Aufklären und belohnen

Kommentar zur Zuckersteuer

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Dass zu viel Zucker ungesund ist – dass Übergewicht ein wachsendes gesellschaftliches Problem ist, weiß – hoffentlich – jeder inzwischen. Starkes Übergewicht fördert etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bis hin zur Demenz. Von Peter Schulte-Holtey 

Und weil Süßigkeiten und gesüßte Getränke trotzdem verlockend sind, erheben bereits mehrere Länder in Europa Steuern darauf. Der Staat will so seine Bürger gesünder machen – und profitiert von den Einnahmen. Sollte Deutschland einen ähnlichen Weg gehen? Kinder- und Jugendärzte sagen „Ja“. Ihr Verband fordert jetzt vehement die Einführung einer Zuckersteuer auf Limonaden und Softdrinks.

Auf den ersten Blick klingt die Forderung plausibel. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat ja vor kurzem berichtet, dass mehr als jeder zweite Softdrink in Deutschland überzuckert sei. Nach dem Ergebnis einer Studie enthalten 274 von insgesamt 463 untersuchten Produkten (59 Prozent) mehr als fünf Prozent Zucker. In 171 Produkten (37 Prozent) stecken sogar mehr als acht Prozent Zucker, also sechseinhalb Stücke Würfelzucker pro 250 Milliliter. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, 25 Gramm Zucker pro Tag in verarbeiteten Lebensmitteln nicht zu überschreiten.

Andererseits hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Einführung von Verbrauchssteuern nicht wirklich dazu geführt hat, das Verhalten der Menschen zu ändern. Trotz permanenter Erhöhung der Tabakpreise, hat dies nicht dazu geführt, den Tabakkonsum entscheidend zu senken. Und ist der Verbraucher ein solch unmündiges Wesen, dass Vater Staat jetzt auch noch – mittels Preisschraube – darüber entscheiden soll, was konsumiert wird? Essen und Trinken sollte Privatsache bleiben – auch wenn der Einzelne mit dieser Freiheit nicht vernünftig umgehen kann.

Süßstoff wie jeder andere? Das Stevia-Wunder blieb aus

Richtig ist eine Debatte aber allemal, weil es riskant ist, ungesund zu leben für den einzelnen und für die Gemeinschaft. Aufklärung ist also wichtiger denn je. Wohlstandskrankheiten verursachen ja immense Kosten. Beispiel Diabetes: Zu 50 Prozent hat die Zuckerkrankheit genetische Ursachen. Ob und wann sie ausbricht, ist eine Frage der Lebensführung. Risikopatienten müssen lernen, dass sie die Verantwortung nicht einfach beim Doktor abladen können.

Daher sollte das Gesundheitssystem in viel größerem Umfang diejenigen belohnen, die gesund leben, die zum Beispiel intensiv einer sportlichen Betätigung nachgehen. Die Möglichkeiten von Beitragsrückerstattungen in den gesetzlichen Kassen müssen viel deutlicher ausgebaut werden.

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