ABG-Wohnungen im Hafen

Die Probleme eines Pioniers

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Die Riegel-Bauten der ABG, insgesamt 178 Mietwohnungen, sind die ersten fertiggestellten Gebäude im neuen Hafen.

Offenbach - Von den 178 ABG-Wohnungen im Hafen sind nach einem Jahr etwas mehr als die Hälfte vermietet. Für den Bauherrn ist das angesichts der Umstände normal. Mieter schätzen das Wohnen am Fluss. Von Matthias Dahmer 

Dimitrios ist 70, und wenn er sich in das Werk seines Landsmanns Sokrates vertieft, muss er manchmal weinen, sagt er. Zeit genug zum Schmökern hat der belesene Mann von der Insel Korfu, der in seinem Berufsleben Diplom-Pädagoge war und seit mehr als 40 Jahren in Deutschland lebt.

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Mit Blick aufs Hafenbecken

Ruhe hat er auch. Das erstaunt und spricht vermutlich für ein gut gedämmtes Zuhause. Denn draußen, keine 20 Meter von seiner Erdgeschosswohnung entfernt, wächst lautstark ein Teil dessen in die Höhe, was zum hoffnungsvollen Aspekt Offenbacher Zukunft gehört. Dimitrios ist Mieter in einer der 178 Wohnungen, welche die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG im Hafen hochgezogen hat. 10,75 Euro zahlt er pro Quadratmeter, 82 sind es insgesamt, auf denen sich der Rentner mit seiner Gattin seit Mai vergangenen Jahres heimisch fühlt. Nein, dass unweit seiner kleinen Terrasse zum Hafenbecken hin die Häuser des Projekts Hafengold entstehen, dass sie ihm künftig weniger Tageslicht lassen, stört ihn nicht, versichert Dimitrios. Zumal er ja zum Teil noch freien Blick aufs Becken und Richtung Frankfurt habe.

„Fast wie in Griechenland“

Er führt durch die gut ausgestattete Wohnung mit Parkettfußboden im Wohnzimmer, geräumigem Bad und einer Küche, deren großes, bis zum Boden reichendes Fenster einen schönen Blick auf den Main bietet. Dass die Fenster zum Fluss hin wegen des Lärms der gegenüberliegenden Frankfurter Speditionen nicht geöffnet werden können, was in der Planungs- und Bauphase der AGB-Gebäude immer kommuniziert wurde, war wohl nur eine zu vernachlässigende rechtliche Vorgabe. „Wenn ich koche, öffne ich das Fenster und schaue, wie die Schiffe vorbeiziehen. Fast wie in Griechenland“, lächelt Dimitrios.

Wäre der gastfreundliche Grieche nicht zufällig dem fragenden Journalisten vor den Schreibblock gelaufen, Frank Junker hätte ihn bestimmt als Muster-Mieter präsentiert. Denn positive Werbung für seine Offenbacher Pioniertat kann der ABG-Chef sicher noch gebrauchen. Von den 178 Wohnungen stehen rund ein Jahr, nachdem die ersten Mieter eingezogen sind, noch 84 leer. Besonders an den beiden östlichen der insgesamt sieben Eingänge, bei den Hausnummern Hafeninsel 15 und 17, finden sich an mehr als der Hälfte der Klingel- und Briefkastenschilder noch keine Namen.

Neugestaltung am Hafen (Archivbilder)

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Für ABG-Boss Junker ist das erklärbar: Angesichts der nicht ganz einfachen Ausgangssituation als Pionier im Hafen mit der Bautätigkeit drumherum und der noch fehlenden Infrastruktur sei diese Vermietungsquote zu erwarten gewesen. Die Nachfrage nach den Wohnungen sei groß, viele wollten jedoch erst einziehen, wenn es im Hafen die nötige Infrastruktur gebe. Bis Ende des Jahres, ist Junker zuversichtlich, werde alles vermietet sein.

Die Mietpreise hält er für moderat, sie lägen unter denen vergleichbarer Wohnungen in Frankfurt. Überhaupt habe die Hafeninsel eine tolle Entwicklung genommen, ebenso wie der Wohnstandort Offenbach. Der Hafen und das alte MAN-Gelände seien nicht die letzten Standorte für ABG-Projekte in Offenbach, kündigt Junker an.

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