265 Tote bei Aufstand, 2745 Richter abgesetzt

Nach Türkei-Putsch: Massen demonstrieren für Regierung

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Menschen gingen am Samstag in Istanbul auf die Straße, um nach dem gescheiterten Putschversuch von Teilen des Militärs für die Regierung in Ankara zu demonstrieren.

Ankara - Beim Putschversuch in der Türkei sind offenbar mindestens 265 Menschen ums Leben gekommen. 2745 Richter wurden mittlerweile abgesetzt. Präsident Erdogan spricht von einem "Segen Gottes". Alle Entwicklungen im vom Freitag und Samstag im News-Ticker zum Nachlesen.

  • In der Türkei ist es durch Teile des Militärs zu einem Putsch gekommen. Dabei gab es mindestens 265 Tote und mehr als 1000 Verletzte. 2839 Militärangehörige wurden als mutmaßliche Putschisten festgenommen, 2745 Richter abgesetzt.
  • In der Stadt Ankara und Istanbul lieferten sich Militär und Polizei Gefechte - Militär-Jets und Hubschrauber waren im Einsatz.
  • In einem Statement verkündete das Militär zunächst die Machtübernahme. Am frühen Samstagmorgen scheint die Regierung die Lage aber wieder unter Kontrolle zu haben.
  • Präsident Erdogan kündigte Vergeltung an. Er machte den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Der bestreitet das.
  • Internationale Regierungschefs reagierten besorgt und verurteilten die Gewalt in der Türkei.

  • Was wir wissen und was nicht 

UPDATE: Wie geht es in der Türkei nach dem Putschversuch weiter? Alle Informationen dazu finden Sie in unserem News-Ticker vom Sonntag

Der News-Ticker von Freitag und Samstag zum Nachlesen

+++ Nach dem abgewendeten Putschversuch in der Türkei haben sich am Samstagabend tausende Anhänger von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu einer Solidaritätsdemonstration in Istanbul versammelt. Der Protest im Stadtteil Kisikli verlief friedlich. wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Erdogan wandte sich laut Staatsfernsehen in einer Ansprache an die Demonstranten. Istanbul ist eine Hochburg der Erdogan-Anhänger; der Staatschef war früher Bürgermeister der Millionenstadt am Bosporus. In Ankara versammelten sich Erdogan-Anhänger vor dem Parlament.

+++ Die Putschisten in der Türkei haben nach Angaben aus Regierungskreisen bereits mehr als 100 Posten in der geplanten Militärjunta an Mitstreiter vergeben gehabt. „Die Listen umfassten mehr als 100 Namen“, sagte ein Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, am Samstag. „Sie hätten Militärgouverneure für jeden Distrikt ernannt und die Chefs aller staatlichen Stellen ersetzt.“

Das unmittelbare Ziel der Putschisten sei gewesen, strategisch wichtige Stellen wie die Bosporusbrücke oder den Taksim-Platz in Istanbul unter Kontrolle zu bringen. „In Ankara haben sie versucht, den Präsidentenpalast, das Amt des Ministerpräsidenten, den Geheimdienst MIT und das Parlament zu stürmen.“ Sie hätten auch versucht, die Satelliten-Infrastruktur zu sabotieren.

+++ Hat Erdogan den Putsch in der Türkei selbst inszeniert? Diese Theorie deutet der renommierte Islamwissenschaftler Udo Steinbach in einem Interview an.

+++ Nach dem Putschversuch hat die Türkei den auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der südlichen Provinz Adana abgeriegelt. Wie das US-Konsulat am Samstag mitteilte, wurde die Energieversorgung unterbrochen, der Zugang zur Basis und auch das Verlassen des Stützpunktes wurden aus Sicherheitsgründen untersagt. Auf der Basis haben mehrere Länder, darunter Deutschland, Verbände stationiert, die sich am Kampf gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien beteiligen.

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Putschversuch in der Türkei „aufs Schärfste“ verurteilt.  „Es ist tragisch, dass so viele Menschen diesen Putschversuch mit dem Leben bezahlt haben. Das Blutvergießen in der Türkei muss jetzt ein Ende haben“, sagte Merkel am Samstag in Berlin. „Es ist und bleibt das Recht des Volkes, in freien Wahlen zu bestimmen, wer es regiert. (...) Panzer auf den Straßen und Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung sind Unrecht“, erklärte sie weiter.

+++ Das Auswärtige Amt rät Deutschen in Ankara und Istanbul trotz Beruhigung der Lage weiter zu „äußerster Vorsicht“.  Dies gelte nach dem Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „bis zur vollständigen Klärung der Lage“, teilte das Amt am Samstag in Berlin mit. Vorsichtig sollten Reisende vor allem auf öffentlichen Plätzen und in Menschenansammlungen sein. Im Zweifelsfall werde geraten, in sichere Wohnungen und Hotels zurückzukehren. Aus anderen Teilen des Landes, insbesondere von der Mittelmeerküste, würden keine besonderen Ereignisse gemeldet.

