Förderverein-Initiator kritisiert CDU-FWB-Mehrheitsbeschluss

Freibad-Zukunft ungewiss

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„Wir wollen schwimmen“ steht auf dem kleinen Plakat des Mädchens, das am Donnerstagabend zusammen mit mehreren Dutzend anderen Babenhäusern für den Erhalt des Schwimmbades vor dem Rathaus demonstrierte.

Babenhausen - Der Beschluss des Stadtparlaments hat es in sich. Ein neues Betreibermodell für das Schwimmbad soll erarbeitet und damit 150.000 Euro eingespart werden. Von Norman Körtge 

Bei einigen ein stummes Kopfschütteln, andere äußern ihren Unmut mit einem Spottgesang („Das war super, das war elegant!“) und wiederum andere fassen ihre Fassungslosigkeit mit Begriffen wie „Armutszeugnis“ zusammen. Es waren ganz unterschiedliche Stimmungsregungen bei den Zuschauern im Rathaus zu beobachten, nachdem die Stadtverordneten am Donnerstagabend über die Zukunft des Freibad abgestimmt hatten. Das neue Bündnis aus CDU und Freien Wählern (FWB) hat mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit ihren Antrag durchgebracht. Der besagt, wie berichtet, dass für den zukünftigen Betrieb des Schwimmbades „ein neues Betreibermodell zu implementieren“ ist und die Kosten um mindestens 150.000 Euro zu senken sind. SPD, Grüne und FDP stimmten dagegen. SPD-Abgeordnete Simone Kirchschlager („Es herrscht eine riesen Unsicherheit, wie es dann weiter gehen soll“) und Grünen-Politiker Manfred Nodes („Keinen Einstieg in den Ausstieg schaffen“) hatten in der Debatte zuvor gewarnt, dass der Antrag eine Wiedereröffnung im kommenden Jahr gefährdet. Diese Befürchtung war es, die sich in den Gefühlsregungen der nur wegen dieses Tagesordnungspunktes gekommenen Zuschauer widerspiegelte.

Dirk Weißner, der vor Sitzungsbeginn zu einer „Demo zum Erhalt des Schwimmbades“ aufgerufen hatte und einen Förderverein gründen wollte, zog gestern Konsequenzen: „Die Gründung eines Fördervereins und damit das Werben für Mitglieder und Spenden macht nur Sinn, wenn es eine Zukunft für das Schwimmbad gibt. Die sehe ich zur Zeit nicht.“ In einer E-Mail an alle Fraktionen kritisierte er das Vorgehen der CDU: „Ich bin zutiefst enttäuscht, dass Stimmen aus der CDU den Förderverein, der noch nicht einmal gegründet ist, schon so weit verplant haben, dass für sie schon die Besetzung des Kassenhäuschens und das Mähen des Rasens vom Förderverein erledigt wird.“ Mit ihm habe im Vorfeld niemand aus den Reihen der CDU oder der FWB das Gespräch gesucht, berichtet Weißner auf Nachfrage.

In der Stadtverordnetenversammlung hatte Bürgermeister Joachim Knoke noch einmal deutlich gemacht, dass er Einsparungen in der genannten Größenordnung nicht für realisierbar halte und es illusorisch sei, bis zum Frühjahr 2017 einen neuen Betreiber für das Schwimmbad zu finden. Er sprach sich für den Änderungsantrag der Grünen aus, der Einsparungen von mindestens 50.000 Euro vorsieht und eine Wiedereröffnung in 2017 festschreibt. Indirekt dafür warb auch eine gemeinsame Stellungnahme der Kernstadtschulen sowie ein Schreiben der Schülervertretung der Joachim-Schumann-Schule.

Ein Hoch auf den September: Hitzefrei und Freibadfreude

CDU-Abgeordneter Günther Eckert hat in seiner Rede deutlich gemacht, dass es ein zentrales Anliegen der CDU und der FWB sei, dass Schwimmbad zu erhalten und vertrat die Meinung, das es möglich sein müsse, das Freibad auch für zirka 100.000 Euro statt wie bisher für etwa 235.000 Euro im Jahr zu betreiben. Eben zum Beispiel mit Unterstützung durch einen zu gründenen Förderverein.

„Wir fordern nicht, den Vertrag zu kündigen“, stellte FWB-Abgeordneter Frank Bornschleger klar. Gemeint ist der Betreibervertrag mit dem Bäderservice Kahl, der, wenn er nicht bis Ende September von einer Seite gekündigt wird, sich automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Bürgermeister Knoke sagte gestern auf Anfrage, dass mit dem Bäderservice Kahl bereits für kommende Woche ein Gespräch angesetzt ist, um mögliches Einsparpotenzial auszuloten. Gespart werden könne wahrscheinlich nur, wenn die Öffnungszeiten drastisch reduziert werden. Ähnliches hatte Betreiberin Dalila Kahl angedeutet, die allerdings nach wie vor offen lässt, ob sie nicht von sich aus den Vertrag kündigt.

Dass nun nach der politischen Debatte mit Dirk Weißner ein engagierter Bürger einen Rückzieher macht, bedauert der Bürgermeister: „Da wurde viel Porzellan zerschlagen.“

Bilder: Hundebadetag im Lindenau-Freibad

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