Falsche Propheten

Kommentar zum Katholikentag in Leipzig

+
Frank Pröse

Ja, die Verweigerung eines Dialogs kann auch ein Zeichen von Schwäche sein. Es war oft in den vergangenen Monaten zu hören: Mit dem Gegenpart müsse man zumindest dann reden, wenn man die Chance ergreifen wolle, ihn zu überzeugen oder wie in diesem Fall der Demagogie und des Populismus zu überführen. Von Frank Pröse

Gleichwohl gibt es einen Haken; dann nämlich, wenn das Gegenüber vor allem Emotionen bedient. An dieser Taktik prallt eine faktentreue und realitätsnahe Argumentation regelmäßig ab. Mit ihrer Propaganda negiert die AfD die Wahrheit, im Programm greift sie gar äußerst plump wissenschaftliche Erkenntnisse an. So etwas hemmt allgemein die Lust auf Dialog. Die katholische Kirche stört sich konkret an menschenfeindlichen Formulierungen, daran, dass sich die neuen Rechten vehement auf das christliche Abendland berufen und dabei nicht Menschenwürde, Solidarität und Mitleid meinen, sondern auf massive Ab- und Ausgrenzung von anderen setzen. Die Kirche könnte versuchen, auf dem Pfad der Nächstenliebe den falschen Propheten christlicher Kultur im Diskurs den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Sie würde scheitern. Also stellt sie sich der AfD-Spitze entgegen. Deren Ausschluss vom Katholikentag erfolgt vielleicht auch eingedenk der historischen Sünden der Kumpanei mit Autokraten und Diktatoren. Da reißt denn auch mal der Gesprächsfaden. Aber es ist eben nicht Aufgabe der Kirche, jederzeit das Gespräch aller mit allen zu organisieren. Sie soll Orientierung geben. Und das kann auch mit dem Ausschluss vom einem Familientreffen funktionieren, an dem Zöllner und Prostituierte sehr wohl teilnehmen dürfen.

Kommentare