+++ Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sind 2745 Richter in der Türkei abgesetzt worden. Zudem seien fünf Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte in Ankara vom Dienst entbunden, meldete Anadolu am Samstag. Gegen sie liefen Ermittlungen, hieß es zur Begründung.

+++ Die Regierung hat nach eigenen Angaben wieder die volle Macht im Land übernommen. Die Lage sei "vollständig unter Kontrolle", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Samstag. Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte die Bevölkerung auf, auf der Straße zu bleiben. Es müsse mit einem "Wiederaufflammen" des Aufstands gerechnet werden, warnte er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

+++ Türkische Soldaten, die offenbar am Putschversuch beteiligt waren, haben sich mit einem Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte umgehend die Auslieferung der acht "Verräter".

Erdogan: Putschversuch war "Segen Gottes" 

+++ Der Putschversuch sei „letztendlich ein Segen Gottes“,  sagt Erdogan. Er werde nun als Anlass dafür dienen, „dass unsere Streitkräfte, die vollkommen rein sein müssen, gesäubert werden“.

+++ Die Sitzung des Welterbekomitees der Unesco ist bis auf Weiteres ausgesetzt worden. Das teilte Unesco-Sprecher George Papagiannis mit. Eigentlich sollte am Samstag unter anderem entschieden werden, ob die Häuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung des Stararchitekten Le Corbusier zum Welterbe ernannt werden. Das Werk ist in diesem Jahr die einzige Nominierung mit deutscher Beteiligung. Wann die Sitzung fortgesetzt wird, war zunächst unklar. Die Beratungen sollten ursprünglich am Sonntag enden.

Am Freitag hatte die Unesco mehrere Stätten aus Europa und Asien zum Weltkulturerbe erklärt, darunter das antike Philippi in Griechenland. Insgesamt lagen der Kulturorganisation der Vereinten Nationen 27 Nominierungen vor.

+++ Als Reaktion auf den Putschversuch in der Türkei sind die Sicherheitsmaßnahmen auf der auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes verschärft worden. „Es handelt sich um eine routinemäßige, vorsorgliche Erhöhung der Bereitschaftsstufe zum Schutz der Soldaten“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die USA fliegen von Incirlik aus Luftangriffe gegen die Terrormiliz IS. Die Bundeswehr hat dort derzeit 240 Soldaten stationiert. Sie beteiligen sich mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen und einem Tankflugzeug am Kampf gegen die Islamisten.

Schulz begrüßt Rückkehr zur „Herrschaft des Rechts“

+++ Europaparlaments-Präsident Martin Schulz hat sich wie andere Politiker auch zu dem gescheiterten Putsch-Versuch geäußert. Er begrüßte die Rückkehr zur „Herrschaft des Rechts“.

+++ Derweil ist die Zahl der Toten auf 265 gestiegen. Bei 161 handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, wie es am Samstag aus Regierungskreisen in Ankara hieß.

+++ Unterdessen haben Lionel Messi und Andrés Iniesta ihre Teilnahme an einem Wohltätigkeitsspiel im türkischen Badeort Antalya abgesagt.

+++ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat für Samstagmorgen den Krisenstab der Bundesregierung in Berlin zusammengerufen.

+++ In der Türkei haben sich laut einem Medienbericht fast 200 unbewaffnete Putsch-Soldaten, die sich im Hauptquartier der Streitkräfte in Ankara verschanzt hatten, ergeben. Die Soldaten hätten sich den Sicherheitskräften gestellt, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Samstagmorgen. Zuvor hätten sie ihre Waffen niedergelegt.

Flüge gestrichen

+++ Wegen des Putschversuchs in der Türkei sind am Samstag am Münchner Flughafen einige Flüge der Airline Lufthansa mit dem Ziel- oder Abflugsland Türkei ausgefallen. Einem Sprecher des Flughafens zufolge waren bis zum Samstagnachmittag zunächst insgesamt vier Flüge mit den Zielen Bodrum, Izmir, Antalya und Istanbul sowie deren Gegenflüge betroffen. Auf der Homepage des zweitgrößten Flughafens in Deutschland hieß es: „Aufgrund der Ereignisse in der Türkei kann es zu Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr kommen.“ Andere Airlines sollten hingegen regulär fliegen. So waren nach Angaben des Flughafens etwa Flüge von Turkish Airlines nach Istanbul geplant. Was Urlauber jetzt wissen müssen, erfahren Sie hier.

+++ Bei Luftangriffen der Putschisten auf das Parlament in Ankara ist das Gebäude der türkischen Nationalversammlung stark beschädigt worden. Auf Fernsehbildern waren am Samstagmorgen Trümmer, zerborstene Scheiben und gravierende Schäden am Mauerwerk zu sehen. Aus Regierungskreisen hieß es, die Umstürzler aus der Armee hätten zuvor sowohl Hubschrauber als auch F-16-Kampfflugzeuge unter ihre Kontrolle gebracht.

