Stadt bewirbt sich um mobilen Blitzer-Anhänger

Temposünder im Karree: Ärger über Raser am Wilhelmsplatz

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Einige Raser nutzen die Straßen am Wilhelmsplatz immer wieder, um mit ihren Fahrzeugen zu protzen. Der Stadt will der Entwicklung entgegenwirken und hofft auf einen mobilen Blitzer-Anhänger, um mehr Geschwindigkeitskontrollen vorzunehmen.  

Offenbach - Kellner mit beladenen Tabletts bahnen sich den Weg über die schmale Straße, um ihre Kunden zu bedienen. Von Steffen Müller

Marktbesucher schlängeln sich mit ihren Einkäufen zwischen den Fahrradständern und Tischgarnituten, Gäste suchen sich in einem Café den besten Platz, um das rege Treiben zu beobachten. Und dazwischen fahren Autos. Es ist eng rund um den Wilhelmsplatz. Die Verbindung zwischen Bleichstraße und Bieberer Straße ist sowohl von Fußgängern, Radlern und Autofahrer stark frequentiert. Zwei Straßenschilder weisen an, Schrittgeschwindigkeit zu fahren.

Doch nicht alle Autofahrer halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Lautes Aufheulen von Motoren erschreckt regelmäßig Käufer, Gäste und Anwohner. Immer wieder nutzen Raser die schmalen Gassen als Laufsteg für ihr schnellen Autos. Die großen Menschenmengen scheinen ein willkommener Rahmen zu sein, um PS-starke Karossen zu präsentieren. Vor allem abends, wenn die Bars und Kneipen bei sommerlichen Temperaturen gut gefüllt sind und die Gäste draußen sitzen, demonstrieren einige, was ihr Wagen unter der Haube hat.

Restaurantbetreiber, Marktbeschicker, Anlieger, Gäste: Alle sind sind genervt. Beim Ordnungsamt gehen immer wieder Beschwerden ein. Der Stadt ist das Problem hinlänglich bekannt. Erste Maßnahmen, um die Raserei in den Griff zu bekommen, sind auf den Weg gebracht. Wie Ordnungsamtschef Peter Weigand mitteilt, bemüht sich die Stadt um einen sogenannten Blitzer-Anhänger. Mit der mobilen Messstation können 24 Stunden am Tag Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen werden, ohne dass dabei Beamte im Einsatz sein müssen, wie etwa bei Messfahrzeugen, in denen Polizisten direkt im Wagen die Bilder über einen Laptop auswerten. Doch es ist ein langwieriges Prozedere, um die Erlaubnis für einen Blitzer-Anhänger zu bekommen.

Die Polizeiakademie Hessen muss grünes Licht geben, damit sich die Stadt diese etwa 80.000 Euro teuere Anlage auf eigene Kosten anschaffen darf. Der bürokratische Aufwand ist hoch. Um eine Genehmigung zu bekommen, muss die Stadt nachweisen, dass es an mindestens drei Standorten, an denen keine stationären Blitzer aufgestellt sind, Probleme mit Rasern gibt. Über einen Zeitraum von zwei Wochen müssen mit einem sogenannten Seitenradar verdeckte Messungen durchgeführt werden, die belegen, dass Autofahrer an den neuralgischen Stellen häufig mit erhöhtem Tempo unterwegs sind.

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Belegen die Videoaufzeichnungen, dass an den ausgewählten Standorten gerast wird, gibt die Polizeiakademie ihr Okay zur Anschaffung eines Blitzer-Anhängers. „Es müssen die Voraussetzung für einen stationären Blitzer erfüllt werden“, erklärt Weigand, sprich häufige Geschwindigkeitsüberschreitungen, Unfallgefahrenpunkte oder Zonen, in den sich viele Menschen und vor allem Kinder aufhalten.

Der Blitzer-Anhänger ist zwar einfach zu installieren und durch die Stadt zu fahren, darf aber nur an den von der Polizeiakademie geprüften und genehmigten Punkten aufgestellt werden. In Offenbach wurde mit dem Seitenradar bereits hier gefilmt: Neubaugebiet An den Eichen, rund um die Mathildenschule, am „Schlupf“ an der Seligenstädter Straße in Bieber und eben am Wilhelmsplatz. Die Aufnahmen seien an die Polizeiakademie übermittelt worden, berichtet Weigand. „Wir nerven wöchentlich“, drängt der Ordnungsamtschef auf eine schnelle Entscheidung aus Wiesbaden.

Noch müssen sich die Besucher des Wilhelmsplatzes in Geduld üben. Weigand hofft, dass der Blitzer-Anhänger in drei bis vier Monaten zur Verfügung steht. Dann könnte das ständige Aufheulen der Motoren zwischen Cafés, Marktbesuchern und Kellern endlich ein Ende haben. Immer wieder rasen Autofahrer über die belebten Straßen am Wilhelmsplatz. Die Stadt kennt das Problem und bewirbt sich nun um einen mobilen Blitzer-Anhänger. Doch das Prozedere ist langwierig.

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