Wissen im Taschenformat

Broschüre lädt zum Entdecken der Stadtkirche ein

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Das spätgotische Hochaltarretabel mit den zuklappbaren Seitenflügeln in der Stadtkirche. Informationen dazu und weiteren Sehenswürdigkeiten hält der neue 32-seitige Kirchenführer bereit.

Babenhausen - Die Stadt- kirche hat einen neuen Kirchenführer. Das kleine Büchlein regt dazu an, sich mit der über 800-jährigen Geschichte vertraut zu machen sowie anhand der wichtigsten Informationen auf Entdeckungstour zu gehen. Von Michael Just 

„In der Szene des Weltgerichts thront Jesus Christus, die Wundmale an den erhobenen Händen vorzeigend, das Lilienzepter im Mund, auf einem Regenbogen in einer von einem Wolkenband umgebenen Mandorla. Maria und Johannes der Täufer knien mit zum Gebet gefalteten Händen als Fürbitter und Beisitzer neben ihm“ – so beschreibt Autor Rainer Alexander Gimmel eines der wertvollen gotischen Wandgemälde, das im Chorbereich der Stadtkirche das jüngste Gericht darstellt.

Wie so oft in der Kunst braucht es für den Betrachter Erklärungen, um Inhalte zu verstehen oder Personen zu erkennen. Das übernimmt in der Stadtkirche nun ein neuer, druckfrischer Wegweiser. Nach 20 Jahren war der alte Kirchenführer mit seinen 2000 Exemplaren vergriffen. Deshalb brauchten wir etwas Neues“, berichtet Christoph Kleinert vom Kirchenvorstand. 6 000 Euro wurden für die Herstellung und eine Auflage von 3 000 Stück ausgegeben. Der handliche Führer im Taschenformat, der im Verlag Schnell & Steiner erschien und von Rainer Alexander Gimmel aus Nürnberg verfasst wurde, liegt im Gotteshaus aus und kann für drei Euro mitgenommen werden. Aufgrund seiner ISBN-Nummer lässt er sich zudem über den Buchhandel bestellen. Das kommt Touristen von Außerhalb entgegen: Sie haben die Möglichkeit, sich schon vor einer Besichtigung einzulesen. Die Rechnung von 6 000 Euro lieg laut Kleinert im Rahmen. So wäre ein größeres Format deutlich teurer gekommen. Lieber habe man beim Umfang des Büchleins „draufgelegt“: „Die angedachten 20 Seiten reichten aufgrund der Fülle von Informationen nicht aus. Mit den Bildern kamen letztlich 32 Seiten heraus“, weiß Kleinert.

Den alten Kirchenführer hatte der ehemalige Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Hans-Joachim Greifenstein (von 1986 bis 2006 tätig), mit Unterstützung von historisch fachkundigen Personen in Babenhausen erstellt. Darunter war unter anderem die bereits verstorbene Stadtarchivarin Ria Fischer.

Gimmel machte sich jetzt an eine komplette Neuschaffung. Als Grundlage diente vor allem die sehr ausführliche Publikation des Landesamtes für Denkmalpflege, die zur Sanierung der Stadtkirche von 2001 bis 2006 erschien. Des Weiteren verschaffte sich der Nürnberger für einen Nachmittag selbst einen Überblick im christlichen Kleinod, dessen Grundsteine bis ins 12. Jahrhundert reichen. Die Babenhäuser Geschichtsexperten Klaus Mohrhardt, Manfred Lautenschläger sowie Pfarrer Frank Fuchs redigierten die Texte. Die verwendeten Fotos stammen größtenteils aus dem Bildarchiv Foto Marburg.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

Der kleine Kunstführer gibt über die Fresken, die Grabmäler der Fürsten von Hanau-Lichtenberg, die Glocken oder auch die Orgel Auskunft. Interessant: Einmal wird deutlich, dass es den Experten nicht immer gelingt, Licht in die Geschichte zu bringen. Das trifft auf das spätgotische Hochaltarretabel aus Holz zu, das mit seinen zuklappbaren Seitenflügeln zu den einzigartigen Schmuckstücken in der Stadtkirche gehört. Von den drei Heiligen in der Mitte ist Papst Gregor der Große und der heilige Valentin bekannt. Noch unklar ist die Figur links vom Papst: Sie könnte den heiligen Bonifatius darstellen. Lange Zeit wurde die Person für den heiligen Nikolaus, und damit den Namensgeber der Kirche, gehalten. Diese Annahme ist aber umstritten, da die Figur in der rechten Hand einen Palmzweig hält. Der steht für die Märtyrer, zu denen Nikolaus von Myra im engeren Sinne nicht zählt. Damit ist auch ein kleines Rätsel im neuen Kirchenführer niedergeschrieben. Vielleicht liegt in der nächsten Auflage, zu erwarten in 15 bis 20 Jahren, eine Lösung dazu vor.

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