Armeechef nach Geiselnahme befreit

+++ Türkische Sicherheitskräfte haben laut einem Fernsehbericht den von Putschisten festgehaltenen Armeechef Hulusi Akar befreit. General Akar sei an einen sicheren Ort gebracht worden, berichtete der private Fernsehsender CNN-Türk am Samstagmorgen. Demnach fand die Befreiung nach dem Putschversuch während eines Einsatzes am Luftwaffenstützpunkt Akinci nordwestlich der Hauptstadt Ankara statt. Medien hatten zuvor berichtet, Akar sei von den Putschisten als Geisel genommen worden.

+++ Bei dem Putschversuch in der Türkei sind nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mindestens 90 Menschen getötet worden. 1154 weitere Menschen seien verletzt worden, meldete Anadolu am Samstag. Es gab zudem Hunderte Festnahmen. Die Regierung bezeichnete den Versuch von Teilen des Militärs, die Macht an sich zu reißen, als gescheitert

+++ Der islamische Prediger Fethullah Gülen hat den Umsturzversuch verurteilt und die Anschuldigungen des mit ihm verfeindeten Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurückgewiesen. Er habe in den vergangenen Jahrzehnten selbst mehrere Militärputsche in seinem Heimatland miterleben müssen, daher sei die Behauptung, er sei in den Staatsstreich verwickelt, "besonders beleidigend", erklärte der in den USA lebende Geistliche in der Nacht zum Samstag.

"Ich weise solche Anschuldigungen kategorisch zurück", betonte Gülen. Er verurteile den Putschversuch "auf das Schärfste". Er bete dafür, dass sich die Lage in der Türkei schnell und friedlich kläre, fügte Gülen hinzu.

Tusk: Lage in Türkei „weit von Stabilisierung entfernt“

+++ EU-Kommissionspräsident Donald Tusk hat sich besorgt über den Putschversuch in der Türkei und die Konsequenzen geäußert. „Die Lage scheint unter Kontrolle, aber die Situation ist weit von einer Stabilisierung entfernt“, sagte Tusk am Samstag zum Abschluss des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. „Die Spannungen und die Herausforderungen in der Türkei können nicht mit Waffen gelöst werden“, sagte Tusk. „Ein Militärputsch hat keinen Platz in der modernen Türkei.“

+++ Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge hat General Ümit Dündar als neuer komissarisch das Kommando übernommen. Wo sich der bisherige Chef des Generalstabs Hulusi Akar aufhielt, war unklar. In der Nacht hatte der Ministerpräsident noch gesagt, Akar habe die Kontrolle und gehöre nicht zu den Putschisten.

+++ In Istanbul haben sich mehrere zunächst an dem Putschversuch beteiligte Soldaten offenbar ergeben. Im Fernsehen war zu sehen, wie einige an der Bosporus-Brücke von Polizisten abgeführt wurden. Auf der Brücke, die Asien und Europa verbindet, waren in der Nacht Panzer aufgefahren

+++ Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat alle Parteien für Samstagnachmittag zu einer Sondersitzung ins Parlament bestellt, wie Lokalmedien berichteten.

+++ Der Atatürk-Flughafen in Istanbul soll um 06.00 Uhr Ortszeit seinen normalen Betrieb wieder aufnehmen, wie es in einer Mitteilung der Fluggesellschaft Turkish Airlines bei der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hieß

Türkische Regierung: Putschversuch von Streitkräften abgewendet

+++ In der Türkei ist ein Putschversuch von Streitkräften gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach Angaben der Regierung abgewendet worden. „Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle“, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am frühen Samstagmorgen.

+++ Rund 2000 Demonstranten haben in der Nacht zum Samstag vor der türkischen Botschaft in Berlin gegen den Putschversuch in der Türkei protestiert. Die Demonstranten schwenkten türkische Flaggen, manche trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „Türkiye“ (Türkei). Vereinzelt wurde auch „Allahu akbar“ (Gott ist am größten) gerufen. Die Kundgebung sei friedlich verlaufen.

+++ CNN Turk berichtet unter Berufung auf Ministerpräsident Binali Yildirim, dass ein General, der zu den Putschisten gehörte, in der Nacht getötet wurde.

+++ Erdogan sagte, er sei vor seinem Flug nach Istanbul in Marmaris an der türkischen Ägäis-Küste gewesen. Unmittelbar nach seiner Abreise von dort hätten die Putschisten „diesen Ort leider genauso bombardiert“.

+++ Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte in der Nacht zu Samstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, mehr als 120 Putschisten seien festgenommen worden.

+++ Auch im Morgengrauen waren in Istanbul noch Schüsse und Explosionen zu hören.

+++ Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat das Militär nach Angaben aus dem Präsidialamt angewiesen, von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen. Kampfflugzeuge mit einem entsprechenden Auftrag seien von der Luftwaffenbasis Eskisehir abgehoben, hieß es aus dem Präidialamt.

+++ Nach einer zeitweisen Besetzung durch Putschisten hat der Sender CNN Türk die Berichterstattung wieder aufgenommen. Soldaten waren in der Nacht zu Samstag in das Redaktionsgebäude in Istanbul eingedrungen, und hatten die Mitarbeiter dazu gezwungen, den Sender zu verlassen.

