Machtlosigkeit und Entsetzen

Kommentar zum Terror in Deutschland

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Kommt der Terror nun nach Deutschland? Viele Menschen stellen sich diese Frage – nach der blutigen Attacke eines jungen Afghanen in einem Zug bei Würzburg. Überall ist es zu spüren, dass die Besorgnis wächst. Von Peter Schulte-Holtey 

Wir sind traurig, schockiert und wütend; auch der jüngste Angriff galt nicht Symbolen der westlichen Welt, sondern bewusst unbeteiligten Menschen. Natürlich muss jetzt auch über Verbesserungen bei der inneren Sicherheit nachgedacht werden. Und erneut werden sich dabei wichtige Fragen stellen, wie viele Bürgerrechte die Menschen bereit sind aufzugeben – wie viele Polizisten wir uns leisten wollen, um in Sicherheit zu leben. Die Diskussion darüber, ob wir einen Masterplan – ein neues Anti-Terrorpaket – in Deutschland brauchen, muss jetzt von den etablierten Parteien geführt werden; es geht ja auch darum, das Feld nicht den Populisten und Rassisten zu überlassen, die jetzt wieder mit dem Finger auf „die“ Flüchtlinge zeigen.

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Dabei gilt die Erkenntnis aus Debatten der Vergangenheit: Neue Gesetze allein werden gewaltbereite Sympathisanten nicht von Terrortaten abhalten. Der Hydra wachsen ja immer wieder neue Köpfe; inzwischen ist ja von in kürzester Zeit selbstradikalisierten Attentätern die Rede. Die wirkliche Herausforderung für unsere Gesellschaft ist eine Antwort darauf, wie man vor allem junge Menschen davor bewahrt, auf Rattenfänger aller Art hereinzufallen und ihnen zu folgen. So sollten auch die Verantwortlichen in den muslimischen Gemeinden und Verbänden in Rhein-Main viel stärker in die Pflicht genommen werden. Sie sollten entschiedener öffentlich Stellung beziehen – gegen die fanatischen Hetzer, die zu Gewalt gegen sogenannte Ungläubige aufrufen und anderweitig verfassungsfeindliche Positionen vertreten.

Es gibt sicherlich weitere Ansätze für den Antiterrorkampf in Europa. An unserer grundsätzlichen Ohnmacht ändert dies allerdings wenig. Denn der Terror hat keine eigene Vernunft, deswegen ist er auch so unsagbar schwer zu verhindern.

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