Zusätzliche Plätze

Kinderbetreuung: Ausbau geht weiter

Der in die Jahre gekommene evangelische Kindergarten wird neu gebaut – und dann auch U3-Kinder aufnehmen.
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Der in die Jahre gekommene evangelische Kindergarten wird neu gebaut – und dann auch U3-Kinder aufnehmen.

Babenhausen - Einen weiteren Schritt bei der Kinderbetreuung sind die Stadtverordneten gegangen. Auch für die künftige Nutzung des alten Rathauses in Hergershausen gab es grünes Licht. Von Stefan Scharkopf 

Kita-Plätze fehlen, rasches Handeln ist geboten: Die CDU hatte in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments einen Antrag zum Ausbau der Kita Danziger Straße vorgelegt, dem auch alle Parlamentarier folgten; einzig die Freien Wähler enthielten sich der Stimme. Bislang war geplant, noch 2015 einen Container für eine Gruppe zu errichten und die Planung für eine bauliche Erweiterung voranzutreiben. Die Union schlug nun vor, davon abzuweichen und bereits jetzt einen Anbau in Holzständerbauweise zu realisieren. CDU-Mann Günther Eckert schloss sich in seiner Stellungnahme dem Eigenbetrieb der Stadt an, der einen Anbau in modularer Bauweise empfohlen hatte; die Bauzeit ist kürzer und die Kosten sind geringer. Mit 282.000 Euro wird gerechnet. Ein Neubau würde etwa eine halbe Million kosten. Im Wirtschaftsplan 2015 sind hierfür bereits 290.000 Euro eingestellt. Der Bedarf für etwa 22 U- und Ü3- Kinder ist nach Auffassung der CDU auch wegen des Baugebiets Lachewiese 1 und des geplanten Areals Lachewiese 2 „mehr als vorhanden“.

Weitere Argumente dafür seien auch, dass der evangelische Kindergarten nach dem Umbau zu vier Gruppen die Liste nicht abdecken könne und im Sophie-Kehl-Heim, das während der Bauzeit als Ausweichquartier dient, keine Krippenkinder unterkommen können. Die Neueröfnung der kirchlichen Einrichtung werde zudem wohl kaum vor 2019 sein. Zunächst sei er skeptisch gewesen, so zu verfahren wie die Union beantragt hatte, sagte Bürgermeister Achim Knoke, „aber wenn es vernünftig vorgebrachte Argumente sind, kann man dem folgen“. Die Kosten und die geplante Nutzungsdauer von 20 bis 30 Jahren hätten ihn letztlich überzeugt.

Skeptisch war zunächst auch Ingrid Schumacher („Bürger“). Doch weil das Geld bereits im städtischen Etat berücksichtigt ist und kein Nachtragshaushalt fällig werde, könne sie zustimmen. Maria Steinmetz-Hesselbach (SPD) sah es ebenso. Auch die Eltern befürworteten das Projekt Danziger Straße, die Lösung sei längst überfällig. Bedenken meldeten dagegen die FWB an. Frank Bornschlegell warb dafür, zunächst das Projekt ev. Kindergarten zu stemmen: „Wenn wir merken, dass die Plätze nicht ausreichen, können wir immer noch schnell reagieren.“ An Zahlenspielen wollte sich Bornschlegell nicht beteiligen. „Wir wissen doch überhaupt nicht, wie viele Familien mit Kindern in die Lachewiese 1 und 2 ziehen, das sind doch bloß Schätzungen. Alle Zahlen sind spekulativ.“ In der Abstimmung enthielten sich die FWB denn auch. Bürgermeister Knoke wies daraufhin, dass die Realisierung noch in diesem Jahr wohl nicht mehr machbar sei, die Verfahren – Bauleitplanung, etc. – brauchen Zeit.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Auch beim geplanten Neubau des ev. Kindergartens für vier Gruppen – also einem Plus von rund 75 Plätzen – votierten die Stadtverordneten für einen CDU-Antrag. Entgegen der bisherigen Planung soll die Einrichtung sowohl für Ü3- als auch U3-Kinder gebaut werden, ursprünglich stand nur die Unterbringung älterer Mädels und Jungs im Raum. Die Baukosten sollen auf 2,4 Millionen Euro gedeckelt werden, also 600.000 Euro pro Gruppe. Mit dieser Summe wird auch der Neubau der Kita Hergershausen gehandelt. Enthalten sind darin bereits Mehrwertsteuer, Außenanlage, Aufwärmküche und sonstige Einrichtungen. „Wir wollen keine zweite Kita Kunterbunt“, sagte Günther Eckert. Diese Betreuungseinrichtung sei mit knapp 800.000 Euro pro Gruppe deutlich zu teuer ausgefallen. Womöglich müsse auch noch ein Haus gekauft werden, um mehr Platz auf dem Außengelände der ev. Kita zu haben. Der Betriebsvertrag mit der Kirche fand eine deutliche Mehrheit, auch wenn noch Fragen offen sind.

Bürgermeister Knoke nannte die 600.000 Euro „sportlich“ und hegte Zweifel ob der Erreichbarkeit dieses Ziels. Schließlich werde in der Altstadt und nicht auf der grünen Wiese gebaut. „Grundsätzlich ist eine Kostendeckelung gut“, sagte Ralf Schlingmann (SPD), „welche Kosten entstehen, sehen wir aber erst, wenn die Planungen vorliegen“. Dennoch stimme die SPD – bis auf eine Abgeordnete – der CDU „mit Bauchgrimmen“ zu. Ohne viel Federlesens stimmte das Stadtparlament dem Verkauf des alten Rathauses in Hergershausen an einen Privatmann für 40.000 Euro zu. Der Käufer verpflichtet sich, innerhalb von zwei Jahren dort einen Allgemein- oder Facharzt anzusiedeln. Gelingt ihm das nicht, muss er 30.400 Euro nachzahlen.

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