+++ Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Bewegung des im US-Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch in der Türkei verantwortlich gemacht. „Das war die Parallelorganisation höchstpersönlich“, sagte Erdogan am Samstagmorgen in Istanbul. „Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen.“

+++ Der Journalist Emre Kzilkaya berichtet, er konnte aus dem Gebäude unversehrt entkommen, andere seien als Geisel zurückgeblieben. Ein Spezialeinsatzteam habe sich dem Gebäude genähert, als er geflüchtet sei.

+++ Laut Reuters sagte Erdogan nach seiner Ankunft: Wer für diesen Putsch verantwortlich ist, müsse dafür bezahlen.

+++ Der Journalist Emre Kzilkaya von Hurriyet postete dieses Foto bei Twitter und berichtet von einer Massen-Geiselnahme bei der Zeitung.

+++ Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist nach seiner Ankunft in Istanbul von zahlreichen Anhängern am Atatürk-Flughafen empfangen worden. Das berichtete der türkische Sender NTV.

+++ Im Online-Live-Stream von CNN Türk ist nach wie vor das leere Studio zu sehen, dazu viele Stimmen. Vorhin ein Geräusch, das nach einem Schuss klang, aber das ist nicht bestätigt.

+++ Angesichts des Putschversuchs in der Türkei hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die schnelle und friedliche Rückkehr zu ziviler Kontrolle und der verfassungsmäßigen Ordnung gefordert. Eine "militärische Einmischung in die Angelegenheiten eines Staates ist nicht akzeptabel", erklärte Ban am Freitag am UN-Sitz in New York. Er rief zu "Ruhe, Gewaltlosigkeit und Zurückhaltung" auf. Auch die Bewahrung von Grundrechten wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit sei in diesem "Moment der Unsicherheit" von "entscheidender Bedeutung".

Schüsse und Tumulte in CNN-Türk-Studio

+++ Aus dem Studio des Senders CNN Türk waren Schüsse und laute Tumulte zu hören. Der Kanal hatte das Programm zuvor schon eingestellt. Es war nur das leere Studio zu sehen.

+++ Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet: Zwei weitere Explosionen hätten laut Augenzeugen das türkische Parlament erschüttert.

+++ Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, ist es zu einem Feuergefecht zwischen Polizei und Militär auf dem Taksimplatz in Istanbul gekommen. Eine laute Explosion sei zu hören gewesen.

+++ In Berlin haben nach Polizeiangaben rund 3000 Demonstranten vor der türkischen Botschaft überwiegend gegen den Putschversuch in der Türkei protestiert. Am frühen Samstagmorgen habe die Nachricht die Runde gemacht, der Putschversuch von Teilen des Militärs sei womöglich niedergeschlagen worden, sagte ein Polizeisprecher. „Deshalb verlassen immer mehr Demonstranten den Platz.“ Vor der Botschaft waren nach Angaben eines dpa-Reporters viele türkische Flaggen zu sehen. Der Polizeisprecher sagte, die Demonstration sei zunächst störungsfrei verlaufen.

+++ Der Sender NTV berichtete, 13 Soldaten seien bei dem Versuch festgenommen worden, ins Präsidialbüro in Ankara einzudringen.

+++ Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist nach einem Bericht des Fernsehsenders NTV in Istanbul gelandet. Unklar blieb, woher Erdogan angereist war. Während des Putschversuchs hatte es aus dem Präsidialamt lediglich geheißen, der Präsident sei in der Türkei und in Sicherheit.

+++ Der Sender NTV berichtete, 50 Soldaten seien festgenommen worden. Auf Fernsehbildern waren Polizisten zu sehen, die Soldaten abführten.

Gülen distanziert sich von Putschversuch

+++ Die Bewegung des islamischen Predigers Fetullah Gülen hat sich von dem Militärputsch in der Türkei distanziert. "Wir verurteilen jede militärische Intervention in die Innenpolitik der Türkei", schrieb die Bewegung in der Nacht zu Samstag in einer Erklärung an die Nachrichtenagentur AFP. Seit 40 Jahren hätten Gülen und die Anhänger seiner Hizmet-Bewegung sich für Frieden und Demokratie eingesetzt, erklärte die Bewegung und wies damit Vorwürfe zurück, hinter dem Putsch zu stecken.

+++ Die Europäische Union steht hinter der demokratisch gewählten Regierung in der Türkei. „Wir rufen zu einer schnellen Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung auf“, hieß es am Samstag am Rande des Asian-Europa-Gipfels (Asem) in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator in einer Erklärung von EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Die Türkei ist ein wichtiger Partner der EU“, teilten beide darin weiter mit. „Die EU unterstützt voll die demokratisch gewählte Regierung, die Institutionen des Landes und die Rechtsstaatlichkeit.“ Die EU werde die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

+++ Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, in Istanbul seien sechs Zivilisten durch Schüsse getötet und fast hundert verletzt worden. Die Toten und Verletzten seien in ein Krankenhaus auf der asiatischen Seite der Stadt eingeliefert worden.

+++ Wie CNN Türk twittert, sei eine Gruppe Soldaten in dem Komplex gelandet, wo der Sender beheimatet ist. Sie hätten das Studio von CNN Türk betreten.

