Langstädter Milan Kadic kämpft weltmeisterlich

Kickboxen macht ehrgeizig

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Will im Oktober seine beiden Kickbox-Titel verteidigen: Weltmeister Milan Kadic aus Langstadt. Unterstützt wird er dabei von Trainer Anton Mills.

Langstadt - Milan Kadic, Kickbox-Weltmeister aus Langstadt, will im Oktober seine Titel im Pointfighting und Leichtkontakt verteidigen. Bei der Vorbereitung unterstützt ihn Trainer Anton Milis, der beim Gespräch mit unserer Zeitung nachdenkliche Töne anklingen lässt. Von Jens Dörr 

Blonde Locken, exakt zwei Meter groß, 108 Kilogramm schwer: Wenn Milan Kadic den kleinen Trainingsraum in der Sporthalle des MTV Urberach betritt, dann stellt er schon rein optisch etwas dar. Die Blicke der bis zu 50 Frauen, Männer und Jugendlichen, die sich im Rödermärker Stadtteil dem Kickboxen verschrieben haben, richten sich aber auch aus anderem guten Grund auf den 25-Jährigen: Kadic ist bereits eine Größe der Szene, und das nicht nur in Sachen Statur. 2015 sicherte sich der in Dieburg geborene, in Langstadt aufgewachsene und bis heute im Babenhäuser Stadtteil lebende Kämpfer die WM-Titel sowohl im Pointfighting-Schwergewicht (Klasse über 90 Kilogramm, Verband WFMC) als auch im Leichtkontakt. Im Oktober will der Weltmeister beide Triumphe wiederholen – und hat den Einstieg ins Vollkontakt-Kickboxen im Hinterkopf. „Ein Vollkontakt-Wettkampf käme in diesem Jahr noch zu früh“, meint Kadic. „Ein offenes Turnier kann ich mir aber schon vorstellen.“

Wo die ganze Dynamik von Tritten und Schlägen auf den Körper trifft, ist auch im Kickboxen die Faszination zumindest für viele Zuschauer am höchsten. Nicht nur die öffentliche Wahrnehmung und die mediale Präsenz sind bei den Vollkontakt-Turnieren höher; auch die Siegerbörsen fallen deutlich üppiger aus. Selbst als Weltmeister kann Kadic im Pointfighting und Leichtkontakt von seinem Sport nicht leben, arbeitet stattdessen als Elektroniker. Immerhin: „Der nationale Verband bezahlt die Unkosten, wenn ich im Oktober zur WM nach England reise.“

Bei den Weltmeisterschaften im Vorjahr startete Kadic, der als 18-Jähriger mit dem Kickboxen begonnen hat (der MTV Urberach lässt einen Einstieg allerdings schon ab zwölf Jahren zu), zum ersten Mal im neuen Verband. Vorher kämpfte er innerhalb des WAKO, nun im WFMC. „Wie im Boxen gibt es auch im Kickboxen mehrere Verbände“, erläutert Kadics Trainer Anton Milis. Sportlich messen sich so nicht immer alle internationalen Topleute direkt miteinander. „Im Endeffekt wird das leider so gemacht, weil jeder Verband Geld verdienen will“, bedauert Milis.

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

Überhaupt schlägt der 59-Jährige einige nachdenkliche Töne an. Während sein Topathlet Kadic mit ihm die Faszination für die Ästhetik des Kickboxen teilt, fallen andere Ansichten durchaus unterschiedlich aus. Kadic schließt für die Zukunft auch einen Einstieg in die Mixed Martial Arts, die noch mehr Aufmerksamkeit und Verdienstmöglichkeiten als das reine Kickboxen versprechen, nicht aus. „Die werde ich im Hinterkopf behalten“, so Kadic. Milis nennt die MMA derweil „Brot und Spiele – das, was früher Gladiatorenkämpfe waren. Leider wollen die Leute Blut sehen.“

Die mitunter recht brutalen Szenen eines MMA-Kampfs gibt es im Leichtkontakt-Kickboxen hingegen nicht zu sehen. Dennoch schwärmt Kadic von seinem Sport: „Er sieht sehr gut aus, belohnt einen schnell. Man hat das Ziel, immer weiter hoch zu kommen. Kickboxen macht dich ehrgeiziger. Der Sport bringt dich auch in anderen Bereichen des Lebens weiter.“ Schnelligkeit und Beweglichkeit kämen deutlich vor Kraft, stellt derweil Milis heraus. Und, ganz wichtig: Intelligenz. „Viel geht über Erfahrung. Man muss gucken, wie der Gegner steht, welche Techniken er einsetzt. Das gilt es zu entschlüsseln.“

Ohne die körperlichen Grundlagen geht es freilich nicht. Bis Oktober wird Weltmeister Milan Kadic sechsmal wöchentlich trainieren, um in England seine Titel verteidigen zu können. Eine Sache kann ihm niemand mehr nehmen: Vor kurzem durfte er sich d ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

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