Medizinisches Versorgungszentrum als gangbarer Weg

Ärztemangel beseitigen

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Renate Bludau, Bürgerin von Babenhausen, sprach auf der Informationsveranstaltung der Stadt zum Dauerthema medizinische Versorgung.

Babenhausen - Zu einer Informationsveranstaltung zur medizinischen Versorgung in Babenhausen hatte die Stadt in die Stadthalle eingeladen. Die Referenten zeichneten ein eher düsteres Bild. Von Ulrike Bernauer 

Seit dem Frühjahr hat sich die medizinische Versorgung in Babenhausen noch weiter verschlechtert. Seit Ende März gibt es einen Hausarzt weniger, Dr. Michael Wasilie hat seine Praxis aufgegeben. Die Stadt hat die Miete für die Räumlichkeiten für drei Monate übernommen, um nach einem Nachfolger zu suchen. Seitdem sieht die Situation in Babenhausen noch miserabler aus. Kommen hessenweit 1 671 Patienten auf einen Hausarzt, so sind es nun in Babenhausen 3 200, also fast die doppelte Anzahl. Zu einer Informationsveranstaltung zu der medizinischen Versorgung in Babenhausen hatte die Stadt am Donnerstagabend in die Stadthalle geladen. Redner der Veranstaltung waren neben Bürgermeister Joachim Knoke, Landrat Klaus Peter Schellhaas, die Leiterin Recht und Personal der Kreiskliniken, Pelin Meyer, und Elke Kessler, Geschäftsführerin der ASD Concepts GmbH. Die Redner zeichneten ein eher düsteres Bild.

Junge Ärzte wollten heute nicht mehr Praxen auf dem Land besetzen, sie ziehe es in die Städte und insgesamt sei der Arztberuf zurzeit wenig attraktiv. Zudem gebe es die Hausärzte alten Schlags, die nötigenfalls 24 Stunden rund um die Uhr für ihre Patienten da waren, nicht mehr. So ergebe sich zum Ärztemangel auch noch die verschärfende Situation, dass bei einer Praxisaufgabe eines älteren Arztes eigentlich zwei junge Mediziner die Praxis übernehmen müssten. Verschärfend wirke zudem die Feminisierung der Medizin: 70 Prozent der Ärzte, die zurzeit die Universitäten verließen, seien weiblich. Die wollten nicht nur geregelte Arbeitszeiten, sondern mitunter auch in Teilzeit arbeiten.

Der einzig gangbare Weg für Babenhausen aus dieser Misere schien an diesem Abend die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Ärzte können sich in einem Ärztehaus selbstständig zusammenschließen. Die MVZs sind hingegen in der Regel an einen Träger angeschlossen, im Falle des Kreises Darmstadt-Dieburg an die Kreiskliniken. So hat der Landkreis über die Kreiskliniken bereits in Ober-Ramstadt ein MVZ gegründet, anfänglich mit zwei Hausärzten und einem Internisten. Inzwischen ist ein weiterer Arzt hinzugekommen. Die Frage einer Besucherin der Veranstaltung, warum in Babenhausen bisher kein MVZ gegründet wurde, beantwortete Meyer. Bisher war die Situation so, dass ein MVZ nur gegründet werden durfte, wenn in diesem Haus fächerübergreifende Ärzte ihre Praxen führen. Das sei in Ober-Ramstadt der Fall gewesen. Seit Kurzem gebe es eine Gesetzesänderung, nach der auch ein MVZ nur mit Hausärzten gegründet werden könne.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

„Die Tinte unter diesem Gesetz war noch nicht trocken“, so Bürgermeister Knoke, „da haben wir uns im Magistrat zusammengesetzt, um über die Gründung eines MVZs zu beraten.“ Schnell war klar, dass die Stadt das nicht alleine stemmen kann, deshalb gab es eine Anfrage an den Kreistag auch in Form an den für das Thema Gesundheit zuständigen Landrat Klaus Peter Schellhaas. Der verschließt sich dem Wunsch der Stadt nicht, „wenn wir Ärzte und ein Gebäude finden, dann legen wir los, aber wir machen das nur in Zusammenarbeit mit der Stadt“.

Renate Bludau, viele Jahre im Herzsport tätig, sprach dann ein Schlusswort. Schuld an der gegenwärtigen Misere, die ja nicht nur Babenhausen betreffe, sei die große Politik. Die würde den Ärzten Fesseln anlegen, wodurch diese keinen Spaß mehr an ihrem Beruf hätten. Daran könne man allerdings so schnell nichts ändern, deshalb solle man das Augenmerk darauf richten, was konkret in Babenhausen getan werden könne. „Lassen Sie uns gemeinsam an einem MVZ arbeiten.“

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