Am Wilhelmsplatz

Stadt kommt ihrer Räumpflicht nicht nach

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Wer sich gestern auf dem Wilhelmsplatz einen guten Rutsch wünschte, meinte das im doppelten Sinne: Der städtische Winterdienst hatte versäumt, Schnee zu räumen.

Offenbach - Kurz nach dem ersten Schneefall dieses Winters erinnert das Ordnungsamt gestern an die Räumpflicht der Bürger und mahnt besonders Hauseigentümer, die Wege vor ihren Objekten zu räumen. Von Sarah Neder 

Für Beschicker und Besucher des dienstäglichen Wochenmarkts klingt die städtische Meldung wohl unverfroren. Denn der städtische Winterdienst hatte den Wilhelmsplatz zum gestrigen Markttag nicht geräumt. Festgetretener Schneematsch legte sich als spiegelglatte Schicht über das Kopfsteinpflaster. Das Bummeln erwies sich als rutschige, bisweilen gar gefährliche Angelegenheit.

„Die Stadt hat nichts geräumt, obwohl das ihre Pflicht ist“, echauffiert sich Marktverkäufer Bernhard Heckelmann. Stattdessen mussten die Beschicker selbst ran: „Bevor ich heute früh meinen Stand aufgebaut habe, bin ich mit Schneeschieber und Besen angerückt. Das hat eine gute halbe Stunde gedauert“, schildert Heckelmann und deutet auf den Boden vor seinem Stand. „Den ganzen Splitt haben wir Beschicker selbst gestreut.“

Vor allem für ältere Kunden stelle das glitschige Kopfsteinpflaster eine Gefahr da, sagt Heckelmann. Er sorge sich vor allem um diejenigen, die mit Rollator, Stock oder Krücken unterwegs sind. In der Mitte des Markts bahnt sich eine alte Frau mit Rollator mühsam ihren Weg zum Parkplatz. Trotz festen Schuhwerks sei es „sehr beschwerlich voranzukommen“, sagt sie. Aber auch Jüngere und Eltern mit Kinderwagen haben sichtlich Probleme, sich auf den Füßen zu halten, sie setzen ihre Schritte ganz bewusst.

Winterimpressionen unserer Leser

Winterimpressionen unserer Leser (Teil eins)

Wieso der ESO-Winterdienst gerade den Wilhelmsplatz am Markttag nicht von Schnee und Eis befreit hat, erklärt Christian Loose: „Bis fünf Uhr war der Platz in Ordnung. Dann hat es angefangen zu schneien, und zeitgleich haben die ersten Marktbeschicker ihre Stände aufgebaut. Ein ordnungsgemäßer Winterdienst war von da an nicht mehr möglich.“ Außerdem, so Loose weiter, könne man den grob gepflasterten Platz nicht wie glatte Straßen mit dem Schneeräumschild säubern. Der ESO habe dann so gut es ging Splitt gestreut, der bei Weitem nicht so effektiv wie Salz sei. Doch das dürfe am Wilhelmsplatz wegen der Bäume nicht zum Einsatz kommen.

Unterdessen verweist das Ordnungsamt auf die Haftung bei Verstößen gegen die private Räumpflicht: „Rutscht ein Fußgänger auf einem vereisten öffentlichen Weg aus und verletzt sich, kann es für die Eigentümer oder auch Mieter des angrenzenden Gebäudes teuer werden.“ Der Verletzte habe Anspruch auf Schmerzensgeld. Deshalb müsse jeder Eigentümer den Gehweg vor seinem Haus auf einer Breite von mindestens 1,50 Meter von Schnee und Eis befreien. Die Räumpflicht gelte montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr, samstags von 8 bis 20 Uhr, sonn- und feiertags von 9 bis 20 Uhr. Verstöße ahnde das Amt mit Bußgeldern von bis zu 1 000 Euro. Eine abschreckende Strafe, die in diesem Fall nur für Privatpersonen gilt.

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