Vancouver - Der Kampf gegen Doping wird bei den Olympischen Winterspielen vom 12. bis 28. Februar in Vancouver weiter verstärkt. So soll der Doping-Sumpf trockengelegt werden:
Eine drastisch erhöhte Zahl von Kontrollen, drohende Razzien und ein hypermodernes Analyselabor sollen vier Jahre nach dem Skandal um Österreichs Skilangläufer und Biathleten sowohl vor dem Sportbetrug abschrecken als auch ihn aufklären helfen. Im Vergleich mit Turin 2006 wird der Umfang der Tests um knapp 70 Prozent auf rund 2000 Kontrollen erhöht: 1600 auf Urin und 400 auf Blut. Für die Paralympics (12. bis 21. März) sind weitere 425 Probenahmen geplant.
Außerdem werden die Proben, wie bereits die der Peking-Spiele, acht Jahre lang aufbewahrt, um sie nachträglich mit neueren wissenschaftlichen Verfahren auf zunächst unentdeckte Doping-Mittel untersuchen zu können. In Turin 2006 war nur die russische Biathletin Olga Pylewa bei einer Kontrolle positiv getestet worden, während es vier Jahre zuvor in Salt Lake City sieben direkt des Dopings überführte Athleten gegeben hatte. Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), erwartet, dass es in Vancouver “vier bis fünf positive Doping-Fälle“ geben könnte.
Ausgelöst wurde der Österreich-Skandal durch Polizeirazzien in Quartieren - die ersten in der Olympia-Geschichte. “Wir werden auch wieder um Unterstützung durch die örtlichen Behörden bitten, wenn wir einen Verdacht hegen“, kündigte Rogge vor den Vancouver-Spielen an.
Kanada lässt sich den Anti-Doping-Kampf einiges kosten. Allein der Bau des neuen Analyselabors mit neuesten Messgeräten am Rand der olympischen Eisschnelllaufbahn in Richmond hat rund 11 Millionen Euro verschlungen. “Von Anfang an ist es unser Ziel gewesen, Gastgeber von dopingfreien Spielen zu sein“, sagte Cathy Allinger, Vizepräsidentin des Organisationskomitees (VANOC). Die Blut- und Urin-Analysen sollen auch in schwierigsten Fällen nach spätestens 72 Stunden vorliegen, in der Regel schon nach 48 Stunden.
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) glaubt, dass deutsche Sportler vor Vancouver kaum Schlupflöcher im Kontrollnetz finden werden. “Wir haben eine Dichte der Tests, die nicht mehr zu steigern ist“, erklärte NADA-Vorstandsvorsitzender Armin Baumert. Die Olympia- Kandidaten und -Nominierten würden genauso intensiv per intelligenter Zielkontrolle getestet wie vor den Peking-Spielen 2008.
Während die NADA die deutschen Athleten gut kontrolliert und mit den Doping-Bestimmungen konform wähnt, gibt es Zweifel, ob dies auch bei Sportlern anderer Länder immer der Fall ist. “Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking fehlten von etwa fünfzig Prozent der Athleten die Meldungen für die Doping-Trainingskontrollen“, sagte Baumert. “Ich bin gespannt, ob das in Vancouver anders sein wird.“
dpa
Rubriklistenbild: © dpa


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