Sanders kostet Vorwahlkampf trotz Rückstands voll aus

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Sanders traf sich mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus in Washington. Foto: Pete Marovich

Bernie Sanders ist eine der großen Überraschungen des US-Vorwahlkampfes 2016. Bei den Demokraten bot er der hohen Favoritin Hillary Clinton die Stirn, brachte sie an den Rand einer Niederlage. Sanders genießt das Rampenlicht bis zum Schluss.

Washington (dpa) - Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders will trotz aussichtslosen Rückstandes gegen seine Kontrahentin Hillary Clinton nicht aufgeben.

Er wolle sich "in naher Zukunft" mit Clinton treffen, um die weitere Zusammenarbeit zu besprechen, sagte der 74 Jahre alte Sanders nach einem einstündigen Treffen mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus in Washington.

Er werde zur letzten Vorwahl antreten, die am nächsten Dienstag im Hauptstadtbezirk Washington D.C. stattfindet, und seine Ideen auf den Parteitag Ende Juli in Philadelphia tragen, kündigte Sanders an.

Präsident Barack Obama stellte sich unmittelbar nach dem Treffen mit Sanders hinter Clinton. In einer Videobotschaft, die Obamas ehemalige Außenministerin auf ihrer Webseite verbreitete, tat Obama seine Unterstützung für die 69-Jährige kund. "Ich weiß, wie hart dieser Job sein kann", sagte Obama. "Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass jemals irgendjemand so für diesen Posten geeignet war wie Hillary."

Auch Sanders stellte seine künftigen Schritte in den Dienst der Partei. Sein Hauptziel und das der Demokratischen Partei sei es, den republikanischen Bewerber Donald Trump als künftigen US-Präsidenten zu verhindern. "Es ist für mich unglaublich, dass die Republikaner einen Kandidaten haben, der Fanatismus und Beleidigungen ins Zentrum seiner Kandidatur stellt", sagte Sanders.

Sanders hatte beim letzten großen Vorwahl-Dienstag vor wenigen Tagen nicht mehr gegen Clinton aufholen können; die ehemalige Außenministerin vergrößerte sogar ihren Vorsprung vor dem Senator aus dem Bundesstaat Vermont.

Sie führt gegenwärtig mit 2203 gebundenen Delegierten und liegt damit 375 Delegierte vor Sanders. Damit ist sie derzeit auf die Stimmen von 180 sogenannten Superdelegierten angewiesen, Parteifunktionäre und Mandatsträger, die nicht an ein Wahlergebnis gebunden sind. Von diesen insgesamt mehr als 700 stimmberechtigten Personen hatten sich im Vorfeld weit mehr als 500 für Clinton ausgesprochen, so dass Clinton insgesamt auf 2777 Delegierte kommt.

Obama hatte in der Aufzeichnung für die Talkshow "The Tonight Show" im NBC-Fernsehen die Verdienste von Sanders im Wahlkampf gewürdigt. "Bernie Sanders brachte unheimlich viel Energie und neue Ideen", sagte Obama. Sanders habe die Partei herausgefordert und sie getrieben. "Ich glaube, er hat Hillary zu einer besseren Kandidatin gemacht." Obama und Clinton wollen bereits nächste Woche im Bundesstaat Wisconsin gemeinam Wahlkampf machen.

Die Aufrufe an Sanders, seine Kandidatur aufzugeben und die Kräfte der Demokratischen Partei für den Kampf gegen Trump zu einen, waren zuletzt lauter geworden. Jedoch hatte es auch Verständnis für Sanders gegeben, der in den vergangenen Monaten Millionen vor allem junger Leute neu für Politik begeistert hatte. Vizepräsident Joe Biden sagte, Sanders habe es verdient, den Prozess des Ausstiegs in "seinem eigenen Tempo" zu gehen.

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