Familienpolitik und Kinderarmut

Kommentar: Ziemlich arm dran

Es wird also höchste Zeit, dass Wohlfahrtsverbände erneut lautstark auf die vielen Schieflagen aufmerksam machen. Von Peter Schulte-Holtey

Sie kritisieren unter anderem zu Recht, dass Gutverdiener durch Steuerentlastungen pro Kind bis zu 277 Euro im Monat erhalten, während Normalverdiener 190 Euro und Hartz-IV-Empfänger gar kein Kindergeld bekommen, da die Leistung verrechnet wird. Staatliche Leistungen sollen doch die Ungleichheit mildern und nicht verstärken!

Was richtig zornig macht: Erneut müssen Familien mit Kindern bei Vater Staat um mehr Unterstützung in Zeiten steigender Mieten und Abgaben betteln. Dabei ist die finanzielle Unterstützung für Kinder gar nicht ins Belieben des Gesetzgebers gestellt. Jürgen Borchert, Darmstädter Sozialrichter und Politikberater, liest den Politikern doch regelmäßig die Leviten und erklärt: „Das Kindergeld ist kein Geschenk des Staates, sondern zu größten Anteilen die Rückgabe von Diebesgut, nämlich die verfassungswidrige Besteuerung von Familien.“ Allein über Renten-, Pflege- und Krankenversicherung werden jährlich 120 Milliarden Euro von Familien hin zu Kinderlosen verteilt. Familien würden in diesem System überproportional zur Kasse gebeten, sagt der Jurist. Und es stimmt; die großen Nachteile werden auch durch Staatsleistungen wie Elterngeld oder Kindergeld bislang nicht ausreichend mittels Steuerentlastungen ausgeglichen.

Sozialverband: So viel Arme in Deutschland wie noch nie

Es scheint, als würde die Regierung das Thema Kinderarmut konsequent vernachlässigen. In Zeiten des demografischen Wandels steht die Zukunft der Gesellschaft dadurch auf sehr wackeligen Beinen.

Zukunftsforscher fordert neue Reichtums-Definition

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