Sprecher: "Erdogan wird Statement zu dem Putschversuch abgeben"

+++ Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin sagte nach Angaben seines Büros: „Der Präsident wird in den nächsten Stunden ein Statement zu dem Putschversuch abgeben. Er beaufsichtigt die anhaltenden Bemühungen direkt.“ Kalin machte die Putschisten auch für die Explosion am Parlament in Ankara verantwortlich. „Indem sie das Parlament angegriffen haben, haben sie einen neuen Tiefstand erreicht.“ Weiter sagte Kalin: „Das Volk hat gezeigt, dass es solidarisch zur Demokratie und der gewählten Regierung steht. Diese Situation wird bald ein Ende finden.“

+++ Laut türkischen Offiziellen sei die Maschine von Präsident Erdogan in Istanbul gelandet. Das berichtet Reuters.

+++ Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte nach Angaben aus dem Präsidialamt, Armeechef Hulusi Akar habe die Kontrolle über die Streitkräfte.

Aus dem Präsidialamt hieß es, bei den Putschisten handele es sich „um eine kleine Gruppe“ von Offizieren aus der Gendarmerie und der Luftwaffe, die der Gülen-Bewegung nahestünden.

+++ Der türkische Staatssender TRT ist wieder auf Sendung. Die Putschisten hatten den Sender zwischenzeitlich unter ihre Kontrolle gebracht.

+++ Der Putschversuch in der Türkei hat nach Angaben des Pentagons keine Auswirkungen auf die US-Soldaten in der Luftwaffenbasis Incirlik. Die Operationen gegen den Islamischen Staat (IS) von dort aus würden fortgesetzt, teilte ein Sprecher mit. Man beobachte die Situation genau. Die USA fliegen von Incirlik aus Luftangriffe gegen den IS.

+++ Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach Angaben aus dem Präsidialamt nicht das Land verlassen. „Der Präsident ist an einem sicheren Ort“, hieß es aus dem Präsidialamt. „Er ist in der Türkei.“

Yildirim spricht von "Rückkehr zur Normalität"

+++ Nach dem Putschversuch des Militärs ist die Situation in der Türkei nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yildirim wieder "weitgehend unter Kontrolle". Yildirim sprach in der Nacht zum Samstag im Nachrichtensender NTV von einem "idiotischen" Versuch, der "zum Scheitern verurteilt" gewesen sei. Während in Ankara noch das Parlament bombardiert wurde, verkündete auch der türkische Geheimdienst bereits eine "Rückkehr zur Normalität".

+++ Angesichts des Militärputsches in der Türkei hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg Ruhe in dem Land angemahnt. Er rufe zu Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen und der türkischen Verfassung auf, teilte Stoltenberg nach einem Telefonat mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am frühen Samstagmorgen mit. Er verfolge die Ereignisse genau und besorgt, sagte Stoltenberg weiter. Die Türkei sei ein geschätzter Nato-Verbündeter.

+++ Gegen 02.40 Uhr Ortszeit (01.40 MESZ) wurde Istanbul von einer schweren Explosion erschüttert. Der Hintergrund war zunächst unklar. Auch Stunden nach Beginn des Putschversuches waren noch Schüsse zu hören. Hubschrauber mit Suchscheinwerfern und ausgeschalteten Positionslichtern flogen im Tiefflug über die Millionenmetropole.

+++ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel blickt mit Sorge in die Türkei.

+++ Laut der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf die staatliche türkische Agentur Anadolu beruft, hat eine Bombe das türkische Parlament in Ankara getroffen. Anadolu berichtet weiter, dass fünf Putschisten beim Versuch, den TV-Sender TNT, "neutralisiert" worden seien.

+++ Bei all dem Chaos kann man leicht den Überblick verlieren - hier gibt es eine Zusammenfassung der Ereignisse.

Bilder: Militär mit Putschversuch und Machtübernahme

Bilder: Militär mit Putschversuch gegen Erdoğan

+++ Angesichts des Putschversuchs in der Türkei hat die Bundesregierung die Respektierung der demokratischen Institutionen verlangt. „Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden“, heißt es in einer Erklärung von Regierungssprecher Steffen Seibert, die in der Nacht zum Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurde. „Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen.“

+++ Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth hat nach dem Putschversuch in der Türkei vor einem Bürgerkrieg gewarnt. „Das ist eine dramatisch gefährliche Situation“, sagte Roth der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Egal, wer an der Macht ist oder an die Macht kommt: Er hat eine enorme Verantwortung, jetzt Blutvergießen und einen Bürgerkrieg zu verhindern.“ Zugleich äußerte sie die Befürchtung, dass die gesamte Region durch die Entwicklung in der Türkei destabilisiert werde.

Roth forderte die Bundesregierung auf, gegenüber der Türkei nun „auf allen Kanälen“ Einfluss auszuüben, damit es zu keiner weiteren Eskalation komme. Zugleich müsse geklärt werden, was mit den in der Türkei stationierten Bundeswehr-Soldaten geschehe. Auf dem türkischen Stützpunkt Incirlik sind derzeit etwa 240 Bundeswehrsoldaten stationiert, die sich mit „Tornado“-Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen.

