscht die in der Kunstwelt verbreitete „White Cube“-Ästhetik. Ein neuer Estrichboden, weiße Wände und filigrane Neonlichtröhren bestimmen den Raumeindruck. Das Gebäude kann genutzt werden, bis die Bauarbeiten für den HfG-Neubau beginnen.

„Don’t Worry!“ von Dauphine Klein.

In ihren bisherigen Projekten haben die drei Freunde versucht, „Räume für soziale Begegnungen zu schaffen“, erzählt Ruben Fischer. YRD.Works errichteten und bespielten schon eine Saunabar, ein Fitnessstudio, einen Club und eine Bar. Der nun am Offenbacher Hafen entstandene Ausstellungsort wurde nach dem langjährigen Vormieter benannt: „Kressmann-Halle“. „Die Möglichkeit, das Gebäude nutzen zu können, hat uns motiviert“, sagt David Bausch. Es sei darum gegangen, einen Ort für Kunst zu schaffen, ergänzt Ruben Fischer. Die Initiatoren möchten jungen Künstlern „eine Plattform“ und „professionelle Rahmenbedingungen“ bieten. Man könne als Künstler nicht in Passivität verharren und darauf warten, von Galeristen oder Kuratoren entdeckt zu werden.

Mindestens zwei Ausstellungen sind jährlich geplant. Es werden dabei zwei künstlerische Positionen gegenübergestellt. Damit Kontakte über Offenbach und Frankfurt hinaus entstehen, soll eine der Positionen von auswärts kommen. Die Initiatoren der „Kressmann-Halle“ möchten „einen Schritt aus dem rein studentischen Kontext machen“. Die von der Schweizerin Sophie Yerly kuratierte Eröffnungsausstellung führt Arbeiten des in Offenbach und Berlin lebenden David Schiesser und der Schweizerin Dauphine Klein zusammen. Klein zeigt mehrere Projekte. Von Basel aus ließ sie 24 durchsichtige, mit Sand gefüllte Päckchen nach Offenbach schicken. Kein einfaches Unterfangen – nicht viele Päckchen fanden ihren Weg in die Ausstellung. Den Sand ließ sie aus den Päckchen entfernen. In Offenbach sind sie leer zu besichtigen.

Die Künstlerin möchte damit stupide, sinnlose Arbeit thematisieren. „Don’t Worry!“ prangt auf zwei weiteren Objekten – aus massivem Metall aufwendig gefertigten, eigentlich unbenutzbaren Tischtennisschlägern. Die Rituale der Arbeitswelt und ihre zeitliche Struktur sind für Dauphine Klein von Interesse. David Schiesser zeigt neue Arbeiten auf Leinwand und skulpturale Installationen. Seine figurativen Kompositionen setzt Schiesser großformatig mit Kohle oder Pinsel um. Schiessers Bilder sind auf den ersten Blick erzählerisch, verweigern aber eine allzu eindeutige Lesart. Das verleiht ihnen die notwendige Offenheit. „Es muss schnell passieren“, sagt der Künstler über seine Arbeitsweise. David Schiesser illustriert sie augenzwinkernd mit einer beweglichen, selbstgebauten Mauer. Jeder der etwa 30 Steine trägt die Aufschrift „Tempo“.

„Whistle While We Are Working. Muscle Memory – Dauphine Klein, David Schiesser“ bis zum 23. Juli, geöffnet Di. 10-15 Uhr, Do. 15-20 Uhr oder auf Anfrage, Kressmann-Halle, Hafen 13, Offenbach, Infos: www.kressmann-halle.de.

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