Stück zum Eine-Welt-Gedanken

Joachim-Schumann-Schüler führen „Open Eyes – ein Blick zurück“ auf

+
Das Musical der Joachim-Schumann-Schule widmete sich dem Unfrieden in dieser Welt. 140 Beteiligte sorgten für eine musikalische Schulproduktion auf höchstem Niveau.

Babenhausen - Kriege um Religion, Geld, Macht: Was können wir aus der Geschichte lernen? Dieser Frage näherten sich OSB-Schüler in einem Theaterstück an. Von Michael Just 

Als die Engel auf die Bühne kommen, haben ihre weißen Kostüme fast Blendkraft, was durch die hellblonden Perücken weiter forciert wird. Ihr „We shall overcome“ (dt.: „Wir werden (es) überwinden“) entwickelt sich zu der eindringlichen Botschaft, dass das Leben auf der Welt besser sein könnte, wenn die Menschen sich mehr Achtung entgegenbringen würden. Das Musical „Open Eyes – Ein Blick zurück“, das die Joachim-Schumann-Schule gleich an zwei Abenden zeigte, war mehr als „nur“ eine musikalische Aufführung. Es war auch die Frage damit verbunden, ob schon immer Kriege um Religion, Geld und Macht auf der Welt existierten und ob Andersartigkeit im Aussehen oder beim Glauben regelmäßig ausgegrenzt wird. Als Schlussfolgerung wollte man klären, was – und ob überhaupt – aus der Geschichte gelernt wird.

Zu Beginn des Musicals machte aber erstmal die große Zahl der Mitwirkenden Eindruck: Rund 140 Schüler brachten sich ein. Darunter waren der Schulchor, Solosänger, Schauspieler, Tänzerinnen, die Band oder das Bühnenbild-Team. Der Schulchor der Klassen 5-9 nahm alleine über 80 Personen ein. „Im Prinzip haben die Schüler das Musical selbst entwickelt“, berichtet Musiklehrerin Sigrid Borchert über die 16 Jugendlichen der 9. Klasse, die die Szenen geschrieben und damit das Drehbuch kreiert haben. An der Umsetzung nahmen dann – da mögliches Wahlpflichtfach – alle Jahrgangsstufen teil. Die Intension war zu klären, ob es menschenverachtendes Verhalten in Form von Krieg, Unterdrückung oder Diskriminierung schon immer gibt.

Der Bogen wurde dabei von der Zeit Jesus Christus, der amerikanischen Einwanderung, der Französischen Revolution über den Vietnam-Krieg bis hin zur Gegenwart gespannt. Dabei lehnten sich die Macher an große Musicals, wie „Jesus Christ Superstar“, „Miss Saigon“, „Westside Story“ oder „Les Miserables“ an, die unter anderem bedeutende Konflikte thematisieren. Dazwischen wurden jeweils immer auf einer Wohnzimmercouch Dialoge kreiert, die zu den jeweiligen Musik- und Gesangspassagen überleiteten.

Mit „Open Eyes – Ein Blick zurück“ gelang den Schülern der JSS erneut eine beeindruckende Aufführung, die mit Blick auf die Flüchtlingskrise kaum aktueller hätte ausfallen können. Die Beantwortung der Frage, was die Menschheit aus der Geschichte gelernt hat, fiel nach zwei Stunden ernüchternd aus: „Nicht allzu viel“. Beim letzten Stück des Abends, als Schüler vielfältiger Herkunft und Hautfarbe auf die Bühne kamen, wurde deshalb die Hoffnung demonstriert, dass vielleicht doch noch eines Tages jener oft besagte Eine-Welt-Gedanke zum Tragen kommt, in dem Friede, Teilhabe und Respekt ganz oben stehen.

Kommentare