Steckt ein Stabsoffizier hinter dem Putschversuch?

+++ Der Putschversuch in der Türkei ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu von einem kürzlich aus dem Generalstab abberufenen Stabsoffizier geplant worden. Der Name wurde mit Muharrem Köse angegeben. Auch weitere Mitputschisten wurden namentlich genannt. Der entlassene Stabsoffizier habe im Generalstab die Funktion eines juristischen Beraters inne gehabt.

+++ Wegen des Putschversuches in der Türkei rät das Auswärtige Amt allen Deutschen in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. „Bei unklarer Lage wird geraten, Wohnungen und Hotels im Zweifel nicht zu verlassen“, sagte eine Sprecherin in der Nacht zum Samstag in Berlin. Touristen und Geschäftsreisenden wurde empfohlen, Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluglinie aufzunehmen.

Vier Soldaten und 17 Polizisten getötet

+++ Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, vier Soldaten - darunter ein Offizier - seien beim Versuch, das Gebäude des staatlichen Senders TRT in Istanbul einzunehmen, von Bürgern und Polizisten „neutralisiert“ worden.

+++ Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei einem Luftangriff der Putschisten auf das Hauptquartier der Spezialkräfte der Polizei in Ankara seien 17 Polizisten getötet worden.

+++ Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, ein Hubschrauber der Putschisten sei in Ankara von F-16-Kampfflugzeugen abgeschossen worden.

+++ Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, Soldaten hätten das Feuer auf eine Gruppe Menschen eröffnet, die die Bosporus-Brücke in Istanbul zu Fuß überqueren wollten. Es gebe Verletzte.

+++ In Istanbul waren Schüsse und Explosionen zu hören. Dem Klang nach zu urteilen wurden auch schwere Waffen eingesetzt. Hubschrauber kreisten über der Stadt.

+++ Das Präsidentenamt teilte auf Twitter mit, die Justizbehörden hätten die Anweisung erlassen, die Verantwortlichen für den Putschversuch festzunehmen.

+++ Angesichts des Militärputsches in der Türkei hat der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos seinen Generalstab einberufen und für Militärpersonal eine Urlaubssperre verhängt. Das berichtete der Fernsehsender Skai in der Nacht zum Samstag. Zudem habe sich der griechische Außenminister Nikos Kotzias umgehend auf die Rückreise aus der Mongolei gemacht, wo er am Asien-Europa-Gipfel teilgenommen hatte. Es bestünde keine Gefahr, hieß es in dem Bericht weiter, bei den Maßnahmen gehe es lediglich darum, die Entwicklung in der Türkei zu verfolgen.

Yildirim: "Einige Rädelsführer des Putsches sind festgenommen worden"

+++ Yildirim sagte nach Angaben aus dem Präsidentenpalast weiter, er habe mit Oppositionsführern telefoniert, die ihm versichert hätten, dass sie auf der Seite des Volkes stünden. „Heute Nacht ist die Türkei wach und auf ihren Beinen. Das Volk hat uns an die Macht gebracht, und nur das Volk wird uns davon abbringen.“

+++ Nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yildirim sind einige Anführer des Putschversuchs festgenommen worden. „Einige Rädelsführer des Putsches sind festgenommen worden. Die Demokratie wird gewinnen“, sagte Yildirim nach Angaben aus dem Präsidentenpalast. Die Verantwortlichen würden bestraft werden.

+++ Grünen-Chef Cem Özdemir hat sich für einen gewaltlosen Wandel in der Türkei ausgesprochen. „Wer den autoritären Herrscher Erdogan loswerden will, der muss dies an der Wahlurne tun“, sagte Özdemir in der Nacht zu Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Ein Militärputsch kann nicht akzeptiert werden.“ Er hoffe, dass der „Putschversuch möglichst schnell und unblutig gestoppt“ werden könne. Zuvor hatte Özdemir auf dem Kurznachrichtendeinst Twitter erklärt: „Weder Militärputsch, noch zivile Diktatur. Die Türkei braucht Demokratie für alle. Jetzt.

+++ Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu sprach sich gegen den Putschversuch aus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA sagte er am Freitag: „Dieses Land hat viel unter Putschen gelitten. Wir wollen nicht, dass es die gleichen Probleme wieder erlebt.“ Kilicdaroglu ist Chef der Mitte-Links Partei CHP, die traditionell dem Militär nahe steht.

+++ In Istanbul ertönten in der Nacht die Rufe von Muezzinen aus zahlreichen Moscheen, mehr als zwei Stunden vor dem normalen Morgengebet.

+++ Angesichts des Militärputsches in der Türkei hat die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zum „Respekt vor demokratischen Institutionen“ aufgerufen. Zugleich mahnte die ehemalige italienische Außenministerin in der Nacht zum Samstag in einer Erklärung zu Zurückhaltung. Mogherini hält sich derzeit beim Asem-Gipfel in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator auf.

