Illegales Glücksspiel wuchert

Kommentar: Illegales Glücksspiel wuchert

Offenbach: Wer mit der Nase ganz nahe ran geht, erschnüffelt am klassischen Lottoschein das Aroma des Spießbürgerlichen. Oder anders: Internet duftet nach Freiheit, nach Grenzenlosigkeit und dem sorglosen Hipstertum der Generation Lederslipper. Von Eva-Maria Lill

Eva-Maria Lill

Aber auch jung und unbeschwert braucht Sicherheit. Gerade weil Geld per Mausklick schneller vom Konto purzelt als per Griff ins Portemonnaie, müssen risikoreiche Märkte besser kontrolliert werden – wie das Glücksspiel eben. Im Internet-Paradies hängen Freilose und Sofortgewinne an jedem Popup-Baum. Schnell mal hier ein paar Cent, dort zwei, drei Euro – und auf dem Einarmigen Banditen rumpeln Gitterstäbe. Sucht ist keine Erfindung des Online-Jahrhunderts, aber eine Dauer-Diagnose der digitalisierten Zeit. Sich und alles verlieren macht weniger Angst, wenn zwischen Welt und Bankrott noch ein Bildschirm flackert. Innenminister Peter Beuths Vorschlag, Online-Zocken weiter zu legalisieren, ist der einzig richtige Schritt hin zu mehr Transparenz. Denn Verbote haben im Gestrüpp des Netzes sowieso begrenzte Haltbarkeit. Also lieber aggressiv erlauben, als ohne Chance verweigern.

Trotzdem gilt: Nur, weil auf einmal offizielle Logos prangen und Steuergelder von Kontos fließen, beschneidet das keinesfalls die Verlockungen des (illegalen) Reichtums. Wieso Lotto spielen, wenn’s da draußen Systeme gibt, die statt 1:140 Millionen eben 1:Sie-haben-jetzt-gewonnen bieten? Neue Anreize müssen geschaffen werden, um den 6-aus-49-Oldie zu entfalten. Und Gesetze müssen her, die Online-Gewinnsummen eindämmen. Die klar machen: Wer illegal zockt, ist selbst schuld. Denn ob der Algorithmus lügt, weiß am Ende erst der, der über lange Nasen stolpert.

Illegales Glücksspiel und Manipulationen: Bilder zu Kontrollen vom Ordnungsamt

Ansonsten: Aufklärung leisten. Wer weiß schon genau, wie Lotto, Casino, Kneipe, Glücksspielstaatsvertrag und Komitee zusammenhängen? Zumal EU, Beuth und Sportlizenzen in den vergangenen Monaten einen Informations-Wirrwarr der ganz dichten Sorte hinterlassen haben. Das Thema Glücksspielstaatsvertrag lässt sich kaum mit journalistischer Machete stutzen. Wie soll’s da der Risiko-Zielgruppe gehen, für die ein Klick schnell zum Schuss wird?

Also: Was für die Vergabe von Konzessionen gilt, gilt auch für illegales Internet-Zocken: Wenn jeder Durchblick hat, ist irgendwann automatisch Schluss mit Ausrede.

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