Einsamkeit ausgenutzt

Kommentar zum Thema Telefonbetrug

Dass sich Täter als Polizeibeamte ausgeben und vorgeben, dass Vermögen der Opfer sei in Gefahr und müsse schnellstmöglich an die Polizei übergeben werden, ist nicht neu. Von Peter Schulte-Holtey 

Aber wie besonders skrupellos manche Mitmenschen auch sein können, zeigen jetzt Betrugsfälle, die vom Bundeskriminalamt (BKA) öffentlich gemacht werden. Die Kriminellen geben sich dabei als BKA-Beamte aus und setzen die Angerufenen - meist Ältere - unter Druck, um Zugriff auf Konten oder Bargeld zu erschwindeln. Mit technischen Tricks gelingt es ihnen, dass auf dem Display der Opfer die Rufnummer des BKA zu sehen ist.

Auf das Geld alter, einsamer Menschen hat es inzwischen eine ganze „Betrugs-Industrie“ abgesehen. Es gibt zwar auch legale Unternehmen, die am Telefon beispielsweise Telefonverträge anbieten, doch vielen Senioren wird ihr Vermögen von betrügerischen Firmen mit zweifelhaften Methoden entlockt. Dabei nutzen die Betrüger zwei Erfahrungen, die Verbraucherschützer regelmäßig bestätigen, immer wieder schamlos aus: Manche Ältere sind in geschäftlichen Dingen nicht mehr so kritisch wie Jüngere. Senioren, die sich auf ein verfängliches Telefongespräch einlassen, ist oft nicht klar, dass sie mit einem simplen „Ja“ am Telefon möglicherweise bereits einen Vertrag abgeschlossen haben. Hinzu kommt, dass sich Senioren oft sehr allein fühlen. Und Einsamkeit macht empfänglich für jede Form der Zuwendung.

Wer sich die zunehmende Hemmungslosigkeit der Kriminellen genauer anschaut, muss zum Schluss kommen: Kinder und Enkelkinder sind beim Blick auf ihre Eltern vermehrt in der Pflicht. Vor allem ihre Aufgabe ist es, hinzuschauen, aufzuklären und zuzuhören; bevor es zu spät ist und die Betrüger sich wieder ins diebische Fäustchen lachen.

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