Solidaritätskundgebungen für Putschisten

+++ Augenzeugen berichteten auch von öffentlichen Solidaritätskundgebungen für die Putschisten in Istanbul. Am zentralen Taksim-Platz hätten sich Menschen in türkische Flaggen gehüllt und gerufen: „Die größten Soldaten sind unsere Soldaten.“

+++ Die Lufthansa hat wegen des Militärputsches in der Türkei eine Maschine von Frankfurt nach Ankara zurückbeordert. Alle anderen Flüge seien zuvor bereits abgewickelt worden, sagte ein Unternehmenssprecher am späten Freitagabend der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX.

Die Billigflug-Tochter Eurowings setzte alle Flüge zwischen Deutschland und der Türkei bis auf Weiteres aus, wie die Gesellschaft mitteilte. Die Mutter Lufthansa prüft dem Sprecher zufolge hingegen noch das weitere Vorgehen. Für den Samstag sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden. Wann diese falle, sei unklar. „Ein komplettes Programm am Samstag ist aber unwahrscheinlich.“

Armee zieht vom Atatürk-Flughafen offenbar wieder ab

+++ Nach der Besetzung des Atatürk-Flughafens in Istanbul durch das Militär am Freitag ist die Armee nach Angaben aus Präsidialkreisen wieder vom Gelände abgezogen. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, Demonstranten seien auf das Gelände des Atatürk-Flughafens eingedrungen. Daraufhin habe das Militär den Flughafen verlassen. Zuvor hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das Volk zu öffentlichen Versammlungen gegen den Militärputsch aufgerufen.

+++ Die griechische Regierung verfolgt die Entwicklung in der Türkei Medienberichten zufolge „aufmerksam und gefasst“. Bürgerschutzminister Nikos Toskas habe nach dem Bekanntwerden des Militärputsches in der Türkei umgehend eine außerordentliche Sitzung mit Polizeikräften einberufen, berichtete der Radiosender Athina 984 in der Nacht zum Samstag. Auch Ministerpräsident Alexis Tsipras sowie Verteidigungsminister Panos Kammenos und Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis informierten sich fortlaufend.

Die Flüge von Griechenland zum türkischen Flughafen Atatürk am Samstag seien gestrichen worden, berichtete der griechische Radiosender Vima FM.

+++ Der US-Fernsehsender CNN International und die britische BBC zeigen Live-Bilder aus Istanbul: Menschen strömen in Massen auf die Straßen und schwenken türkische Fahnen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Volk in einem live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk zu öffentlichen Versammlungen gegen die Putschisten aufgerufen.

Iran zeigt sich tief besorgt über chaotische Lage in der Türkei

+++ Nach den Meldungen über einen Putschversuch in der Türkei sind in der syrischen Hauptstadt Damaskus Freudenschüsse zu hören gewesen. Sie seien von Kräften der Armee abgefeuert werden, berichteten Augenzeugen am Freitagabend. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gehört seit dem Beginn des Aufstands in Syrien im Jahr 2011 zu den wichtigsten Unterstützern der Regimegegner.

+++ Iran hat sich „zutiefst besorgt“ über die Lage im Nachbarland Türkei geäußert. Besonnenheit und Sicherheit der türkischen Bevölkerung seien derzeit besonders wichtig und notwendig, schrieb Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in der Nacht zum Samstag bei Twitter. Die Nachrichtenagentur Fars meldete, dass nach dem Militärputsch in der Türkei Präsident Hassan Ruhani eine Krisensitzung des Sicherheitsrats in Teheran einberufen habe. Eine offizielle Bestätigung jedoch liegt in den frühen Morgenstunden noch nicht vor. Laut Fars wurden auch zumindest zwei iranische Grenzübergänge zur Türkei vorläufig geschlossen.

+++ Aufgrund des Putschversuchs in der Türkei hat der deutsche Reiseveranstalter TUI einen Krisenstab einberufen. Dies sagte eine TUI-Sprecherin in der Nacht zum Samstag. Kunden, die in den nächsten Stunden in die Türkei fliegen wollten, könnten kostenlos ihre Reise stornieren. Die Abflugschalter seien entsprechend informiert worden. In den türkischen Ferienzentren ist die Lage nach Angaben von TUI ruhig. Dies berichteten Reiseleiter vor Ort, sagte die Sprecherin. Noch keine Angaben konnte sie darüber machen, ob rückreisewillige Urlauber schnell zurückgeflogen werden können.

Erdogan macht Gülen für Putschversuch verantwortlich

+++ In einem Interview des Senders CNN Türk hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich gemacht.

+++ Im Istanbuler Stadtteil Tophane zogen Dutzende Gegner des Putsches auf die Straße. Ein dpa-Reporter berichtete am Samstagmorgen, die Menge habe unter anderem „Gott ist groß“ und „Nein zum Putsch“ gerufen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Türken zuvor zu Demonstrationen für seine Regierung aufgerufen. In anderen Vierteln Istanbul blieb es dagegen ruhig. Über der Stadt waren aber immer wieder Militärjets zu hören.

+++ Nach Angaben des Senders CNN Türk ist es in der türkischen Hauptstadt Ankara zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Militär gekommen. Die Armee habe die Polizeidirektion beschossen, hieß es. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Straßen der Hauptstadt.

