Von Tätern und Opfern

Kommentar: Gabriels Deutsche-Bank-Schelte

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Muss ein Wirtschaftsminister immer auch Diplomat und Wirtschaftsförderer sein? Während Deutsche Bank-Chef John Cryan in den USA über die Höhe der Strafe für zweifelhafte Hypothekengeschäfte seines Instituts verhandelt, hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Klappe nicht halten können und das Gebaren des einstigen Vorzeigeinstituts kritisiert. Von Frank Pröse

Wie nicht anders zu erwarten, empört sich zunächst die Union, dass es nicht zu Gabriels Aufgaben gehöre, einzelne Marktteilnehmer schlechtzureden. Doch auch aus dem eigenen Stall wird der Vizekanzler hart angegangen: Solche Äußerungen würden den Beschäftigten nicht helfen, die Bank brauche jetzt Ruhe, hieß es aus dem Präsidium des SPD-Wirtschaftsforums. Viel gespielte Aufregung um nichts, hatte Gabriel während seiner Reise in den Iran ja nur kritisiert, was jeder weiß: „... dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt.“ Deutschland brauche die Deutsche Bank, um als Exportnation seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gerecht zu werden, heißt es prompt aus der Union. Nur verkennen die Herrschaften, dass diese Prämisse mit dem Verlust an Reputation sukzessive ihre Gültigkeit verliert.

Rechtlich und ethisch einwandfreie Geschäfte hatte Josef Ackermann propagiert, als erste miese Beifänge des Ausbaus zur global agierenden Investmentbank ruchbar wurden. Doch der hehre Ansatz wurde von jedem Geschäft mit dem Risiko geschreddert. Dabei waren Chancen und Risiken zulasten der Kundschaft verteilt. Hochspekulative Wetten sind den Deutschbankern deshalb letztlich vor Gericht auf die Füße gefallen. Vergleiche außerhalb des Gerichtssaals sollen weitere schlagzeilenträchtige Verurteilungen vermeiden. Viele Fälle falscher Beratung und utopischer Prognosen mit Milliardenschäden für die Kundschaft sind bekannt geworden. Ausbaden müssen es beispielsweise bei den Zinswetten mit etwa 200 Kommunen auch die Steuerzahler, also jene, die zur Abwendung des Finanzkollapses schon einmal hart rangenommen wurden.

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Die jüngere Geschichte der Bank ist von Strategiewechseln, von Korruptionsvorwürfen, ruinösen Geschäften, von Tausenden von Verfahren unter anderem mit Auftritten des Top-Managements vor Gericht geprägt. Es dürfte nur wenige anrüchige Finanzgeschäfte geben, an denen die Deutsche Bank nicht beteiligt war. Wenn Union und Wirtschaftslobbyisten nun meinen, diese Bank zu benötigen, so sollen sie nach Wegen suchen, dieses Wettbüro zu finanzieren. Die Steuerzahler verweigern sich mit gutem Recht und danken Gabriel für dessen Schelte. Wer das als Amtsmissbrauch kritisiert, es aber gutheißt, dass die Kanzlerin einem Vorstandsmitglied der Bank auf Steuerzahlers Kosten eine Geburtstagsparty ausrichtet, der lebt in der verkehrten Welt.

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