Helmut Fendt im Interview

Sparzwang der Stadt: 6000 Euro fehlen für Altstadtfest

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Das Altstadtfest findet trotz Einsparungen statt. Da ist sich Helmut Fendt, Vorsitzender des Gremiums der Babenhäuser Vereine und des DRK-Ortsvereins, sicher.

Babenhausen - Die Stadt hat 2016 keinen genehmigungsfähigen Haushalt und muss nun den Rotstift an die freiwilligen Leistungen ansetzen.

Was die Streichung der finanziellen Unterstützung für die drei großen, vom Ehrenamt getragenen Babenhäuser Traditionsveranstaltungen – das Altstadtfest, den Weihnachtsmarkt und den Fastnachtszug – bedeutet, darüber hat sich unsere Mitarbeiterin Petra Grimm mit Helmut Fendt, dem Vorsitzenden des Gremiums der Babenhäuser Vereine und des DRK-Ortsvereins, unterhalten.

Herr Fendt, auch in diesem Jahr ist für das zweite Septemberwochenende (10. und 11.) das große Gemeinschaftsfest der Babenhäuser Vereine im historischen Stadtkern geplant. Wird dieses 37. Altstadtfest denn unter den veränderten Bedingungen überhaupt stattfinden können?

Auf jeden Fall. Auch wenn die Einsparungen der Stadt diese Veranstaltung wegen der Terminnähe im Vergleich zum Weihnachtsmarkt oder dem Fastnachtszug am schwersten treffen. Wir haben beim Altstadtfest weniger Zeit, um auf die veränderte Situation zu reagieren.

Was sind denn die größten Brocken bei der Finanzierung des Altstadtfestes. Und wie viel Geld fehlt jetzt genau?

Die größten Ausgaben entstehen durch Kosten für die Toilettenwagen und die Arbeitsleistungen des städtischen Bauhofs, der die Toiletten anschließt, die Straßenreinigung und das Aufstellen der Verkehrsschilder übernimmt. Diese Arbeitseinsätze der Bauhofmitarbeiter kosten ja Geld und sind eine freiwillige Leistung, die jetzt gestrichen wird. Außerdem hat die Stadt bisher die Straßenkünstler mitfinanziert. Wegen der schlechten Haushaltslage gab es aber in den vergangenen Jahren bereits Sparmaßnahmen, beispielsweise wurde der städtische Zuschuss für die Straßenkünstler auf 1 000 Euro reduziert und die Anzahl der Toilettenwagen verringert. Auch wir als Veranstalter haben schon an der Kostenschraube gedreht. Für das Aufstellen der Verkehrsschilder hatten wir bereits im vergangenen Jahr eine Rodgauer Firma verpflichtet, die deutlich billiger ist. Außerdem hatten wir die Vereine und die anderen Beschicker aufgefordert, den Abfall aus ihren Ständen mitzunehmen, um die Kosten für die Reinigung und die Abfuhr des Mülls zu reduzieren. Das hat auch ganz gut geklappt. Aber trotz dieser schon geleisteten Einsparungen fehlen uns ohne den städtischen Zuschuss für das Altstadtfest in diesem Jahr 6 000 Euro.

Wie soll dieses Loch jetzt auf die Schnelle gestopft werden?

Wir werden von den teilnehmenden Vereinen, den Gaststätten und den Geschäftsleuten, die am verkaufsoffenen Sonntag dabei sind, eine höhere Gebühr verlangen. Außerdem müssen wir die Kosten weiter reduzieren. Da bin ich schon im Gespräch mit den Firmen. Den professionellen Straßenkünstlern habe ich abgesagt. Wir hoffen auf Ehrenamtliche, einige sind auch schon in Sicht, die beispielsweise das Märchenerzählen übernehmen würden. Gesucht sind jetzt händeringend weitere Mitstreiter, die das Fest mit Tanz, Musik oder anderen Künsten ohne Gage unterstützen wollen. Außerdem bemühe ich mich, Sponsoren aufzutreiben. Wenn es gar nicht anders geht, müssen wir an die Kasse des Vereinsgremiums gehen und von dem Geld, das wir für Notfälle gespart haben, was drauf legen.

