Kinder- und Jugendförderung lädt zum Seminar ein

Wie geht man mit Angst und Konflikten um?

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Das mutige Angehen von Herausforderungen, wie hier der angstfreie Fall auf eine Matraze, sollte das Selbstwertgefühl der Teilnehmer stärken.

Babenhausen - Deeskalationstraining für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren bot die Kinder- und Jugendförderung an – inklusive Mutproben. Von Michael Just 

Das Gegenteil von Mut ist Angst. Doch ist Angst schlecht? Nicht unbedingt, denn Angst beschützt vor Leichtsinnigkeit, man kann im Notfall schneller rennen und fühlt bei einer Verletzung sogar weniger Schmerzen. Angst ist nur dann unvorteilhaft, wenn man sie einer Konfliktsituation dem Gegenüber offenbart. Diese und andere Ergebnisse erarbeiteten jetzt 16 Grundschüler bei einem Workshop der städtischen Kinder- und Jugendförderung (JuFö). Der Titel: „Stark-Cool-Fair – Deeskalationstraining für Kinder und Jugendliche“. Das Angebot in der Schulsporthalle der OSB richtete sich an alle Zehn- bis 14-Jährigen. Den Workshop leitete Dietmar Lietz aus Raunheim vom Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (i-gsk). Dieses arbeitet sowohl im Mitarbeiter- und Führungskräfte-Training als auch im Sozialbereich. Für letzteres werden wirksame und unterstützende Übungen für Gruppen und Klassen angeboten.

Wie Lietz weiß, lassen sich Konfliktsituationen im Leben nie ganz vermeiden. „Vielen Personen mangelt es dabei gar nicht mal an den notwendigen Verhaltensregeln, sondern eher an der Fähigkeit, diese in den entscheidenden Momenten abzurufen und einzusetzen. Das erschwert oft ein effektives Reagieren“, erklärt der Experte. Daher sei es in solchem Training, neben der Vermittlung von neuem Wissen, wichtig, bestehende Kompetenzen herauszuarbeiten und zu verstärken. Für den Kurs mussten die Kinder Zeit mitbringen: Auf fünf Stunden war dieser angelegt. Einerseits war es das Ziel, Kinder in puncto Selbstwertgefühl und Selbstbehauptung zu stärken, andererseits aber nicht den empathischen Umgang miteinander, die Akzeptanz von Regeln oder eine wertschätzende Kommunikation auszublenden.

Das passende Verhalten bei Konflikten sieht nicht immer vor, sich der Auseinandersetzung – vor allem wenn Gewalt ins Spiel kommt – zu stellen. Lietz empfahl, in bestimmten Lagen einfach wegzurennen. Das gilt insbesondere in Ausnahmesituationen mit Erwachsenen, die im schlimmsten Fall auch einen sexuellen Missbrauch einschließen können. Niemals sollten sich Kinder beim Flüchten verstecken, um nicht in eine Falle zu geraten. Die beste Lösung ist es, andere Menschen aufzusuchen und diese, etwa in Geschäften, direkt um Hilfe anzusprechen. Das Mitgehen bei Erwachsenen ist für Lietz ein grundsätzliches Tabu, selbst wenn man diese, wie etwa den Nachbarn, kennt. „Das macht ihr nur, wenn das im Vorfeld mit den Eltern abgesprochen wurde“, sagte der Trainer. Auch das laute Schreien hilft, einen möglichen Angreifer oder Gegner in die Flucht zu schlagen.

Zum Workshop gehörte es deshalb, mögliche Hemmnisse zu überwinden und einfach mal laut loszuschreien. Beim „Zombieball“, der an das Völkerball angelehnt ist, war das leichter als geglaubt. Laut Lietz fehlt es einigen Kindern immer wieder an Mut, sich von Kameraden oder Mitschülern nicht einschüchtern zu lassen und die eigenen Interessen durchzusetzen. Um diese zu fördern, lud er seine Schützlinge zu mutigen Herausforderungen ein, die sich von jeglichem Blödsinn abgrenzten. „Klauen oder Zigarettenrauchen sind schlechte Mutproben“, hob der Gast heraus. Bei seinen waren die Kinder kurz einem freien Fall ausgesetzt, der auf einer weichen Schaumstoffmatratze endete. Um Selbstbehauptung nachhaltig zu lernen, gab der Trainer seinen Schützlingen den Rat, sich einem Sportverein anzuschließen. Auch ein Kampfsportverein sei empfehlenswert –trotz der Kritik, die manchmal geübt wird. So prügelten sich Kampfsportler nie auf der Straße. Generell gebe es keinen schlechten Kampfsport – nur schlechte Trainer.

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