Gleichstellung des Islam

Wer bietet mehr?

Vier Millionen in Deutschland lebende Muslime wollen auch als (potenzielle) Wähler umarmt sein. Die noble Ihr-gehört-dazu-Geste des Bundespräsidenten Wulff den Migranten gegenüber hat bei Grünen und SPD deshalb keineswegs nur Glücksgefühle ausgelöst. Von Georg Anastasiadis

Immerhin ist Wulff im Nebenberuf auch CDU-Politiker, und mit Sorge betrachtet Rot-Grün schon seit geraumer Zeit die Anstrengungen der Kanzlerin, ihre Partei auch für Zuwanderer wählbar zu machen. Nach einer fünftägigen Schrecksekunde haben Grüne und SPD den Überbietungs-Wettkampf jetzt aufgenommen. Beide fordern, der deutsche Staat müsse den Islam als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anerkennen. Das könne, sagen sie, Muslimen das Gefühl vermitteln, in Deutschland willkommen zu sein.

Nur: Welche Art von Muslimen soll – wenn die Gegenfrage überhaupt noch erlaubt ist – der alteingesessenen Bevölkerung willkommen sein? Was ist der Islam überhaupt? Sprechen wir vom türkischen Alevitentum mit seiner vergleichsweise toleranten Glaubensauslegung? Oder von den Muslimbrüdern, einer fundamentalistischen Richtung innerhalb des Islam? Es gibt den Islam nicht, es gibt keine gemeinsame verbindliche Auslegung des Glaubens, und erst recht gibt es keine formale Mitgliedschaft der Gläubigen wie bei den christlichen Konfessionen, mit denen Grüne und SPD den Islam gerne gleichstellen würden.

Beide werden, bei aller Liebe zu den Migranten, kaum ernsthaft Gruppierungen unter den besonderen Schutz des deutschen Staates stellen (und in den Genuss von steuerlichen und anderen Privilegien bringen) wollen, die Frauen unterdrücken und Steinigungen befürworten. @leserbriefe@op-online.de

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