Floriansjünger aus Trebesing bringen Zirbel-Bäumchen mit

Ein kleiner Exot zum Jubiläum

Langstadt - Seit 25 Jahren sind die Feuerwehren von Langstadt und Trebesing (Österreich) befreundet. Das wird im Frühjahr und im Spätsommer in beiden Orten gefeiert. Die Kärntener kamen jetzt nach Langstadt, wo beide Seiten eine Überraschung bereithielten. Von Michael Just 

Gedeiht hoffentlich prächtig: die Zirbel, die Gerhard Oberegger senior (rechts) und Jürgen Richert setzten.

Es war 1991, als die Freundschaft richtig ins Rollen kam. Ein Langstädter Blaurock machte mit seiner Frau schon länger Urlaub in Kärnten. Der zufällige Plausch mit einer Bedienung, deren Mann bei den Feuerbekämpfern in Trebesing ist, erwies sich als „folgenschwer“: Er war der Antrieb, dass eine Gruppe 112-Vertreter aus dem Babenhäuser Stadtteil schauen wollte, was da für Feuerwehrkollegen im Süden Österreichs agieren. „Schon beim ersten Blick waren wir uns sympathisch. Das harmonierte einfach“, erinnert sich Matthias Erlacher, der damals Kameradschaftsführer in Trebesing war (ein Kameradschaftsführer kümmert sich in Österreich um den Zusammenhalt der Truppe, etwa mit der Organisation von Veranstaltungen).

In der Folge entstand ein reger Austausch mit unzähligen Besuchen und Gegenbesuchen. Nur wenige vermuteten zu Beginn, dass man 25 Jahre später in Langstadt diese unerschütterliche Kontinuität mit Ansprachen, einem Buffet, Freigetränken und Stimmungsmusik von „Der Alpenritter und sein Burgfräulein“ aus Frankfurt feiern wird.

Bereits am Donnerstag war der Bus mit österreichischem Kennzeichen und 48 Personen an Bord auf dem Kopfsteinpflaster im Langstädter Ortskern vorgefahren. Am Freitag hatten die Gastgeber einen Ausflug nach Miltenberg organisiert, am Samstag ging´s nach Frankfurt.

Der offizielle Teil erfolgte im Anschluss mit dem Kameradschaftsabend in der geschmückten Fahrzeughalle. Dabei waren auch die beiden Bürgermeister und Feuerwehrkommandanten, wie man in Österreich sagt, zugegen. Auf Trebesinger Seite heißt der Bürgermeister Christian Genshofer, der Kommandant Johann Gustav Hanke. Die Babenhäuser Seite vertraten Verwaltungschef Achim Knoke, Wehrführer Jens Rodenhäuser sowie Stadtbrandinspektor Mario Wörner. Wie Achim Knoke sagte, sei es alles andere als selbstverständlich, über die Entfernung von 660 Kilometern eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. „Wir sind gerne bei euch“, entgegnete Amtskollege Genshofer und fügte hinzu, dass der Kontakt hoffentlich noch lange vertieft wird.

Fast die gesamte „Festhalle“ trat in einheitlichen Polo-Shirts auf. Die schicke Jubiläums-Kreation zeigt im Brustbereich die beiden Ortswappen, die mit „Partnerschaft“ überschrieben sind. Gemeinsam wurden die Polos entworfen und in Austria mit einer Auflage von 140 Stück hergestellt.

Die Überraschung des Abends rückte den Trebesinger Kameraden Matthias Erlacher in den Mittelpunkt: Der 61-Jährige, ehemalige Außendienstler für Landtechnik, wurde für seine Verdienste um die Freundschaft zum Ehrenmitglied der Feuerwehr Langstadt ernannt. Als Geschenk erhielt er einen Kupferstich des örtlichen Feuerwehrhauses und einen Korb mit Spezialitäten aus der Region, bei dem Hausmacher Wurst und ein Brand vom Otzberg nicht fehlten. Mit Letzterem kontern die Südhessen stets die guten Geister, die es in Österreich mit Enzian, Marillenschnaps oder Williams-Christ zu genüge gibt. Erlacher begleitet derzeit das Amt des „Langstadt-Beauftragten“. Auf der anderen Seite machen das Joachim Selzer und Jürgen Richert, die bei ihren österreichischen Freunden nur „Josh“ und „Ritchie“ heißen.

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Die Ernennung zum Ehrenmitglied trieb Matthias Erlacher, der kurz „Hias“ gerufen wird, Tränen der Rührung in die Augen. Dieser Überraschung begegnete die österreichische Seite mit einem Zirbel-Bäumchen, das schon am Donnerstagabend neben den Löschteich gesetzt wurde. Die Zirbel ist eine Kiefer aus den Alpen, die bis zu 1 000 Jahre alt wird. Ihr duftendes Holz dient für Möbel- und zur Schnitzkunst, aus Zapfen und Samen lässt sich Schnaps oder Likör herstellen. Der Baum kommt aus 1 000 Meter Höhe und wurde von Gerhard Oberegger senior, der als „Trebesing Wirt“ eine Alm in Kärnten betreibt, gestiftet. Zusammen mit Jürgen Richert brachte er das Gewächs in den Langstädter Boden. Damit der kleine Exot sich heimisch fühlt, hatte Oberegger noch einen Wurzelballen Preiselbeeren und Enzian im Gepäck. Die Zirbel ist eine Antwort auf die zwei jungen Pyramideneichen, die die Langstädter vor ein paar Jahren Trebesing schenkten. Wie die österreichische Seite weiß, haben sich die Bäume nach anfänglichen Schwierigkeiten gut entwickelt. Startschwierigkeiten kannte die Freundschaft zwischen Trebesing und Langstadt nicht. Dafür liefert Joachim Selzer die Begründung: „Wir haben aus der Sache kein Politikum gemacht und die Freundschaft von innen heraus gelebt.“

Rubriklistenbild: © Just

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