Zweiter Verhandlungstag im Prozess

Fall Mark Herbert: „Brutalität werde ich nie vergessen“

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Offenbach - Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Schläger von Mark Herbert am Darmstädter Landgericht: Nachdem Sven R. zum Auftakt seine Schuld bestritten hatte, schildert nun das seit der Attacke gelähmte Opfer seine Erinnerungen.

Außerdem entkräften weitere Zeugenaussagen die Version des Angeklagten. Es ist ein warmer Augustabend. Martin J. hat sich mit Freunden auf dem Bieberer Aussichtsturmfest verabredet. Er kommt schon etwas früher dort an, setzt sich zu Bekannten neben die Bierzapfanlage. Man unterhält sich, J. nippt ein paar Mal an seinem Sauergespritzten, die Stimmung ist gut. Doch dann sieht der damals 32-Jährige im Augenwinkel eine heftige Auseinandersetzung zwischen zwei Männern vorm Eingang des rund 25 Meter entfernten Turmes. „Das war keine Schlägerei, das war ein Zusammengeschlagenwerden“, beschreibt Martin J. im Gerichtssaal die Szene vor vier Jahren. Er ist als Zeuge im Prozess gegen Sven R. geladen, der am 25. August 2012 Mark Herbert aus Offenbach fast zu Tode geprügelt haben soll. Das Opfer ist seit der Tat vom Hals abwärts gelähmt.

Martin J. schildert seine Erinnerungen an den Abend detailliert und wortgewandt. Er erzählt, dass er schon von Weitem erkannt habe, dass es sich bei dem Kampf vorm Turm um keine einfache Rangelei gehandelt habe: „Es ging ganz brutal zur Sache.“ Dabei sei das Opfer, Mark Herbert, sehr passiv gewesen. „Er ist Schlägen ausgewichen, wollte wegrennen.“ Er habe sich Verstärkung geholt, berichtet J. weiter, sei zusammen mit Markus M., der gestern ebenfalls als Zeuge geladen ist, auf die beiden Männer zugegangen. Das Opfer habe sich nun gar nicht mehr bewegt. Der Täter, den J. als zirka 1,70 Meter groß und stämmig-sportlich beschreibt, soll Herbert am Arm festgehalten und auf ihn eingedroschen haben. Solange bis Herbert am Boden lag. „Dann wurde noch auf ihn eingetreten, mit voller Wucht, als würde man einen Pfosten umtreten wollen“, beschreibt der Zeuge den Ablauf.

Beim zweiten von zunächst sieben angesetzten Verhandlungsterminen sagt auch Mark Herbert als Zeuge aus. Der heute 27-Jährige spricht langsam, die Zunge scheint schwer. Laut Herbert wurde er auf dem Weg zur Aussichtsplattform des Turms von seinem späteren Angreifer angemacht. Der Angeklagte soll gefragt haben, wer „eine aufs Maul“ wolle. Herbert sagt, er sei angetrunken gewesen und deshalb auf die Pöbelei des Fremden eingegangen. Beide hätten die Angelegenheit unten klären wollen. Noch im Treppenhaus habe er vorgeschlagen, lieber etwas auf dem Fest trinken zu gehen, sagt Herbert. Doch sein Gegenüber habe die Konfrontation gefordert.

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Unmittelbar vor dem Turm habe ihn der Angreifer dann von hinten gepackt und mit dem Kopf an die Mauer geschleudert. Mark Herbert erinnert sich nur noch an einen lauten Knall und ein Pfeifen. Erst im Krankenhaus sei er wieder zu Bewusstsein gekommen. Ähnlich schildert auch Markus M. die Tat. Im Gegensatz zu J. hat er beobachtet, dass Herbert mehrmals gegen die Ecke der Turmmauer geschleudert worden sei. Kopf und Rücken sollen dabei fest gegen die Steine geknallt sein. „Diese Brutalität werde ich nie vergessen“, sagt M.

Bilder: Prozess gegen Schläger von Mark Herbert 

Diese Aussagen weichen stark von der Einlassung des Angeklagten ab, in der er am Mittwoch seine Schuld bestritten hatte. Mark Herbert sei beim Angriff auf ihn gegen die Turmmauer gerannt, so die Version von Sven R. Dessen Verteidiger sagte, dass es sich dabei um einen schrecklichen Unfall gehandelt habe. Die Zeugen M. und J. waren vor vier Jahren als Ersthelfer bei Mark Herbert. Schnell hätten sie festgestellt, dass das Opfer stark verletzt war. „Man hat gemerkt, dass er die Beine nicht bewegen kann“, erzählt Martin J. Sie setzen den Notruf ab. Er und Markus M. schildern, dass ihnen kurz darauf ein Mann aufgefallen sei, der am verletzten und wehrlosen Mark Herbert zerrte, versuchte, ihn aufzustellen und Dinge sagte wie: „Lass dich nicht so feiern“, oder „Du hast es nicht anders verdient“. M. vermutet, dass der Mann den Täter kannte. Er soll bei der nächsten Sitzung, die für den 30. Juni anberaumt ist, möglicherweise als Zeuge gehört werden.

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