Klischeehafte Bilder

„Schmuddelige Schwester“: ZDF-Doku über Offenbach empört

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Die ZDF-Doku „Zwischen Äppelwoi und Döner“ will „einen Ausschnitt der Einwanderungskultur in Offenbach“ zeigen. Tatsächlich wurden viele Klischees bedient.

Offenbach - Junge Erwachsene, die am leerstehenden Güterbahnhof die Reifen ihrer Autos durchdrehen lassen, ein Fußballspiel, bei dem die Polizei eingreifen muss und ein Teenager, der sagt „Offenbach ist schlimm. Hier ist Drogen, Alkohol, Schlägereien, alles.“ Von Steffen Müller

Dazu die Stimme des Sprechers, der Offenbach als „die kleine schmuddelige Schwester von Frankfurt“ bezeichnet. Die Einleitung der ZDF-Doku „Zwischen Äppelwoi und Döner“, in der in Offenbach lebende Türken vorgestellt werden, greift ein von Medien gerne genutztes Bild der Lederstadt auf: kriminell, asozial, heruntergekommen. Dabei will der Film laut ZDF-Ankündigung „einen Ausschnitt der Einwanderungskultur in Offenbach“ zeigen. „Der Eindruck entstand, Offenbach bestünde nur aus Kriminalität und Drogensumpf, sei ein bisschen das Ghetto für das ach so glitzernde Frankfurt“, schreibt uns ein Leser. „Fand die Sendung gar nicht mal so schlecht, was mir gefehlt bzw. was mich gestört hat, war, dass man nichts vom Miteinander zwischen Deutschen und Türken gesehen hat, daher etwas einseitige Berichterstattung“, kommentiert Monika Heeb auf unserer Facebook-Seite.

Auch bei der Stadt zeigt man sich von dem Beitrag nicht sehr angetan. Pressesprecher Fabian El Cheikh kritisiert: „Der Film bedient sich klischeehafter Bilder und plakativer Gegensätze, die die vielfältige Realität in Offenbach ausblenden. Von einem sozialen Brennpunkt und einer schmuddeligen Stadt zu sprechen, ist ein völlig falsches Bild Offenbachs, das fast schon auf eine Beleidigung unserer Einwohner hinausläuft. Es wird ein Bild gezeigt, das kaum der wirklichen Lebenswelt Offenbachs als Ganzes nahekommt.“

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Tatsächlich ist die Dokumentation voller Klischees. „Mein Land, dein Land“ erweckt den Eindruck von einer Parallelgesellschaft in Offenbach, von hier lebenden Türken, die mit ihren deutschen Mitbürgern kaum Kontakt haben und unter sich bleiben wollen. Beispiele von gelungener Integration kommen viel zu kurz. Nur am Fall der 23-jährigen Gülsah Cakir wird Bezug genommen auf die Emanzipation von strengen muslimischen Werten. Im Kontext der anderen Beiträge wirkt Gülsah, die am liebsten in türkischen Clubs feiern geht, wie eine Ausnahme, wenn sie sagt, dass sie sich das Recht nimmt, sich als Deutsche zu fühlen. Schließlich sei sie in Offenbach geboren und aufgewachsen.

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Bei den restlichen Protagonisten kommt das Thema Integration nicht zur Sprache: Die türkische Familie mit klarer Rollenverteilung, bei der die Eltern seit über 40 Jahren in Offenbach leben und kaum Deutsch sprechen, die türkischen Fußballspieler, die ihre Emotionen nicht im Griff haben und ihre Freizeit unter sich in Shisha-Bars verbringen, Eltern, die mit großem Brimborium das Beschneidungsfest für ihren siebenjährigen Sohn feiern. Ob gerade die jungen Leute Kontakt zu Deutschen haben und bestens integriert sind, wird nicht behandelt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Offenbach im Fernsehen auf einen sozialen Brennpunkt reduziert wird. „In der Heimatstadt des Gangsta-Rappers Haftbefehl gehört auf dicke Hose machen zum guten Ton“, heißt es in einem Beitrag von Spiegel-TV, der eigentlich die Situation von überfüllten Freibädern beleuchten wollte. Comedian Olli Schulz bezeichnet die Stadt als „Ghetto“ und lässt sich von jenem Haftbefehl nur die tristesten Ecken Offenbachs zeigen. Am schönen Wilhelmsplatz geht die Führung gar nicht erst vorbei.

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