Stadtparlament streitet über den richtigen Weg bei Schulbausanierung 

36 zusätzliche Klassenräume benötigt

Offenbach - Soll sich die Stadt beim Bedarf an Klassenräumen für die jeweiligen Schulen an den Einschulungszahlen und den zu erwartenden Zuzügen orientieren oder soll auch das Wahlverhalten der Eltern einfließen? Eine Frage, über die im Stadtparlament ausgiebig gestritten wurde. Von Matthias Dahmer 

Ausgangspunkt war ein - letzlich erfolgreicher - Antrag der Tansania-Koalition, wonach bei allen künftigen Sanierungsmaßnahmen der von der Verwaltung ermittelte Schulraumbedarf der kommenden Jahre zu berücksichtigen ist. Außerdem ist bei der Sanierung und Erweiterung der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) eine Sechszügigkeit vorzusehen, heißt: sechs Klassen pro Jahrgang. Zur Begründung führte die Koalition aus, eine Prüfung Anfang des Jahres habe den Bedarf an Schulräumen bis 2021/2022 festgestellt. Danach würden 36 zusätzliche Räume benötigt. Bei der Ermittlung des erwartbaren Bedarfs wurden neben den Einschulungszahlen der schon in Offenbach lebenden, noch nicht schulpflichtigen Kinder auch die durch Zuzüge in neue Baugebiete erwarteten zusätzlichen Kapazitäten berücksichtigt.

Die SPD war damit nicht ganz einverstanden. Heike Habermann nannte den Antrag irreführend und überflüssig. Die SPD stehe zwar zur Priorität der Schulbausanierung, doch müsse man die Räume auch an der richtigen Stelle planen. „Wir müssen über die Strukturen der Schulentwicklung nachdenken“, so Habermann.

Oberbürgermeister Horst Schneider brachte den Aspekt des Wahlverhaltens der Eltern in die Diskussion ein. Als Beispiel führte er die Geschwister-Scholl-Schule in Bieber an, die gerade bei Bieberer Eltern weniger beliebt sei als etwa die Edith-Stein-Schule. Schneider: „An die GSS werden mehr Schüler hinverteilt, als dass sie angewählt wird.“ Ähnlich sehe es bei der Bachschule aus, die seit Jahren die „rote Laterne“ habe. Die Frage sei, so Schneider, wie man es schaffen könne, diese Schulen wieder attraktiv zu machen. Mit Blick auf die Auswirkungen des Anwahlverhaltens auf die Planungen gab der Verwaltungschef zu bedenken, es mache für Offenbach einen finanziellen Unterschied, ob 25 oder 36 Räume benötigt würden.

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Der ehemalige Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) riet davon ab, die Raumplanungen vom Wahlverhalten der Eltern abhängig zu machen. Das sei immer nur eine Momentaufnahme und keine seriöse Grundlage. Als Beispiel nannte er die Situation an den Gymnasien: Die Leibnizschule werde derzeit nur mäßig angewählt, Rudolf-Koch-, und Albert-Schweitzer-Schule dagegen „wie wild“. Fakt sei, dass die Schülerzahlen anstiegen und besonders bei der GSS Bedarf bestehe. Weiß räumte ein, die Bieberer Schule habe das Problem, dass ihr immer noch ein Ruf nachhänge, doch habe sich die Situation gebessert. Mit einem Verhältnis von 50:50 bezüglich Zuteilung und Anwahl sei die GSS auf einem guten Weg. Den Antrag der SPD, ein elektronisches Raumkataster für die Schulen zu erstellen, das mit den Schulplänen der Stadt abgestimmt ist, lehnte die Tansania-Koalition als „weltfremd“ ab.

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