Präsident Erdogan angeblich an einem sicheren Ort

+++ Der türkische Präsident Erdogan sei an einem "sicheren Ort", sage sein Büro, so die Nachrichtenagentur AP. Sein Aufenthaltsort bleibt natürlich geheim. Laut CNN Türk wolle Erdogan sich der Öffentlichkeit in Ankara oder Istanbul anschließen.

+++ Wie die Nachrichtagentur Reuters berichtet, feuern Panzer in der Nähe des türkischen Parlaments. Zudem seien Schüsse am Flughafen Istanbul zu hören. Die Agentur beruft sich dabei auf Augenzeugen.

+++ Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, sei in der türkischen Hauptstadt Ankara eine laute Explosion zu hören gewesen. Laut CNN-Turk habe die Explosion in einem staatlichen TV-Gebäude stattgefunden.

+++ Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den laufenden Militärputsch als einen "Aufstand einer Minderheit in der Armee" verurteilt. Der Staatschef rief die Türken am Freitagabend im Nachrichtensender CNN-Türk auf, sich der versuchten Machtübernahme auf der Straße entgegenzustellen. Die "Putschisten" würden keinen Erfolg haben, sagte Erdogan dem Sender per Telefon.

Türkische Währung Lira stürzt ab

+++ Der Putschversuch des türkischen Militärs hat die Landeswährung am Freitag abstürzen lassen. Ein Euro kostete zuletzt 33671 Lira. Am Donnerstag hatte der Kurs noch 15 Cent niedriger gestanden. Der US-Dollar legte zur Lira um 14 Cent zu.

+++ Das amerikanische Außenministerium ruft US-Bürger in der Türkei zu verstärkter Wachsamkeit auf. Sie sollten Schutz suchen und das Haus nicht verlassen, schrieb das Ministerium am Freitagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. Die US-Botschaft in Ankara habe bestätigt, dass Schüsse gefallen seien. Die türkischen Streitkräfte haben gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geputscht und nach eigenen Angaben vollständig die Macht übernommen. Nach Angaben aus Kreisen des Präsidialamtes ist Erdogan dagegen weiter an der Macht.

+++ Das Militär soll das Kriegsrecht und eine Ausgangssperre verkündet haben. Zudem haben Soldaten den Staatssender TRT besetzt. Die Ausgangssperre sei bis auf weiteres über das Land verhängt, hieß es in der am Freitagabend im Staatssender TRT verlesenen Erklärung des "Rats für den Frieden im Land". Er werde "nicht erlauben, dass die öffentliche Ordnung in der Türkei gestört werde". Türkische Medien berichten davon, dass sich Polizisten vor dem Amtssitz von Präsident Recep Tayyip Erdoğan positioniert haben sollen.

Militär verkündet Machtübernahme

+++ Das Militär teilte in einem Statement mit, der Putsch und damit die Machtübernahme sei gelungen. Die türkische Armee hat im Fernsehen die Übernahme der Macht in der Türkei verkündet. "Die Macht im Land ist in ihrer Gesamtheit übernommen", hieß es in einem im Fernsehsender NTV am Freitagabend verlesenen Erklärung des Militärs.

Vor dem Istanbuler Atatürk-Flughafen fuhren laut NTV Panzer auf. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf "glaubhafte Quellen", der Generalstabschef Hulusi Akar sei eine Geisel der Putschisten.

+++ Die Lage in der Türkei ist nach wie vor unübersichtlich.

+++ Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat einen "illegalen Versuch" durch eine "Gruppe" im Militär verurteilt. Die Beteiligten an dem Putschversuch würden "den höchsten Preis" zahlen, erklärte Yildirim am Freitagabend.

Putschversuch: Alle Polizisten in Ankara zum Dienst

+++ Die Nachrichtenagentur DHA meldete, in der Hauptstadt Ankara habe die Polizei das gesamte Personal zum Dienst gerufen. Im Umfeld des Armee-Hauptquartiers seien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Zahlreiche Krankenwägen stünden dort bereit. Jets würden im Tiefflug über die Hauptstadt fliegen.

Medien: Sicherheitskräfte schließen teilweise Bosporus-Brücken in Istanbul

+++ Die türkischen Sicherheitskräfte haben laut Medienberichten am Freitagabend die beiden Brücken über den Bosporus teilweise geschlossen. Sämtlicher Verkehr von der asiatischen Seite der Millionenmetropole in Richtung der europäischen Seite sei gestoppt, meldete der Fernsehsender NTV. Der Verkehr in die andere Richtung lief bisher weiter. Zugleich waren laut einem AFP-Reporter türkische Kampfflugzeuge im Tiefflug über der Hauptstadt Ankara zu hören. Der Grund für das Geschehen war zunächst unklar.

Die Türkei ist seit Monaten in erhöhter Alarmbereitschaft. In dem Land hatte es in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe blutiger Anschläge in Istanbul, Ankara und anderen Städten gegeben, die teils der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), teils der kurdischen Extremistengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zugeschrieben wurden. Erst am 28. Juni hatten drei Attentäter am Istanbuler Atatürk-Flughafen ein Blutbad angerichtet und 47 Menschen getötet.

AFP/dpa/kus/lin

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