Politiker nehmen Kliniken ins Visier

Kein Pardon mehr bei der Hygiene

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Offenbach - Keime, die resistent gegen Antibiotika sind, gefährden Patienten in deutschen Kliniken weit stärker als bisher angenommen. Studien gehen von zehntausenden Todesfällen jährlich aus. Politiker fordern entschiedenere Gegenmaßnahmen. Von Peter Schulte-Holtey

Hygiene in Krankenhäusern muss noch erheblich verbessert werden. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht von 30.000 Todesfällen jedes Jahr durch Infektionen aus, oft verursacht durch resistente Keime. Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, fordert nun „mehr unangemeldete Hygienekontrollen in Kliniken“.

Gefordert seien die Aufsichtsbehörden der Länder und Kommunen. Laumann sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Klinikleitungen müssen wissen: Sie haben die Verantwortung für die Patienten und müssen für ein sauberes Krankenhaus sorgen. Und wenn die Krankenhäuser die Reinigung outgesourct haben, haben sie damit nicht die Verantwortung abgegeben.“ Schwarze Schafe müssten früher gefunden werden. Laumann: „Ich möchte, dass die Meldepflichten für bestimmte Infektionen geändert werden, um diese schneller erfassen und gegen sie vorgehen zu können.“

Qualitätsinstitut soll für Transparenz sorgen

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese befürwortet eine „Hygieneampel für Krankenhäuser“. Wenn die im Nahrungsmittelbereich gefordert werde, wo „eine Verunreinigung nicht gleich Lebensgefahr bedeutet“, sei sie in Kliniken überfällig. „Dinge, die direkten Einfluss auf Leben oder Tod haben“, gehörten veröffentlicht. Laumann ist aber skeptisch: „Ich bin mir nicht sicher, ob die Hygieneampel das richtige Instrument ist. Für mich ist allerdings klar: Wir brauchen mehr Hygiene, mehr Qualität und mehr Transparenz. Darum wollen wir mit dem derzeit im Bundestag debattierten Versorgungsstärkungsgesetz auch ein Qualitätsinstitut schaffen. Dieses soll als unabhängige Instanz für mehr Transparenz sorgen, indem es Daten sammelt, auswertet und in für jedermann leicht verständlicher Form veröffentlicht.“

In den hessischen Kliniken soll jetzt gezielt gegen Krankenhauskeime vorgegangen werden. Eine gemeinsame Initiative dazu ist bereits von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und der Hessischen Krankenhausgesellschaft angekündigt worden. Systematisch erfasst werden sollen Daten über die multiresistenten „4MRGN-Erreger“. Da diese auch von Patienten von außen ins Krankenhaus mitgebracht werden könnten, werde geprüft, wo sie herkämen und inwieweit die Wege der Übertragung nachzuvollziehen seien, hieß es. Geprüft werde aber auch, wie das Krankenhaus damit umgehe. Bei Auffälligkeiten wird die Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen (GQH) Kontakt mit der jeweiligen Klinik aufnehmen.

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