Das Altstadtfest, der Weihnachtsmarkt des DRK und der Fastnachtszug bieten ja nicht nur den Babenhäusern Geselligkeit und Vergnügen, sondern sind auch ein lebensfrohes Aushängeschild für die Stadt. Tausende Besucher, viele von außerhalb, finden dabei den Weg nach Babenhausen.

Deshalb ist es jetzt wichtig, das Signal an unsere Besucher zu senden, dass es auf jeden Fall weitergeht. Wir werden, wie gewohnt, ein attraktives Fest bieten. Ich baue auch auf den Schulterschluss der Babenhäuser Vereine. Wir müssen positiv denken und gemeinsam nach Lösungen suchen.

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Der Weihnachtsmarkt wird vom Roten Kreuz unter ihrem Vorsitz organisiert. Was läuft bei dieser Großveranstaltung jetzt anders?

Beim Weihnachtsmarkt des DRK haben wir das Problem, dass die einzigen Einnahmen die Standgebühren der Beschicker sind und eventuell Sponsorengelder. Da habe ich ja keine Gremiumskasse und aus der Kasse des DRK darf für diesen Zweck kein Geld entnommen werden. Die Straßenreinigung und das Aufstellen der Verkehrsschilder sind mit zusammen rund 1 500 Euro auch beim Weihnachtsmarkt ein großer Posten, der jetzt fehlt. Für den Bau der lebenden Krippe habe ich zum Glück schon einen Schreiner gefunden, der für die Stadt einspringt. Und ich hoffe doch, dass nicht auch noch der große Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz und die stimmungsvolle Beleuchtung der Gassen eingespart wird. Dann fehlt doch was in der Adventszeit und nicht nur am Weihnachtsmarktwochenende.

Sie sind auch der Zugmarschall beim Babenhäuser Fastnachtszug, der in diesem Jahr wegen des schlechten Wetters ausfallen musste. Muss er im kommenden Jahr wegen fehlender Unterstützung durch die Stadt ausfallen?

Sie werden es nicht glauben, aber auch der ausgefallene Umzug hat uns 5 000 Euro gekostet, obwohl die Kapellen alle auf ihre Gagen verzichtet haben. Beim nächsten Zug haben wir echte Probleme, das fehlende Geld zu kompensieren. Wir hatten eine Zusage für 1 000 Euro Zuschuss zu den Kapellen, die das Gremium insgesamt 4 500 Euro kosten. Außerdem hat die Stadt in der Vergangenheit die Beschallung (700 Euro), die Toiletten (500 Euro), die Aufstellung der Schilder (1 200 Euro) und die Straßenreinigung (2 000 Euro) übernommen. Was uns nochmal auf die Füße fällt, ist der ausgefallene Umzug. Denn wir haben ja gesagt, dass die Zugplaketten aus diesem Jahr ihre Gültigkeit behalten. Dadurch haben wir beim nächsten Zug auch noch deutlich weniger Einnahmen durch den Plakettenverkauf, der normalerweise mindestens 4 000 Euro einbringt.

Sie sind persönlich bei all diesen Veranstaltungen sowohl während der Vorbereitung als auch bei der Durchführung immer unermüdlich im Einsatz und investieren zahllose Stunden ihrer Freizeit. Auch auf Kosten ihres Familienlebens. Sind sie nun frustriert oder wütend, dass es jetzt soweit gekommen ist?

Es ist jetzt natürlich viel schwerer, diese Veranstaltungen durchzuführen. Ich hoffe auch, dass das Ehrenamt keinen Schaden nimmt und vor allem die vielen älteren Vereinsmitglieder, die beim Altstadtfest aktiv sind, nicht frustriert aufhören. Wenn in der Vergangenheit in der Kommunalpolitik Fehler gemacht wurden, dann haben alle Fehler gemacht. Mein Wunsch wäre, dass sich endlich mal alle zusammenraufen, damit keine neuen Fehler gemacht werden.

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