Konservative stoppen Boris Johnson

Kommentar: Mr. Brexit ausgebootet

Wohl jeder bringt das Brexit-Referendum mit dem wuschelig-blonden Boris Johnson in Verbindung. Von Frank Pröse 

Der frühere Londoner Bürgermeister war mehr noch als der langjährige Anti-EU-Kämpfer Nigel Farage das Gesicht der Austritts-Kampagne - und nach deren Erfolg heißer Favorit für die Nachfolge von Premier David Cameron.

Doch Johnson traut sich überraschend nicht, als Kandidat der Konservativen anzutreten. Er weiß, dass er seine auf Ressentiments und Halbwahrheiten fußenden Versprechungen wird nicht einlösen können. Das Chaos, das er in ganz Europa angerichtet hat, es sollen andere verwalten. Mr. Brexit will sich nicht die Hände schmutzig machen, verkrümelt sich lieber in einer hinteren Reihe. Das passt wieder zu den vergangenen Tagen ungewohnter Wortkargheit, die ihren Ursprung darin haben könnten, dass Johnson und Farage der Wählertäuschung überführt wurden. Außerhalb des auf eine Regierung gerichteten Scheinwerferlichts lässt´s sich eben leichter lügen…

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Doch halt! Die Verurteilung Johnsons als feiger Populist, der jetzt die Hose runterlassen musste und so entkleidet chancenlos war, liegt zwar auf der Hand. Zur Wahrheit gehört aber: Ursprünglich hat Premier Cameron das Debakel angezettelt. Johnson ist auf den Zug nur aufgesprungen. Und schließlich ist der begnadete Rhetoriker clever genug, aussichtslose Bewerbungen gleich ganz zu lassen. Schon hatte sich unter der Losung „ABB - Anyone But Boris“ (Jeder außer Boris) innerparteilicher Widerstand gegen Johnson formiert. Seiner Partei war er dann letztlich doch zu polarisierend, weshalb sie auch gleich aussichtsreiche Gegenkandidaten aufstellte.

Johnson hat keine Chance auf einen Wahlerfolg, deshalb ist sein Verzicht nur konsequent. Wie viel Feigheit in seiner Absage steckt, ist unerheblich. Die eigene Partei hat verhindert, dass ein Populist und Ideologe Hausherr in Downing Street 10 wird. Die Briten sollten den Konservativen dankbar sein.

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